Keine Zeit für Seitenblicke

Das fordert Bierofka gegen St. Pauli von seinen Löwen

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Sein Monsterknie ist abgeschwollen: Mölders meldet sich einsatzfähig.

München - Am Freitag muss der TSV 1860 beim FC St. Pauli ran. Trainer Daniel Bierofka stellt Forderungen an seine Löwen.

Der letzte Löwen-Sieg beim FC St. Pauli? Ist gar nicht so lange her, wie man vielleicht annehmen würde. Gefeiert wurde er am fünften Spieltag der zurückliegenden Saison (2:1 am 14. September 2014), also vor gut eineinhalb Jahren. Gefühlt liegt er deutlich länger zurück. Vor allem, wenn man sich die Protagonisten von damals in Erinnerung ruft.

Selbst für tiefblau gefärbte Stammtische wäre es eine Herausforderung, den Trainer und die Torschützen von damals ohne Zuhilfenahme elektronischer Spickzettel aufzusagen. Trainer: Ricardo Moniz. Torschützen: Leonardo und Yannick Stark. Keiner aus diesem Trio war noch da, als die Katastrophensaison im legendären Relegations-Wahnsinn mündete. Apropos Wahnsinn: Bei den letzten sechs Duellen mit dem Kiezklub hatten die Löwen sechs verschiedene Cheftrainer.

Heute, bei der Neuauflage am Millerntor (bei uns im Live-Ticker), wird Daniel Bierofka, 37, am Spielfeldrand stehen (sitzen ist nicht sein Ding), der dritte ehemalige U 21-Coach in Folge, der eine verkorkste Saison zum Ende bringen muss. Zuvor hießen die jeweiligen Trainer-Trilogien: Schmidt, Funkel, von Ahlen (2013/14). Moniz, von Ahlen, Fröhling (14/15). Und aktuell: Fröhling, Möhlmann, Bierofka.

Bierofka, 37, ist einer derjenigen Löwen, die sogar den vorletzten Sieg am Millerntor miterlebt haben. Im November 2001 war das – in Spiel Nummer drei nach der Ära Werner Lorant. Peter Pacult, Lorants Nachfolger (auch er Ex-U 21-Coach), feierte einen 3:0-Sieg und seine ersten drei Punkte – mit dem jungen Bierofka in der Startelf. „Das war noch das alte Millerntor, wo man durch die Baracke zu den Kabinen gegangen ist“, erinnert sich der Linksaußen von einst: „Von der Nostalgie ist in dem neuen Schmuckkästchen nicht viel übrig geblieben. Es ist aber immer noch ein außergewöhnliches Stadion – mit einer außergewöhnlichen Stimmung. Und darauf freuen wir uns.“

Doch etwas ist anders als 2001 und 2014: Das Spiel heute findet nicht in der Hinrunde statt, sondern am drittletzten Spieltag der Rückrunde, wo es zunehmend schwer fällt, etwaige Ausrutscher zu korrigieren. „Wir müssen uns 90 Minuten in dieses Spiel reinbeißen“, fordert Bierofka daher. Maßstab ist für ihn der beherzte Auftritt beim 1:0-Sieg gegen Braunschweig zu seinem Einstand. Daran soll das Team anknüpfen. In bewährter Grundordnung (4-3-3) und ähnlicher Aufstellung. Offen ist lediglich, wer im Sturmzentrum aufläuft: Sascha Mölders, der ungeachtet seines zuletzt geschwollenen „Monsterknies“ am Abschlusstraining teilnehmen konnte („Sah gut aus“). Oder Rubin Okotie, der dem Trainernovizen mit seinem siegbringenden Jokertor ein Traumdebüt beschert hatte.

Zu erwarten ist ein Spiel, bei dem auch die Psychologie eine Rolle spielen wird. Weil die Polizei am ersten Mai-Sonntag anderweitig benötigt wird, finden heute Abend gleich sechs Zweitligaspiele statt – die Hälfte mit Beteiligung eines oder mehrerer Kellerkinder. Egal, sagt Bierofka: „Unter dem Spiel“ seien Zwischenstände der Rivalen tabu. „Auf die Tabelle“, empfiehlt er, „können wir dann hinterher schauen.“ Alles ist bekanntlich möglich: Die Löwen (derzeit Platz 16) können wieder ganz unten reinrutschen – im Idealfall aber auch bis auf Rang 14 vorstoßen.

Bilder: Die Trainer des TSV 1860 seit 1992

Einen kleinen Seitenblick erlaubt sich Bierofka höchstens, um seinen Ex-Trainer zu begrüßen: Ewald Lienen. „Er wollte mich damals von Leverkusen nach Hannover holen. Ich war sogar bei ihm zu Hause.“ Und auch in dem Jahr bei 1860 (09/10), als Bierofka dauerverletzt war, habe er Lienen als besonderen Menschen erlebt: „Sehr intelligent, sehr einfühlsam. Immer wieder hat er mir damals Mut zugesprochen.“ Heute, nach Spielende, hätte Bierofka nichts dagegen, wenn er mal in die Rolle des Trostspenders schlüpfen dürfte.

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