"So müssen wir jetzt weitermachen"

Konkurrenz patzt: Löwen im Wettlauf mit der Zeit

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So wird’s gemacht: Daniel Adlung (r.), eigentlich kein Kopfballspezialist, traf in Düsseldorf zur 1:0-Führung.

München – Können Fröhlings Löwen ihren Aufschwung so fortsetzen, dass es am Ende zur Rettung reicht?

Nach einem Auswärtspunkt von zweifelhaftem Wert stand für die Löwen am Sonntag Nachsitzen auf dem Programm. Wer selber einen wichtigen Sieg liegen lässt, muss eben schauen, was die Konkurrenz so anstellt. Torsten Fröhling richtete sich auf einen Nachmittag vor dem Fernseher ein. „Alleine, denn ich hab nicht aufgeräumt“, quälte er sich einen Scherz raus. Auch das Gros der Spieler dürfte bei der Sky-Konferenz mitgefiebert haben. Nur Dominik Stahl, der Urlöwe, wählte die etwas nervenschonendere Variante: Kaffee trinken bei der Schwiegermama. Denn: „Ich kann ja nur bedingt beeinflussen, was die Anderen machen.“

Die Furcht der Löwen war groß, trotz des ansprechenden Auftritts in Düsseldorf in der Tabelle abzusacken. Doch das Schlimmste, der Sturz auf einen Abstiegsplatz, blieb ihnen erspart. Ewald Lienens zuletzt so stabile St. Paulianer verloren in Heidenheim (1:2), Aalen ist jetzt zwar seit sieben Spielen ungeschlagen, kommt aber durch das 1:1 in Frankfurt nicht so recht vom Fleck. Am heutigen Montag könnte Aue theoretisch vorbeiziehen, doch fürs Erste behaupten die Löwen Platz 15, der ihnen kraft Gewohnheitsrecht fast schon zusteht. „Was der Punkt in Düsseldorf wert ist, wird man am 34. Spieltag sehen“, hatte sich Fröhling frühzeitig auf eine allgemeingültige Aussage festgelegt.

Spielerisch und kämpferisch, so der Tenor, war der Auftritt in Düsseldorf ein Fortschritt. Die auf zwei Positionen veränderten Löwen (Hain für Rodri, Stahl für den gesperrten Bülow) traten kompakt auf wie bei der Aufholjagd gegen Bochum (2:1), und sie gingen verdient in Führung, weil Marius Wolf das Kopfballungeheuer in Daniel Adlung weckte. Seine scharfe Flanke von rechts wuchtete Adlung von der Höhe des Elfmeterpunktes so platziert in die rechte obere Ecke, dass der ansonsten überragende Rensing ohne Abwehrchance blieb.

Der „Befreiungsschlag“, von dem Fröhling träumte, schien greifbar. Nach der Pause jedoch leisteten sich seine Löwen eine Phase der „Schläfrigkeit“ (Schindler). Kagelmacher wurde draußen am Kinn behandelt, Rama passte kurz nicht auf – Liendl nutzte das aus, indem er den Ball auf kunstvolle Weise durch die komplette Abwehr ins Netz zirkelte. Der Rest des Spiels war ein Sturmlauf der Löwen – ein Umstand, der Fröhling losgelöst vom Ergebnis Mut macht: „Wir sind zurückgekommen, wir haben bis zum Schluss gefightet – all diese positiven Sachen müssen wir mitnehmen. Düsseldorf ist schließlich nicht Kleinkleckersdorf. Man sieht, dass ein Trend da ist. So müssen wir jetzt weitermachen.“

Aus Fröhlings Sicht wird der Endspurt der Saison zu einem Wettlauf mit der Zeit. Die schönste Entwicklung ist schließlich wertlos, wenn am Ende der Abstieg steht. Generell findet der Coach aber, dass sein Team immer besser verinnerlicht, was er sich von einem erfolgsversprechenden Zweitligafußball verspricht: Kompakt im Zentrum, mit Kombinationen von hinten raus und energischen Angriffen über die Flügel. „Wenn wir 90 Minuten so spielen wie die zweite Hälfte gegen Bochum oder größtenteils in Düsseldorf, dann stehen wir ganz oben.“ Das Problem dabei: „Das kann keine Mannschaft. Jede hat ihre Schwächephasen.“ Sein Ziel ist nun, diese Momente des Leerlaufs in den verbleibenen 360 Saisonminuten zu minimieren.

Noten: Richtig gut war keiner - richtig schlecht aber auch nicht

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Ob’s am Ende reicht? „Ich hätte es gerne etwas ruhiger gehabt, aber wir schaffen das“, sagt Fröhling. Fünf Punkte dürften zur Rettung fehlen, doch da ist ja auch noch Rubin Okotie, der nach siebenwöchiger Verletzung sofort präsent war, als er nach einer Stunde den blassen Hain ablöste. Sein Kopfball, den Rensing von der Linie kratzte, war die größte Chance zum Sieg. „Er hatte eine ganz andere Körpersprache und Beweglichkeit als vor seiner Verletzung“, sagte der Trainer. Der Hoffnungsträger selbst zeigt sich angetan von den Fortschritten des Teams in seiner Abwesenheit. Seine Überzeugung, dass 1860 drin bleibt, scheint so groß zu sein, dass er den Pflichttermin, die Sky-Sonntagskonferenz, ruhigen Gewissens schwänzte. „Meine Mama ist da“, sagte Okotie. „Ich denke, wir gehen eher mit dem Kleinen in den Englischen Garten.“

von Uli Kellner

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