Zehn Spieler müssen integriert werden

Die Neuen bei 1860: So sind ihre Stammplatz-Chancen

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Gary Kagelmacher.

München - Ganze zehn Neuzugänge haben die Löwen in der Sommerpause verpflichtet, also beinahe ein komplett neues Team. Welchen Eindruck haben die Neuen bislang hinterlassen? Was ist noch von Ihnen zu erwarten? Eine Analyse.

Quantitativ gesehen hat 1860-Sportdirektor Gerhard Poschner seine Hausaufgaben in diesem Sommer gemacht: Gleich zehn neue Spieler wurden verpflichtet, und der Kader damit nach den neun Abgängen kräftig durcheinander gerüttelt. Jetzt stellen sich nur noch die Fragen, ob sich die Masse auch als Klasse herausstellen wird und wie sich die neuen Spieler im Löwen-Trikot einfügen werden. Nach vier Spieltagen in der 2. Bundesliga und einer Partie im DFB-Pokal kann man über die meisten neuen Spieler bereits ein Mini-Fazit ziehen, einige Akteure wurden allerdings erst kurz vor Transferschluss verpflichtet. Wir wollen an dieser Stelle analysieren, inwieweit die Neuen bereits integriert sind, wie sehr sie die Sechzger weiterbringen können und was noch von ihnen zu erwarten ist:

Stefan Ortega

Stefan Ortega kam von Arminia Bielefeld, um dem etablierten Gabor Kiraly Druck zu machen. Und siehe da: Nach nur zwei Spieltagen eroberte der Neuzugang den seit Jahren fix an den Ungarn vergebenen Posten im Löwen-Tor. Die Zopf-Affäre zwischen Kiraly und Gary Kagelmacher und der darauffolgenden Degradierung des Kult-Keepers begünstigte den unerwartet schnellen Machtwechsel zwischen den Pfosten, der dann durch den Abschied Kiralys zum FC Fulham kurz vor Ende der Transferbörse besiegelt wurde. Bislang fiel der 21-Jährige Ortega weder positiv noch negativ auf. Einzig seine unnötige und offenbar von Nervosität ausgelöste Gelbe Karte in Heidenheim, als er bei einem Abschlag den Strafraum mit dem Ball in der Hand verließ, hinterließ kurzzeitig einen irritierenden Eindruck. Dennoch: Ortega ist als Nummer 1 bei den Sechzgern gesetzt.

Stammelf-Potenzial: 100 Prozent

Gary Kagelmacher

Gary Kagelmacher.

Kagelmacher kam bislang in allen vier Zweitligaspielen zum Einsatz, drei Mal sogar über 90 Minuten. Allerdings wusste der "Uru" dabei noch nicht zu überzeugen. So richtig in Erinnerung geblieben ist bislang nur der oben bereits erwähnte Zopf-Griff von Gabor Kiraly, nachdem der 26-Jährige seinen Gegenspieler enteilen ließ. Sportlich waren für die Löwen-Fans weder die Leistung als Rechtsverteidiger in Kaiserslautern noch die Auftritte in der Innenverteidigung mit Freude anzusehen. Nachdem Kai Bülow wieder fit ist, wird der Neuzugang vom AS Monaco wohl aus der Stammelf fliegen.

Stammelf-Potenzial: 30 Prozent.

Ilie Sanchez

Die Überraschung über den Transfer des ehemaligen Barca-B-Kapitäns war mindestens so groß, wie die Vorschusslorbeeren, die dem spanischen Mittelfeldstrategen entgegen gebracht wurden. Nach dem verkorksten Saisonstart ist diese Euphorie freilich verschwunden, was aber auch an den taktischen Fehlgriffen von Trainer Moniz lag: Im ersten Spiel in Kaiserslautern musste Sanchez plötzlich als Innenverteidiger ran, zuletzt gegen Darmstadt saß der 23-Jährige auf der Bank. Mit der künftig defensiveren Ausrichtung ist aber wohl Sanchez' Platz in der Startelf vorerst gesichert, dann aber als einziger "Sechser".

Stammelf-Potenzial: 90 Prozent

Edu Bedia

Ähnlich wie bei Ilie war auch beim zweiten "Barca-Transfer" die Erwartungshaltung hoch - dem wurde Bedia in allen Spielen bislang gerecht. Der 25-Jährige besticht als kluger Takt- und Passgeber im Mittelfeld. Neben Yannick Stark und vor Ilie soll Bedia auch in den kommenden Wochen und Monaten die Stütze im Löwen-Mittelfeld sein. Spielt er weiter auf gleichbleibendem Niveau, so wird er das auch.

Stammelf-Potenzial: 100 Prozent

Rubin Okotie

Rubin Okotie ist bislang der Transfer-Kracher der Sechzger! Der Österreicher hat bei den Löwen voll eingeschlagen und ist mit seinen sechs Toren in fünf Spielen DER Knipser schlechthin! Kaum auszumalen, wo die Löwen ohne die Tore des Angreifers jetzt stünden. Seine starken Leistungen haben Okotie nach zwei Jahren Pause sogar zurück in die österreichische Nationalmannschaft katapultiert. Der 27-Jährige ist die Lebensversicherung des TSV 1860 - gepaart mit einer stabileren Defensive sollen seine Tore künftig nicht nur Misserfolge verhindern, sondern den Aufschwung herbeiführen. Innerhalb weniger Wochen ist der ehemalige Spieler von Austria Wien schon unverzichtbar geworden.

Stammelf-Potenzial: 100 Prozent

Leonardo

Aller Anfang war schwer für Leonardo im Löwen-Dress. Der Brasilianer, ein alter Weggefährte von Trainer Moniz aus gemeinsamen Zeiten in Salzburg, hatte offenkundig mit Fitness- und Anpassungsproblemen zu kämpfen. Doch seit dem Pokalspiel in Kiel zeigt die Formkurve beim 31-Jährigen mehr und mehr nach oben. Zuletzt lieferte er auf der "Zehn" sehr vielversprechende Leistungen ab. Diese Position wird es allerdings wohl erstmal nicht mehr geben im bislang so offensiven, aber daher auch recht fragilen Löwen-System. Doch Leonardo wird weiter wirbeln dürfen, dann aber auf der Außenbahn. 

Stammelf-Potenzial: 90 Prozent

Daylon Claasen

Bislang ist Daylon Claasen über die Rolle des Jokers bei den Sechzgern nicht hinausgekommen. Zwar durfte der Südafrikaner am vergangenen Spieltag im Heimspiel gegen Darmstadt zum ersten Mal von Beginn an ran, doch sein 45-minütiger Auftritt auf der rechten Offensivposition offenbarte nur wenig Spektakuläres. Im Zuge der Taktikänderung wird Claasen den gerade erkämpften Platz im Mittelfeld ohnehin wieder an Leonardo verlieren. Eines der größten Defizite des 24-Jährigen ist seine mangelnde Torgefahr. Als Joker und Vorbereiter könnte Claasen für die Löwen aber wertvoll werden.

Stammelf-Potenzial: 40 Prozent

Rodri

Ist den Löwen mit dem Transfer von Rodri ein Kracher gelungen? Was seinen Lebenslauf betrifft, macht der 24-Jährige einiges her: Er stammt aus der Jugend des FC Barcelona, hat sich bereits in der Primera Division als torgefährlich erwiesen (acht Tore in 27 Spielen in der vergangenen Saison für UD Almeria) und sein neuer Trainer Riacrdo Moniz lobte ihn nach dem Testspiel gegen Asuncion mit den schmeichelhaften Worten: "Er ist schlau, er ist ein Fuchs." Jetzt muss Rodri den Vorschusslorbeeren nur noch gerecht werden. Gut ist: Der technisch versierte Rodri kann sowohl als alleinige Spitze, als auch als Sturmpartner neben "Kante" Rubin Okotie auflaufen.

Stammelf-Potenzial: 70 Prozent

Valdet Rama

Auch Valdet Rama wurde von den Löwen erst kurz vor Toreschluss verpflichtet. Sein Debüt lässt noch auf sich warten, der Albaner laboriert derzeit noch den Nachwirkungen einer Zehenentzündung. Trotzdem wird der 26-Jährige mit seiner Erfahrung und seiner Beidfüßigkeit eine wichtige Option für die Sechzger sein. "Zuletzt spielte ich immer links, ich kann es aber auch auf rechts und hinter den Spitzen," sagte Rama bei seiner Vorstellung. Wäre doch gelacht, wenn er den Löwen da nicht helfen kann, zumal Bobby Wood auf Linksaußen bislang nicht vollends überzeugen konnte.

Stammelf-Potenzial: 50 Prozent

Martin Angha

Der Schweizer ist der letzte der zehn Neuzugänge, die der TSV 1860 in diesem Sommer verpflichtete. Der 20-jährige Verteidiger wurde am 30. August vom 1. FC Nürnberg geholt und soll eine weitere Alternative im Defensivverbund darstellen. Vor seinem Bundesliga-Jahr in Nürnberg (14 Einsätze in der vergangenen Saison) kickte der U21-Nationalspieler unter anderem drei Jahre für den FC Arsenal. Angha spielt am liebsten in der Abwehrzentrale, kann aber laut eigener Aussage auch gut als Rechtsverteidiger agieren. Dafür wurde der Spieler auch geholt. So oder so: Durch Angha hat Trainer Moniz bei einer Viererkette jetzt sowohl für die Rechtsverteidigerposition mit Gregorsz Wojtkowiak, Moritz Volz, Markus Steinhöfer und Angha mehrere Alternativen. Und auch in der Zentrale hat der Coach viele Alternativen: Kagelmacher, Bülow, Schindler, Vallori und eben Angha.

Stammelf-Potenzial: 70 Prozent

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