Münchner Investorenfamilie gab Angebot ab

Ismaik zur tz: Ich verkaufe 1860 nur, wenn ...

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tz-Reporter Ludwig Krammer im Gespräch mit Löwen-Investor Hasan Ismaik in dessen Suite im Londoner Corinthia Hotel.

London - Am Sonntag lud Hasan Ismaik die Presse zum Gespräch nach London ein. Der 1860-Investor sprach über den Rücktritt von Ulrich Bez und darüber, wann er seinen Anteil verkaufen würde.

Hasan Ismaik hat am Wochenende in punkto Öffentlichkeitsarbeit mächtig Gas gegeben. Der Hauptgesellschafter des TSV 1860, der am Freitag München noch grollend den Rücken gekehrt hatte, lud für Sonntag die tz und zwei andere Münchner Zeitungen zu einem Gespräch nach London ein. Der Jordanier präsentierte in der über vierstündigen Unterredung einige Kernbotschaften und Neuigkeiten. So erklärte der 39-Jährige, er habe ein Angebot über 18 Millionen Euro für seine 1860-Anteile abgelehnt. Zugleich räumte er ein, unter bestimmten Voraussetzungen zu einem Verkauf bereit zu sein. Zudem versicherte Ismaik, er werde eine Million Euro für Spielerverpflichtungen in der Winterpause bereitstellen. Seine Darlehen werde er bis zum Stichtag am 31. Dezember allerdings nicht in Genussscheine umwandeln. Dies habe bilanzielle Gründe, erklärte der Jordanier. Er könne in seiner Firma in diesem Jahr keine Verluste mehr in die Bücher eintragen. Und es sei auch eine pädagogische Maßnahme. Die KGaA-Verantwortlichen sollten für den Misserfolg selbst büßen. Wären sie erfolgreich, könnte er ihnen denselben Betrag als Bonus auszahlen. Den Löwen droht durch den Verstoß gegen die Eigenkapital-Regularien der seitens der DFL nun eine Strafe im mittleren sechsstelligen Bereich.

Seine Gäste empfing Ismaik in seiner Suite im siebten Stock des Londoner Fünf-Sterne-Hotels Corinthia mit Blick über die Themse. Die Löwen hatten gerade 0:3 beim SC Freiburg verloren. Er habe Teile des Spiels im Fernsehen gesehen, sagte Ismaik; sein Bruder Abdelrahman ergänzte, man sei Niederlagen gewöhnt, überraschen würden nur Siege der Löwen. Beste Stimmung also im spiegelbesetzten Konferenzraum. Butler Simon servierte Kaffee, zwei persönliche Bedienstete tischten Süßwaren auf. Was Ismaik mit seiner überraschenden Audienz bezweckte, wurde erst gegen Ende des über vierstündigen Gesprächs klar. Als die Rede auf einen zurückgetretenen 1860-Beiratskollegen (Ulrich Bez, d. Red.) kam, thematisierte der Jordanier die Möglichkeit des Verkaufs seiner Anteile. Mit der Zeit habe er herausgefunden, dass dieser Beirat einzig und allein deshalb zum Klub gekommen sei, um Einblick in die Finanzen zu erhalten. Und um ihn zum Verkauf seiner Anteile zu drängen.

Das Londoner Corinthia Hotel.

Bereits im Sommer sei ein Anwalt in Abu Dhabi bei Bruder Abdelrahman vorstellig geworden – mit einem nicht akzeptablen Angebot: Zwei Millionen Euro für die Anteile. Plus fünf Millionen im Aufstiegsfall. Plus fünf Millionen extra, sollte der Klub in die Champions League einziehen. Am 25. Oktober habe der Beirat dann eine Mail geschrieben, deren Inhalt Ismaik so zusammenfasste: Dieselbe Investorenfamilie habe diesmal 18 Millionen Euro für die Anteile geboten. Er habe gemeint, die Löwen seien nicht zu verkaufen. Und schon gar nicht zu diesem Preis. Das Beiratsmitglied habe gesagt, die sportliche Situation sei hoffnungslos. Um dies zu ändern, müsste Ismaik mindestens 20 Millionen Euro investieren. Und da es die 50+1-Regel gebe, habe das Beiratsmitglied zum Verkauf geraten.

Den Namen der vermögenden Familie wollte Ismaik aus Respekt nicht nennen. Die Münchner Familie mit großem Namen besitze eine Autofabrik. Nach tz-Informationen soll es sich um die Familie Porsche handeln, die zudem eng befreundet mit einem früheren Mitglied der Vereinsführung ist (dabei soll es sich um Siegfried Schneider handeln). Aber er, Ismaik, wolle eine klare Botschaft senden: Es brauche nicht die ganzen Machenschaften hintenherum, um ein Angebot unterbreitet zu bekommen. Das sei beschämend.

Satte ­Summen: Die von ­Ismaik ­verteilte Aufstellung seiner ­Darlehen an den TSV 1860.

Ismaik fühlt sich offenbar ausgenutzt, hält sogar eine Verschwörung für möglich: Der rasante sportliche Abstieg sei eventuell ein Druckmittel, damit er verkaufe. Unter Wert werde er seine Anteile sicher nicht veräußern. Zwei Bedingungen müssten erfüllt sein, damit er verkaufe. Die Fans müssten mehrheitlich sagen, dass er gehen soll. Und er müsse die vollständige Summe, die er investiert habe, wieder zurückerhalten. 38,3 Millionen Euro hat Ismaik bislang in 1860 gesteckt. Aufgeregt wedelte er mit dem Formular, auf dem die Darlehen verzeichnet sind (siehe oben). Was sei das für ein Verein, in den er 40 Millionen Euro gesteckt habe, und nun kein Cent mehr da sei! 1860 habe keinen einzigen Spieler, der fünf Millionen wert sei.

Immerhin erklärte sich Ismaik bereit, in der Winterpause Geld in neue Spieler zu investieren. Co-Geschäftsführer Noor Basha habe ihn auf Wunsch von Trainer Benno Möhlmann und Sportchef Oliver Kreuzer um 600 000 Euro gebeten, um davon zwei oder drei Spieler zu verpflichten. Er habe daraufhin sogar eine Million Euro genehmigt.

Ismaik betonte auch, ein neues Stadion sei weiterhin sein Ziel. Wenn er in die Allianz Arena gehe, fühle er sich heimat- und obdachlos. Sein Lebenstraum sei, in der Ersten Liga mit 1860 den FC Bayern zu besiegen. Er liebe 1860 wie sich selbst. Auch ein Abstieg in die dritte Liga sei nicht das Ende der Welt.

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