Löwen-Gremien blockieren sich selbst

Heiß über 1860-Planungen: "Dann sehe ich schwarz ..."

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Sorgt sich um die Zukunft seines TSV 1860: Meisterlöwe Fredi Heiß.

München - Investor, Verwaltungsrat und Geschäftsführung blockieren sich beim TSV 1860 mal wieder gegenseitig. Meisterlöwe Fredi Heiß bereitet das Sogen.

Der VfB Stuttgart als Vorbild für den TSV 1860? Derzeit eigentlich schwer vorstellbar. Die Schwaben sind aus der Ersten Liga abgestiegen, haben innerhalb von zwei Tagen Präsident, Trainer und Sportdirektor entsorgt – so was bezeichnet man im Allgemeinen als chaotische Verhältnisse. Aber: Bereits drei Tage nach dem Abstieg stand der neue Trainer auf der Matte. Und mit Jos Luhukay beileibe keiner, den man jetzt als Panik- oder Notverpflichtung bezeichnen würde. Gut und schnell reagiert vom Aufsichtsrat des VfB, der derzeit das Sagen hat, kann man da nur feststellen. Und der TSV 1860? Der weiß seit knapp zwei Wochen, dass er in der 2. Liga bleibt, und passiert ist bisher – nichts.

Weil sich Investor, Verwaltungsrat und Geschäftsführung mal wieder gegenseitig blockieren. Kein neuer Cheftrainer, keine Verstärkungen, Sportchef Oliver Kreuzer kann bisher keinen Vollzug vermelden. Und seitdem Ismaik die Ablösung von drei Verwaltungsräten gefordert und den Verein damit unter Druck gesetzt hat, ist die Situation so richtig angespannt.

Heiß: Den Funktionären fehlt der Fußballsachverstand

Wobei Ärger mit dem Verwaltungsrat beim TSV 1860 schon lange Tradition hat. Meisterlöwe Fredi Heiß gehörte diesem Gremium, das damals noch Aufsichtsrat hieß, ebenfalls mal an, ehe er 2007 entnervt das Handtuch warf. Er war einer der Letzten mit Fußballsachverstand, die in diesem Gremium saßen. Aber gegen Windmühlen zu kämpfen, dazu hatte Heiß irgendwann keine Lust mehr. „Unser Vorsitzender kam damals aus der Wasserballabteilung“, sagt er, „außerdem saßen noch Turner und Leichtathleten drin. Um den Profifußball hat sich nie jemand richtig gekümmert. Diese Leute waren alle großartig, was Funktionärstaktik betraf, aber vom Fußball war ihre Ahnung gleich null.“

Und jetzt? Etliche sitzen noch im Verwaltungsrat, die vor zwei Jahren die Installierung eines Spielervermittlers als Sportchef abnickten (Poschner) und dessen Verpflichtung von drei untauglichen spanischen Spielern ohne weitere Prüfung guthießen. Heiß: „Leute mit Fußballsachverstand hätten das anders gehandhabt.“

Dazu kommt, dass im Verwaltungsrat mittlerweile Personen sitzen, die von einer Rückkehr ins marode Stadion an der Grünwalder Straße träumen und offenbar wenig Interesse haben, dass es mit dem TSV 1860 – und dann vor allem mit Ismaiks finanzieller Hilfe – wieder aufwärts gehen soll. „Ich habe das Gefühl, dass derzeit gar nichts weitergeht“, sagt Heiß, „und das wäre ganz schlimm. Wir benötigen im Verwaltungsrat unbedingt Leute, die Visionen im Fußball haben. Wenn es dort wirklich noch welche geben sollte, die heutzutage noch ins Sechz’ger-Stadion zurück wollen, dann weiß ich nicht, was aus diesem Klub noch werden soll. Dann sehe ich schwarz.“

Bilder: Die Trainer des TSV 1860 seit 1992

Und ohne Ismaik sieht Heiß keine Chance mehr für den TSV 1860: „Ich weiß natürlich, dass er ein schwieriger Typ ist, aber wenn einer in all den Jahren 40, 50 Millionen in den Verein steckt und nichts anderes geliefert bekommt als eine abstiegsbedrohte Mannschaft, dann kann ich seinen Frust verstehen.“

Im Verwaltungsrat allerdings hält man den Stolz hoch. Stolz, der so Sätze hervorbringt wie folgenden eines Gremiummitglieds: „Ich erwarte schon, dass wir einem Mann wie Ismaik auf Augenhöhe gegenüberstehen.“ Das war übrigens einer, den der Investor loswerden will…

tz

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