Punkt gegen Pauli

Unentschieden dank Andrades Geniestreich

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Victor Andrade (r.) erzielt in der 77. Minute das 2:2.

München - Der TSV 1860 hat am Donnerstagabend verdient einen Punkt beim FC St. Pauli geholt – und zwar in einer dramatischen Schlussphase, in der Victor Andrade für einen Geniestreich sorgte.

Die Rettung kam in Form eines Geniestreichs. Der eben eingewechselte Victor Andrade jagte den Ball aus 16 Metern schräg hoch in den Winkel – ein Traumtor in der 78. Minute. Der Brasilianer erzielte damit das 2:2 (0:1) und rettete den Löwen beim FC St. Pauli einen redlich verdienten Punkt. „Wir haben eine großartige Moral bewiesen. Das Spiel hat gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagte Kapitän Jan Mauersberger.

1860-Trainer Kosta Runjaic hatte sich vor der Partie naturgemäß voller Zweckoptimismus präsentiert. „Wir wollen unsere Fans glücklich machen“, erklärte er im Sky-Interview. Doch für den blauen Anhang setzte es schon nach 16 Minuten einen gehörigen Dämpfer. Und zwar in Form eines Münchner Torgeschenks. Maxi Wittek rutschte bei einem Abspiel aus, der Ball landete in den Beinen des Japaners Ryo Miyaichi; dessen Vorlage wehrte zunächst Löwen-Abwehrchef Mauersberger ab, doch die Kugel flog zu Christopher Buchtmann – und der nutzte das Münchner Durcheinander zum 0:1. Das war ebenso unnötig wie bitter.

Immerhin schienen sich die Sechziger durch den Rückstand nicht groß erschüttern zu lassen. Nur drei Minuten später eröffnete sich die glasklare Einschusschance zum Ausgleich. Sascha Mölders, der unermüdliche Strafraumwühler, bescherte Michael Liendl ein feines Zuspiel; doch der Österreicher, der flink durchs Hamburger Defensivnetz geschlüpft war, scheiterte am famos reagierenden St. Pauli-Torhüter Robin Himmelmann.

Die Löwen versuchten, am Drücker zu bleiben, erkämpften sich gegen die Hamburger zeitweise ein Übergewicht, doch es dauerte bis kurz vor dem Halbzeitpfiff, ehe den eifrigen Bemühungen echte Torgefahr entsprang. Mölders, der eine scharfe Flanke von Wittek exzellent verarbeitete, scheiterte jedoch mit seinem Drehschuss: Der Ball rauschte um wenige Zentimeter am Pfosten vorbei.

1860-Präsident Peter Cassalette, der mit Hauptanteilseigner Hasan Ismaik in dessen Privatjet gen Hamburg gejettet war, erklärte in der Pause: „Da ist noch alles drin. Ich bin guter Dinge, dass wir das noch drehen.“ Allerdings hatte er bei seinem Freund Hasan auch erste Anzeichen von Unzufriedenheit beobachte: „Er ist ein bisschen sauer.“ Ein triftiger Grund mehr für die Löwen, noch einen Zahn zuzulegen.

Am Spielgeschehen änderte sich zunächst jedoch nur wenig. Der Kampfgeist stimmte, es war auch unübersehbar, dass die Löwen spielerisch mehr zu bieten hatten – doch es fehlte, wie schon zuletzt gegen Union Berlin, meist die Durchschlagskraft. Der verdiente Ausgleich wurde denn vom Elfmeterpunkt aus erzielt. Karim Matmour war nach einem Pass von Ivica Olic in den Hamburger Strafraum vorgedrungen – und stürzte im Zweikampf. Schiedsrichter Robert Kampka sah – sehr zum Missmut der heimischen Spieler und Fans – ein Foul. St. Paulis Coach Ewald Lienen wetterte: „Das ist albern, tut mir leid – das ist für mich eine krasse Fehlentscheidung.“ Den fälligen Strafstoß verwandelte Liendl (70.) eiskalt zum 1:1.

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Und nun lief die Partie urplötzlich auf Hochtouren; sie schien kurzzeitig sogar zu überdrehen. Erst war St. Pauli dran. Bernd Nehrig (76.) köpfte zum 2:1 ein, ein schwere Nackenschlag für die Münchner, die sich eben noch im Aufwind zu befinden schienen. Doch bereits der Gegenzug brachte neuerlicher Erleichterung. Der eben eingewechselte Victor Andrade zeigte, was er wert sein kann. Der Brasilianer zog vom rechten Straufraumeck ab – die Kugel flog hoch in den Winkel (78.). Ein Traumtor zum 2:2. Andrade, der gerne zwischen Genie und Wahnsinn schwankt, traf damit erstmals im Löwen-Trikot – und inspirierte die mitgereiste Löwen-Anhängerschaft zu Freudenchören. Drei Treffer innerhalb von acht Minuten, das erlebt man selten. Andrade traf sogar noch den Außenpfosten.

Letztlich war auch von Hasan Ismaik zu hören, dass sich seine Laune noch merklich gebessert hat. Und Trainer Kosta Runjaic befand: "Die Zuschauer haben ein geiles Spiel gesehen."

Roman Löw

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