KSC gegen 1860

Fußball bei 37 Grad: Hitze-Irrsinn sorgt für Diskussionen

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Die Spieler waren auf dem Platz der prallen Sonne ausgesetzt. Zumindest für die Zuschauer gab es eine Abkühlung (im Hintergrund).

Karlsruhe/München - Karlsruhe und 1860 duellierten sich in der Mittagshitze. Trotz 37 Grad wurde am Samstag in der prallen Sonne gekickt - was die Frage aufwirft: Sind solche Anstoßzeiten in Ordnung?

Jan Mauersberger war nicht zu beneiden nach der schweißtreibenden Rückkehr in sein früheres Heimstadion, das sich am letzten August-Samstag wie eine afrikanische Savanne angefühlt hatte. Auf 37 Grad in der Spitze hatte sich der Wildpark im Herzen des subtropischen Karlsruhe erhitzt – mit entsprechenden Auswirkungen auf Ergebnis (0:0), Organismen (Kollapsgefahr) und Gruppenverhalten nach dem Schlusspfiff (Flucht!), dem der lange Löwen-Verteidiger tatenlos zusehen musste.

Maximilian Wittek ließ sich einen Eisbeutel reichen, um den Kopf auf dem Weg in die Kabine runterzukühlen, der Rest der Kollegen duschte eiligst, um den vom Trainer spendierten Kurzurlaub anzutreten. In den Wandelgängen des Stadions herrschte eine quirlige Unruhe wie in der Grundschule, wenn der Klassenlehrer „hitzefrei“ ausruft. Und Mauersberger? Der legte noch eine unfreiwillige Zusatzschicht ein. „Dopingtest“, brummte er und lächelte gequält: „Ist natürlich sehr passend nach so einem Spiel.“ Naja, meinte der Innenverteidiger mit Blick auf seinen dehydrierten Athletenkörper (1,94 m): „So hab ich wenigstens ein paar Stunden Zeit, um mich mit den Ex-Kollegen auszutauschen.“ Bis die Apfelsaftschorle, die er auf einer Pritsche des Sanitätsraums in sich hineinschüttete, dort ankam, wo sie die Dopingkontrolleure haben wollen.

Die lähmende Hitze beim Spiel der Löwen in Karlsruhe war natürlich das beherrschende Thema nach einer Nullnummer, die selbst für die detailversessenen Trainer Kosta Runjaic (1860) und Tomas Oral (KSC) schnell abgehakt sein wird. „Es hat schon gut runtergebrannt“, berichtete Wittek, als er nur mit einem Handtuch um die Hüften zum Interview erschien: „Leider hat das Stadion keinen einzigen Schattenfleck. Die extreme Hitze spürt man die ganze Zeit. Immer wieder trocknet der Mund aus, und gerade zum Ende hin wird’s dann sehr, sehr zäh.“ Grenzwertig fand auch der diesmal blasse Stefan Aigner die klimatischen Verhältnisse: „Werte wie die Laufleistung darf man heute nicht zum Maßstab nehmen.“ Sportchef Thomas Eichin räumte ein: „Schon auf der Bank war’s heftig. Aber Kompliment an alle. Bei so einer Hitze habe ich schon schlimmere Spiele gesehen.“

1860 wirkte in der Defensive stabil

Erfreulich aus Sicht der 1860-Bosse war vor allem, dass das neu formierte Team defensiv stabil wirkte, zum zweiten Mal in dieser noch jungen Saison ohne Gegentor blieb und teils ansprechend den Ball durch die eigenen Reihen laufen ließ. Negativ dagegen fiel auf: Es gab so gut wie keine Torchancen – abgesehen von einem Kopfball des eingewechselten Stefan Mugosa, den KSC-Keeper Dirk Orlishausen per Hechtsprung klärte (81.). 

Auch die gut 30-minütige Überzahl nach dem Platzverweis gegen Torres (58.) vermochte 1860 nicht zu nutzen. Wittek meinte: „Phasenweise haben wir es gut rausgespielt – leider hat es nur zu einem Punkt gereicht, was unser Minimalziel war.“ Mauersberger drückte es so aus, ehe er sich in sein Kammerl zurückzog: „Ich denke, es war wieder ein Schritt nach vorne. Wir haben den KSC größtenteils im Griff gehabt.“

Viele 3er: Bilder und Noten von den Löwen beim KSC

Auch das Fazit des anspruchsvollen Runjaic war von Pragmatismus geprägt. „Alle haben das Spiel überlebt“, bilanzierte er: „Es war echt sehr heiß heute. Beide Teams sind an ihre Grenzen gegangen. Für diese Umstände war es ein ordentliches Spiel.“ Um die Akkus wieder aufzuladen und weil das nächste Spiel weit weg ist (in genau 14 Tagen beim 1. FC Nürnberg), gewährte er hitzefrei bis Mittwoch, 16 Uhr.

KSC vs. 1860: Darf man bei solch einer Hitze überhaupt Leistungssport treiben?

Blieb noch die Frage offen: Soll oder darf man bei diesem Wetter überhaupt Leistungssport treiben? Nein, sagte Oral, der schon Assistent von Felix Magath war und auch sonst nicht als zimperlich gilt. „Ich find’s nicht in Ordnung, wenn ein- oder zweimal im Jahr so ein Wetter ist, dass wir dann um ein Uhr mittags spielen müssen. Wir wollen den Fans was bieten, wir wollen leidenschaftlichen Tempofußball sehen. Das ist unter diesen Bedingungen unheimlich schwer. Leider Gottes haben eben andere Sachen Priorität. Und hinterher ist das Geschrei dann immer groß, wenn irgendetwas passiert.“

Spontan dachte man an eine Maßnahme, für die Oral einst beim FSV Frankfurt belächelt worden war. Damals ließ er seine Profis durch eine Autowaschstraße laufen, um ihr Karma reinzuwaschen. Am Samstag wäre es sinnvoll gewesen, wenn sich beide Mannschaften gleich dort getroffen hätten – oder direkt an einem Badesee. Der Verlust für die Zuschauer wäre überschaubar gewesen.

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