Lothar Langer vom Fanprojekt München

"Ismaik spaltet die Fan-Szene"

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Anhänger des TSV 1860 - Wer übernimmt in Zukunft die Kurvenhoheit?

München - Mit der Cosa Nostra und den Giasinga Buam lösten sich innerhalb kürzester Zeit zwei große Ultra-Gruppierungen des TSV 1860 auf. Lothar Langer vom Fanprojekt München sieht eine Teilschuld bei Investor Hasan Ismaik.

Zwei Paukenschläge erschütterten jüngst die Fanszene des TSV 1860 München. Nach der Cosa Nostra hatten sich am letzten Montag auch noch die Giasinga Buam nach einem spektakulären Fahnenklau durch Anhänger des FC Bayern München aufgelöst. Die beiden Ultra-Gruppierungen galten als die beiden lautstärksten Unterstützer in der Fan-Kurve und waren zudem jahrelang für die Fangesänge und Choreographien der Löwen hauptverantwortlich. Die Konsequenzen für die künftige Stimmung in der Allianz-Arena sind derweil klar: keine Vorsänger, keine Kurvenhierarchie, keine Choreographien, so Lothar Langer in einem Interview mit tz.de.

Dass die beiden Gruppierungen untereinander zerstritten waren, ist kein Geheimnis. Die Cosa Nostra war rund zehn Jahre lang die führende Ultra-Gruppierung der Münchner Löwen, zog sich aber im Juli 2011 etwas zurück und übergab die Organisation des Supports an die Giasinga Buam. Im Sommer 2014 kehrte die Gruppierung dann zurück und nahm wieder aktiv an der Unterstützung der Löwen teil. Und das mitten in der Nordkurve, gemeinsam mit den Giasinga Buam. Dass diese erzwungene Symbiose unter erheblichen Reibereien erfolgte, konnte unlängst beim Testspiel der Sechziger gegen den BVB im Grünwalder Stadion beobachtet werden. Die beiden Gruppierungen sangen konsequent gegeneinander an.

Langer: "Sechzig ist offenkundig auf Führerkult gepolt"

Lothar Langer, der seit über 20 Jahren im Fanprojekt München arbeitet, ist für die Betreuung der Anhänger der Löwen zuständig und selbst aktiver Unterstützer der Fanszene. Für ihn ist die Stimmung innerhalb der Fanszene der Sechziger innerhalb Deutschlands einmalig - im negativen Sinne. Statt sich um ein konstruktives Miteinander zu bemühen, gingen sich die Gruppierungen meist wegen Nichtigkeiten und Vormachtstellungen untereinander an, so Langer in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Den Rückzug der Ultra-Gruppierungen insgesamt, führt Langer gegenüber tz.de auf den Einstieg des jordanischen Sport-Investors Ismaik zurück. 1860 und seine Ultras hätten sich immer weiter entfremdet.

Gegenüber der SZ stellte Langer außerdem fest: "Sechzig ist offenkundig auf Führerkult gepolt". Er spielt damit auf die Rolle von Karl-Heinz Wildmoser, dem langjährigen Vereinspräsidenten des TSV, an, der die Anhänger der Löwen in der Vergangenheit ebenfalls für sich benutzt habe: "Die Fans bei Sechzig tappen traditionell immer in diese Fallen. Sie müssten sagen: Nein, wir gehen da gemeinsam hin - oder gar nicht. Mich wundert es selbst, dass die Fangemeinde immer wieder darauf reinfällt", so Langer weiter.

Das Lagerdenken innerhalb der Fangruppierungen sei insgesamt auf eine große innere Zerrissenheit zurückzuführen, die selbstverständlich auch mit der sportlichen Misere zusammenhänge. Einerseits solle der sportliche Erfolg wieder her, andererseits falle es den Fans schwierig, den Investoren-Einstieg mit dem eigenen Selbstverständnis zu vereinbaren. Eine Zwickmühle, aus der ein Ausweg nur durch eine gut informierte und zusammenarbeitende Fan-Szene gefunden werden könne. Doch von dieser sei man bei 1860 weit entfernt: "Seit 25 Jahren wäre eine Einigung der Fan-Szene notwendig, aber es gibt immer dieses Lagerdenken", sagte Langer der SZ. Auf die Frage, ob Investor Hasan Ismaik die Fans spalte, antwortete der erfahrene Betreuer der Löwen-Anhänger kurz und bündig: "Ja, genau."

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Doch auch eine weitere Befürchtung macht unter Kennern der Fan-Szene die Runde. Nach dem Rückzug der CN und der GB könnten Rechtsradikale wieder versuchen, ihren Einfluss in der Kurve auszubauen. Lothar Langer sieht hier jedoch keinen Anlass für Beunruhigung: "Diese Personen sind bekannt. Wenn man mit denen auf Facebook befreundet ist, hat man ja gleich den Verfassungsschutz am Hals. Einfluss werden sie nicht bekommen, die Leute sind sensibilisiert, Gott sei Dank. Das ist den Löwenfans gegen Rechts zu verdanken - und den Giasinga Buam", so Langer.

Für Langer selbst bedeuten die beiden Auflösungen in Zukunft noch mehr Arbeit. Als Sozialarbeiter wird er in den nächsten Wochen versuchen, einen guten und belastbaren Kontakt zu den Fangruppen herzustellen. Eine einzelne aktive Gruppe, die die Kurvenhoheit übernehmen könnte, ist derzeit aber wohl noch nicht in Sicht.

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sdm                   

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