Pauli-Coach vor dem Duell mit seinem Ex-Klub

Lienen über 1860: "Man muss sich nicht wundern"

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Ewald Lienen bedient sich bei 1860 und holt Richard Neudecker ohne Ablöse.

München – Ex-Löwen-Trainer Ewald Lienen spricht über Stagnation und den Talente-Ausverkauf beim TSV 1860. Am Freitag trifft er mit St. Pauli auf Sechzig.

Nach etwas mehr als 20 Minuten drückt Ewald Lienen aufs Tempo. „Leute, ich muss los“, ruft er ins Telefon, verweist auf anstehende Termine und erinnert daran, dass das eine große Ausnahme gewesen sei. Interviews mit Reportern, die ihn zu seinem Ex-Verein befragen, lehnt er eigentlich ab. Schon aus Gründen des Selbstschutzes, denn der Kulttrainer des Kultvereins St. Pauli sagt ja nicht einfach irgendwas. Er belehrt, kritisiert, doziert, schweift ab – und überzieht, einmal in Fahrt, jede selbst auferlegte Redezeit („Zehn Minuten – länger geht nicht“).

Ewald Lienen (62) über ...

... seine Zeit in München (2009/10):„Viele der Leute von damals sind nicht mehr im Verein. Es war ein schönes Jahr bei 1860, aber es hat nicht gereicht, um eine lebenslange Beziehung zum Klub aufzubauen. Wenn ich so denken würde, dann müssten mir jetzt mehrere Vereine leid tun, die in einer ähnlicher Situation sind.“

... Daniel Bierofka, seinen früheren Spieler, der jetzt ein Trainerkollege ist: „Daniel war ein unglaublicher Kämpfer, der sich immer wieder motiviert hat, neu anzufangen (nach Verletzungen/d. Red.), sich neu aufzubauen. Das ist eine harte Schule, die er durchlaufen hat. Und ich denke, dass ihm das viel Kraft gegeben hat – auch für die Arbeit als Trainer.“

... das Erfolgsrezept, mit dem er seinen aktuellen Klub von Platz 18 (Ende 2014) auf Platz 4 geführt hat: „Wir haben die Kurve schon in der Rückrunde der letzten Saison bekommen und uns mit einer sehr guten Mannschaftsleistung in letzter Sekunde gerettet. Insgesamt geht es immer um eine Mischung aus Qualität, Mentalität sowie mentaler und körperlicher Fitness. Diesen Mix konnten wir in die neue Saison mitnehmen.“

... die Löwen, die im selben Zeitraum tabellarisch nicht vom Fleck gekommen sind: „Es ist nun mal so, dass fehlende personelle Kontinuität immer auf die Mannschaft reflektiert. Wenn ich jedes Jahr das Personal auf den sportlich und administrativ verantwortlichen Positionen durchwechsle, dann ist es häufig so, dass ein Verein nicht entsprechend performt. Genügend Potenzial ist eigentlich da, speziell in der Nachwuchsarbeit. Schade, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht schaffen, Ruhe reinzubekommen.“

... U 19-Nationalspieler Richard Neudecker, den er seinem Ex-Klub ablösefrei wegschnappt: „Man muss sich nicht wundern, dass so etwas passiert. Damals war es ebenfalls so, dass das Tafelsilber, die jungen Spieler, kurzfristige oder gar keine Verträge hatten und die älteren längere. Dabei müsste es umgekehrt sein. Wenn man Geld braucht, muss man eine Vereinspolitik machen, die garantiert, dass dich die Talente nicht für ‘nen Appel und ‘n Ei verlassen können, sondern wenigstens eine angemessene Ablöse bringen.“

Bilder: Die Trainer des TSV 1860 seit 1992

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