Interview mit Fanprojekt der Löwen

Folgen der Auflösung der Buam? "Stimmung wird anders sein"

München - In der Fankurve der Löwen droht ein großes Vakuum - zwei große Ultra-Gruppierungen haben sich aufgelöst. Lothar Langer vom Fanprojekt spricht über die Konsequenzen.

Innerhalb von nicht mal einem Monat haben sich beim TSV 1860 die beiden bekanntesten Ultra-Gruppen aufgelöst. Am 1. Juli hatte die Cosa Nostra ihr Ende bekanntgegeben, am Montag erklärten die Giasinga Buam ihr Aus. Der Anlass dafür: Bayern-Fans hatten zwei Fahnen der Buam geklaut, in der Ultra-Szene ein höchstpeinlicher Vorgang, der als Konsequenz nur die Auflösung der Gruppierung lässt. Die tz sprach mit Lothar Langer vom Fanprojekt des TSV 1860 über die Situation und die Konsequenzen.

Herr Langer, geht jetzt die Stimmung in der Kurve bei Löwen-Spielen flöten?

Langer: Sagen wir mal so: Es wird eine andere Stimmung herrschen. Ein Teil dieser Ultras wird erst mal nicht ins Stadion kommen, aber irgendwann werden sie wieder da sein. Vom Herzen her geht's ja gar nicht anders.

Eine andere Stimmung sagen Sie. Wie drückt sich das aus?

Langer: Es wird keinen Vorsänger mehr geben. Das haben bisher die Leute der Cosa Nostra und der Buam besorgt. Jetzt muss aber erst eine neue Gruppenstruktur gefunden werden. Im Moment gibt es keine Kurvenhierarchie, aber bis zum Jahresende wird sich in dieser Hinsicht sicher wieder etwas entwickeln. Aber derzeit ist sicher niemand da, der das übernimmt. Viele junge Fans haben sich ja vor allem an den Giasinga Buam orientiert.

Müssen sich die Löwen auf eine Stimmung wie in, sagen wir mal Sandhausen, gefasst machen?

Langer: Sicherlich nicht. Dafür besitzt der TSV 1860 insgesamt ein viel zu emotionales Publikum. Die Leute haben alle den Löwen im Herzen - das macht auch Stimmung.

Wie sieht es künftig mit Choreografien aus?

Langer: Die wird es wohl erst mal nicht geben. Dafür haben in der Vergangenheit ja immer die Giasinga Buam gesorgt. Mit ganz tollen Einfällen.

Wie zwingend war es, dass sich die Giasinga Buam wegen des Fahnenklaus aufgelöst haben?

Langer: Wenn die Fahne weg ist, dann steht das in Fußball-Deutschland bei den Ultras zur Debatte. Egal warum. Das ist auch der Fall, wenn einer besoffen am Boden liegt und sie sich wegnehmen lässt. Das Ganze ist ein Ritual, ein Gruppenzwang.

Finden Sie diese Konsequenz richtig?

Langer: Ich persönlich nicht. Aber das gehört dazu. Ansonsten musst du viel einstecken in der Szene. Vor allem Gelächter und Spott.

Die Fanszene des TSV 1860 hat mit sehr martialischen Worten auf den Diebstahl der Fahne reagiert und u. a. erklärt: "Wer Wind sät, wird Sturm ernten." Was ist zu erwarten, vor allem beim Regionalliga-Derby Ende August?

Lothar Langer (M.) vom Löwen-Fanprojekt.

Langer: Diese Stellungnahme war sicherlich unglücklich formuliert. Das Derby wird nicht anders ablaufen als in den vergangenen fünf Jahren. Mit viel Polizei und zusätzlicher Spannung durch die letzten Ereignisse. Mittlerweile ist dieses Spiel ja so eine Art Eventparty geworden, zu der man einfach hin muss. Aber ich hoffe, dass die Leute in dieser Hinsicht einfach etwas runterfahren und nicht glauben, dass das die gute alte Zeit widerspiegelt, was da abgeht. Teile der Ultras waren zuletzt ja schon nicht mehr bei den Derbys, und mir wäre es recht, wenn diese Entwicklung so weiterginge.

Rubriklistenbild: © Christina Pahnke / sampics

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