Die ständige Wiederkehr der Krise

Kommentar: Bleibt Sechzig doch Sechzig?

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München - Anspruch und Realität klaffen bei den Löwen wieder mal weit auseinander. Nach verheißungsvollem Beginn droht die 13. Zweitligasaison in Serie einen ernüchternden Verlauf zu nehmen.

Um sich ausmalen zu können, was derzeit in Hasan Ismaik vorgeht, sei kurz an sein gerade mal drei Wochen zurückliegendes Interview erinnert. Hierbei erfreute er den blauen Anhang mit der frohgemuten Einschätzung: „Wir sind auf dem richtigen Weg, aus 1860 einen der besten Vereine Europas zu machen. Unser aller Traum ist es, eines Tages in der Champions League zu spielen.“ Über Coach Kosta Runjaic sagte er: „Ich hoffe, dass er einer der größten Trainer wird.“ Ismaiks Optimismus in allen Ehren – aber derzeit wird es im deutschen Fußball wohl keinen Verein geben, bei dem Anspruch und Wirklichkeit weiter auseinander klaffen als beim Münchner Traditionsklub. Ismaiks bekanntlich sehr reizbares Temperament dürfte somit unmittelbar vor einem vulkanisch anmutenden Wutausbruch stehen.

Nach nur neun Spieltagen verdichten sich unübersehbar die Indizien, dass nun schon zum dritten Mal in Folge die Nervenmühle des Abstiegskampfs droht. Den Ernst der Lage beschrieb Sportchef Thomas Eichin treffend mit der Vokabel: „Krisensituation.“ Gefühlt handelt es sich ja um eine blaue Dauerkrise. Und fraglich ist dabei, ob Runjaic noch viel Zeit bleibt, sich als Ausnahmetrainer zu profilieren. Es kursiert bereits das Gerücht, Andre Breitenreiter stünde als Nachfolger parat. Kein gutes Zeichen.

Dabei schienen die Löwen in ihrer 13. (!) Zweitliga-Saison in Folge endlich viele Dinge richtig angepackt zu haben. Ismaik trat erstmals als mutiger Investor auf, der zusätzliche Millionen in den Kader pumpte. Zugleich schloss der streitbare Jordanier innige Freundschaft mit Präsident Peter Cassalette, so dass der 1860-Hausfriede ausnahmsweise gewahrt blieb. Der neue Coach Runjaic trat als Hoffnungsträger und mit einem als hochprofessionell eingestuftem Trainerteam an. Dass Oliver Kreuzer im Sommer als Sportchef gefeuert wurde, mag zwar irritiert haben, doch Nachfolger Eichin überzeugte in der Rolle des coolen Machers. Prompt spielte die Mannschaft ein paar Mal so flott auf, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hatte.

So weit, so gut. Doch der radikale Stimmungsumschwung offenbarte, dass der Verein längst nicht so gefestigt ist, wie viele schon glaubten. Zuletzt beim 1:3 gegen Düsseldorf schien auf dem Spielfeld sogar blanke Panik zu herrschen. Mit Verletzungspech allein ist das nicht zu erklären. Droht also doch das altbekannte Löwen-Chaos, die ewige Wiederkehr der Krise? Bleibt also Sechzig doch Sechzig? Wir wollen’s nicht hoffen.

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