Ist die Traditionsmarke 1860 beschädigt?

Kommentar zum Medienboykott: 1860 geht einen gefährlichen Weg

+
Hasan Ismaik und sein Medienboykott sorgt für viel Wirbel.

München - tz-Redakteur Bernd Brudermanns sieht im de facto von Hasan Ismaik verhängten Medienboykott wenig Sinn. Er sieht den TSV 1860 auf dem Weg ins Chaos und in den Untergang. Ein Kommentar:

In Zeiten eines Dietrich Mateschitz und RB Leipzig kann man darüber streiten, ob die 50+1-Regel so noch Sinn macht. Denn de facto hat ja Red Bull einen zuvor namenlosen Verein übernommen, um eine – wie Aki Watze sagte – Dose zu performen. Dass die DFL allerdings zu Recht nicht will, dass Vereine in die Hände von unberechenbaren Investoren fallen, zeigt ein Blick an die Grünwalder Straße. Denn das Einzige, was dort derzeit performt wird, ist Chaos und Untergang.

Mit einem der teuersten Kader der Zweiten Liga in der Nähe der Abstiegsregion herumzudümpeln, ist bemerkenswert. Aber dafür die Presse verantwortlich zu machen und die Medienvertreter vom Vereinsgelände auszusperren, zeugt nicht nur von schlechtem Stil, es ist auch kontraproduktiv.

Bernd Brudermanns.

Glaubt ­Hasan Ismaik tatsächlich, die Medien durch den Boykott disziplinieren zu können? Glaubt der Jordanier, dass die Berichterstattung dadurch positiver wird? „In regionalen und überregionalen Medien“ werde „despektierlich, unverschämt und verlogen“ über ihn berichtet, findet Ismaik. Er sieht sich von einer „Lügenkampagne“ von „charakterlosen Menschen“ verfolgt.
Mit dieser Wortwahl begibt sich der Investor nicht nur argumentativ auf eine Ebene mit der AfD und deren Lügenpresse-­Unsinn. Er verlässt auch die Bühne des demokratischen Diskurses. Das Tragische und Traurige daran ist, dass sich die – de jure – „Vereinsführung“ hinter ihn stellen muss, um gegenüber der DFL die Meinung vertreten zu können, der Klub habe die Trainerentlassung und Geschäftsführer-­Entmachtung veranlasst.

Sich in die Hände eines bar jeden Fußballverstandes handelnden Zahlmeisters zu begeben, war keinesfalls alternativlos. Der Gang zum Konkursrichter und der Neuanfang in der Regionalliga wäre eben auch ein gangbarer Weg gewesen. Auch wenn er mit dem (zumindest vorübergehenden) Verlust des 1860-Leistungszentrums in seiner jetzigen Form verbunden gewesen wäre. Dass die Vereinsführung das nicht wollte, obliegt ihrer Verantwortung.

Man darf gespannt sein, wie lange die Sponsoren diesen gefährlichen Weg, den Ismaik mit seinem Spielzeug eingeschlagen hat, noch mitgehen. Denn dass der Investor die Traditionsmarke TSV München von 1860 nachhaltig beschädigt, kann definitiv nicht im Sinne von Unternehmen sein, die ein positives Image-Umfeld brauchen. Und positiv und 1860 sind derzeit Begriffe aus zwei Universen…

Bernd Brudermanns

auch interessant

Meistgelesen

Ticker zum Nachlesen: 1860 unterliegt in Bochum
Ticker zum Nachlesen: 1860 unterliegt in Bochum
Bierofka streicht Perdedaj und Degenek - Liendl in Bochum dabei
Bierofka streicht Perdedaj und Degenek - Liendl in Bochum dabei
Vorrunde für Boenisch beendet
Vorrunde für Boenisch beendet
1860 verliert - Bochums Siegtor ging Handspiel voraus
1860 verliert - Bochums Siegtor ging Handspiel voraus

Kommentare