Ismaik, 1860 und die Champions League - Kommentar

Reines Wunschdenken?

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Hasan Ismaik.

München - Hasan Ismaik hält sich nur ungern mit bescheidenen Zielen auf. Ihn interessieren die ganz großen Dinge, die Superlative, von denen andere höchstens zu träumen wagen.

Der Jordanier hat es auf diese Weise zu enormem Reichtum gebracht, Forbes schätzt sein Vermögen auf 1,6 Milliarden Euro, angeblich ist der 39-Jährige der jüngste Milliardär des Nahen Ostens. Kein Wunder also, dass es ihn auch als Investor des TSV 1860 zu höchsten Weltfußball-Sphären drängt. Derlei Gedanken sind nicht ganz neu, in einem Interview mit dem „kicker“ hat Ismaik nun aber seine Absichten in – auch für seine Verhältnisse – ungewöhnlich hochkonzentrierter Form kund getan. Geht es nach dem Hauptanteilseigner, so starten die mit bis zu 200 Millionen Euro verstärkten Löwen schon in Bälde einen triumphalen Höhenflug, verwandeln sich vom Zweitligisten in einen europäischen Spitzenklub und mischen im eigenen 52 000-Zuschauer-Stadion die Champions League auf. Reines Wunschdenken? Orientalische Übertreibung? Oder steckt in den großen Worten doch ernsthaftes Kalkül?

Nun, Ismaik hatte ja schon 2011 verblüfft, als er zu Beginn seines Engagements erklärte, die Löwen innerhalb von drei Jahren „auf Augenhöhe mit dem FC Barcelona“ bringen zu wollen. Daraus ist bekanntlich nichts geworden. Stattdessen erlebten die Sechziger eine quälende Zeit des Zanks, der Missverständnisse – und des bedrohlichen Rückschritts. In den letzten beiden Jahre drohte gar der Absturz in die Drittklassigkeit. Erstaunlich war dabei, dass die Partnerschaft mit dem arabischen Geldgeber nicht zu Bruch ging. Ismaik hat in all den Jahren rund 50 Millionen investiert, das Wohl und Wehe der Sechziger liegt in seinen Händen. Nicht jeder Fan fühlt sich wohl dabei – aber zu dem Mann aus Abu Dhabi gibt es für die Löwen keine Alternative. Er ist und bleibt der allmächtige Mann im Verein.

Die Frage stellt sich dennoch, wie realistisch seine Pläne sind. Auch im Fußball lassen sich auf die Schnelle keine Wunderdinge vollbringen. Selbst der von einem milliardenschweren Weltkonzern finanzierte RB Leipzig brauchte – neben einem ausgefeilten Konzept – viel Geduld, um endlich wenigstens in der Bundesliga anzukommen. Sicher, hohe Ziele sind besser als gar keine. Nur muss sich Ismaik im Klaren sein, dass – sollte er es tatsächlich ernst meinen – ein längerer Weg vor ihm liegt. Derzeit befinden sich die Löwen auf Rang elf der 2. Liga und nur drei Punkte vom Abstiegsplatz entfernt. In der Münchner Fußballwirklichkeit gilt es nun dringend bei den Würzburger Kickers zu punkten. Vom FC Barcelona sollte vorerst besser nicht die Rede sein.

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