"Endspiel" im Abstiegskampf

Muss Bierofka mit einer Dreierkette spielen?

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Tüftelt noch an der Taktik für das Spiel gegen Paderborn: Löwen-Coach Daniel Bierofka.

München - Bierofka glaubt an seine Löwen, die er möglicherweise mit einer Dreierkette ins "Endspiel" schickt. Eins ist sicher: Der Ansturm der Fans auf Tickets ist enorm.

Sie granteln, was das Zeug hält, wünschen die Spieler und ihre Bosse nicht selten zum Teufel, doch wenn es darauf ankommt, ist den Löwen-Fans alles andere egal – das schöne Maiwetter, der Muttertag, die ewige Stadiondebatte. 68.500 Fans waren vor Jahresfrist gegen Nürnberg in der Arena, 57.000 beim Relegationskrimi gegen Kiel – und auch 2016 ist auf den Anhang Verlass. Beim Showdown gegen den Tabellenletzten SC Paderborn steht dem TSV 1860 ein Rekordbesuch ins Haus. „Die beiden unteren Ränge sind ausverkauft“, hieß es am Freitag: „Es sind nur noch Karten für den Oberrang erhältlich.“ 51.000 waren im Februar gegen Nürnberg da – das dürfte am Sonntag getoppt werden.

Bierofka nimmt Zuschauer in die Pflicht

„Außergewöhnlich“, findet Daniel Bierofka den Ansturm. Und der Coach, bis vor zwei Jahren selber Profi, musste nicht lange nachdenken, als er zum Effekt solch einer Kulisse befragt wurde. „Das kann einen nur pushen“, sagte er und verwies auf das Montagsspiel in der Bundesliga, als eingeschüchterte Stuttgarter mit 2:6 bei entfesselten Bremern untergegangen waren. Vorsorglich nahm er aber beide in die Pflicht – Mannschaft und Zuschauer. „Ich erwarte von meinen Spielern, dass sie 90 Minuten bereit sind, an ihre Grenze zu gehen“, sagte er: „Aber genau dasselbe erwarte ich auch von den Zuschauern. Ich denke, in so einem Spiel kann das diesen einen zusätzlichen Prozentpunkt herauskitzeln.“

Ein Prozent soll am Sonntag also der Anhang beitragen, für die restlichen 99 Prozent übernimmt Bierofka die Verantwortung – und das offenbar mit Überzeugung. Die Verfassung des Teams? „Momentan ist eine ganz gute Mischung drin“, sagte er. „Im Training waren alle sehr konzentriert, es war aber auch eine Prise Lockerheit da. Dieses kreative Moment braucht du speziell in der Offensive, denn sonst kommst du nie vor das gegnerische Tor.“

Entscheidend dürfte aber auch sein, die zum Siegen verdammten Paderborner vom eigenen Tor wegzuhalten. Bierofka freute sich am Freitag über ein Überangebot an genesenen Spielern (Sukalo, Stahl, Hain), doch auf einer Position sind ihm die Hände gebunden: links hinten. Maxi Wittek fällt wegen seiner zehnten Gelbe Karte aus, Jannik Bandowski hat sich erneut einen Ermüdungsbruch im Fuß zugezogen. Mehr Spezialisten für links hinten gibt der Kader nicht her.

Zauberwort Dreierketter

In seiner Not überlegt Bierofka nun, noch ein bisschen mutiger zu sein als ohnehin bereits. Dreierkette lautet das Zauberwort. Bei der U 21 hat er gute Erfahrungen damit gemacht, bei den Profis unter der Woche ein diesbezügliches Experiment gestartet. Die Argumente dafür: „Wir haben drei Innenverteidiger, die das spielen können, sehr gute Außenbahnspieler und sehr gute Stürmer.“ Das Argument dagegen: „Es ist schon ein gewisses Risiko, in so kurzer Zeit erneut das System zu wechseln.“ Im Abschlusstraining will er noch mal genau hinschauen – und dann intuitiv entscheiden. Die Alternative wäre, in gewohnter Viererkettenabwehr auf einen von drei positionsfremden Profis zu setzen – auf Sertan Yegenoglu, Daniel Adlung oder Milos Degenek.

Bierofka wirkt positiv angespannt, und ein bisschen scheint er es zu bedauern, dass er selber nicht mehr auf dem Platz stehen kann. „Ich habe ein gutes Gefühl für Sonntag“, sagt er: „Entscheidend wird auch sein, welche Mannschaft bereit ist, dem Gegner mehr wehzutun.“ Der Tabellenletzte aus Paderborn macht jedenfalls nicht den Eindruck, dass er sich kampflos ergeben wird. Aus einem guten Spiel in Freiburg schöpft der Bundesliga-Absteiger neue Hoffnung, Ex-Löwe Moritz Stoppelkamp befindet sich in Hochform. Coach René Müller sagte auf der Pressekonferenz: „Entschlossen, zuversichtlich und optimistisch ist unsere Grundhaltung. Wir haben genügend Möglichkeiten, um das Spiel zu gestalten – auch erfolgreich zu gestalten.“

500 Fans kommen aus Paderborn

Und während Paderborn 500 Fans auf die Reise schickt, ist bei den Löwen kurzfristig ein Platz auf der Vip-Tribüne frei geworden. Hasan Ismaik musste seinen fix gebuchten München-Trip absagen. „Eine unverzichtbare USA-Reise“ sei ihm dazwischengekommen, schreibt der Investor bei Facebook und versichert: „Selbstverständlich werde ich mir das Spiel im Livestream anschauen, mit ganzem Herzen dabei sein und die Daumen drücken.“

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