Insolvenz nicht auszuschließen

Ismaiks Zorn und die Folgen: 750.000 Euro Strafe drohen

Einer der wenigen, der einen guten Draht zu Hasan Ismaik hat: 1860-Präsident Peter Cassalette (l.). Foto:sampics
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Einer der wenigen, der einen guten Draht zu Hasan Ismaik hat: 1860-Präsident Peter Cassalette (l.).

München - Die Stimmung ist unter Null bei den Löwen: Nach den jüngsten Wutausbrüchen von Gesellschafter Hasan Ismaik droht nun eine immense Strafe.

Peter Cassalette machte keinen Hehl aus der aktuellen Stimmung. „Mit der jetzigen Situation kann keiner glücklich sein“, sagte der Präsident des TSV 1860. Zusammen mit seinen Präsidiumskollegen Hans Sitzberger und Peter Helfer sowie Verwaltungsbeiratschef Karl-Christian Bay hatte er Münchner Löwen-Reporter in die Traditionsgaststätte „Donisl“ geladen, um zu den jüngsten Wutausbrüchen von Gesellschafter Hasan Ismaik Stellung zu nehmen. Allzu viel hatten die Herren von der Vereinsführung allerdings nicht zu bieten. Dazu ist – das wurde schnell deutlich – die Lage viel zu undurchsichtig. Bay gab immerhin die grundsätzliche Vorgehensweise kund: „Der Verein ist an keiner Eskalation interessiert.“ Und das natürlich aus gutem Grund: „Wir betrachten die aktuelle Entwicklung“, so Bay, „mit großer und ernsthafter Sorge.“

Bay: „Wir werden versuchen, mit Ismaik vernünftig zu reden“

Ismaik hatte bei seinem Auftritt vor einer guten Woche in London bekanntlich damit gedroht, den Löwen den Geldhahn komplett zuzudrehen. Zugleich forderte er „spürbare Veränderungen“ im Verein. Eine Formulierung, die die Klubführung ratlos macht. „Wir können uns nicht erklären, was er damit meint“, sagte Cassalette.

Die Folgen ausbleibender Finanzmittel wären jedenfalls äußerst schmerzhaft bis fatal. Allein schon die Weigerung, seine Darlehen über 3,5 Millionen Euro in Genussscheine umzuwandeln würde eine drastische Strafe seitens der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nach sich ziehen. Bay bestätigte eine Summe von 750 000 Euro, die an die DFL wegen nicht eingehaltener finanzieller Auflagen zu zahlen wäre. Dies entspricht in etwa den gesamten Pokaleinnahmen. Noch bestehe „eine Resthoffnung“, dass Ismaik die Umwandlung – wie von der DFL gefordert – bis zum 31. Dezember 2015 vornimmt. Dem Prinzip Resthoffnung gibt Cassalette allerdings nur wenig Erfolgschancen: „Das ist maximal unwahrscheinlich, aber wir probieren es trotzdem.“

Nicht nachvollziehbar ist dabei, dass Ismaik den Löwen eine Million Euro für Wintertransfers zugesichert hat – und zugleich in Kauf nehmen würde, dass davon 750 000 Euro als Strafe der DFL zufließen. „Das ist seine Logik. Für uns ist das keine Logik“, sagte Vizepräsident Helfer. Die Frage ist dabei auch, ob Ismaik überhaupt noch zu seinem Versprechen steht, eine Million in Verstärkungen zu investieren. Helfer meinte: „Wir hoffen, dass das Geld kommt.“ In München eingetroffen ist es jedenfalls noch nicht.

Noch brenzliger wird es für die Sechziger, falls Ismaik seine Zahlungen komplett einstellt. „Wenn Ismaik die Saison 2016/17 nicht finanziert und wir keine alternative Finanzierungsmöglichkeit finden würden, dann wäre 1860 gefährdet“, sagte Bay. Die Münchner bräuchten seitens ihres Gesellschafters „einen mittleren einstelligen Millionenbetrag“. Andernfalls, so Bay, entstehe „Insolvenzgefahr“. Das könnte den Lizenzentzug zur Folge haben.

Eine Option wäre noch, dass Ismaik seines Engagements endgültig müde wird und seine Anteile abgibt. „Wir würden uns nicht sperren, wenn er verkaufen würde“, sagte Bay. Der Finanzfachmann merkte aber auch an: „Es stellt sich die Frage, ob Ismaik einen realistischen Kaufpreis fordert.“ Bekanntlich schätzt der Jordanier den Wert seiner Anteile auf 38,3 Millionen Euro ein. Das letzte Angebot, das ihm unterbreitet worden war, belief sich auf 18 Millionen.

Bay setzt nun auf die Kraft der Worte: „Wir werden versuchen, mit Ismaik vernünftig zu reden. Der, der am meisten Gehör findet, sollte das tun.“ Derzeit sei das, so Bay, Löwen-Präsident Cassalette. Dieser erklärt sich diese Sympathien so: „Dass ich momentan einen sehr guten Draht zu Ismaik habe, liegt daran, dass ich bei ihm unvorbelastet bin.“ Schon gestern hat er den Versuch gestartet, noch einmal Kontakt mit Ismaik aufzunehmen. Man darf gespannt sein.

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