Chaos-Löwen vor Mitgliederversammlung

Bashas erstaunlicher Aufstieg - Degradierung für Poschner

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Noor Basha (l.) und Gerhard Poschner.

Bad Häring/München - Gerhard Poschner ist nicht mehr Geschäftsführer des TSV 1860. Das teilten die Löwen am Freitagnachmittag mit. Er bleibt aber im Verein.

Keine Neuverpflichtung, dafür die Behauptung, er dürfe seine Transfererlöse auf Geheiß des Interims-Präsidiums nicht reinvestieren - die Schlinge bei 1860 schien sich zuzuziehen für Gerhard Poschner in den letzen Tagen. Möglicherweise werde die Trennung von Poschner schon heute bekannt gegeben, schrieb die tz in ihrer Freitagsausgabe.

Und um 15.48 Uhr rauschte tatsächlich eine Pressemitteilung der Löwen zum leidigen Thema Poschner ins Email-Postfach. Doch es war keine Trennung, die die Sechziger verkündeten, sondern eine Degradierung. Poschner sei in Übereinkunft mit Mehrheitsgesellschafter und Darlehensgeber Hasan Ismaik „als Geschäftsführer der KGaA abberufen“, teilten die Löwen mit. Er dürfe aber seine Aufgaben als Sportdirektor fortführen.

Als zweiter Geschäftsführer neben dem kaufmännischen Geschäftsführer Markus Rejek werde künftig Ismaiks Cousin und Münchner Statthalter Noor Basha fungieren, der damit einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt hat. Eine halbe Enteierung also für Poschner, aber eine zu verschmerzende? Der Degradierte wollte sich auf Nachfrage der tz nicht äußern, teilte per SMS lediglich mit: „Ich möchte dazu im Moment keinen Kommentar abgeben. Sorry.“ Klingt nicht danach, als habe Poschner die Entscheidung, von der er fast gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Pressemitteilung in Kenntnis gesetzt wurde, mit Erleichterung aufgenommen.

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Das ursprüngliche Ansinnen der Vereinsspitze, Ismaik zu einem Verkauf seiner Anteile zu bewegen, darf einstweilen als gescheitert betrachtet werden. Die vielzitierte große Lösung mit dem vielzitierten Felix Magath wird’s auf Sicht nicht geben. Fragt sich nur, was Ismaik mit den Löwen noch vorhat. Bei einem Treffen der Verantwortlichen (Vizepräsident Karl-Christian Bay, Rejek, Basha) mit Ismaik in Abu Dhabi in der vergangenen Woche sei laut Mitteilung „eine positive Diskussion über eine mögliche weitere finanzielle Unterstützung seitens Hasan Ismaik geführt“ worden. Diese könne „dazu beitragen, die gemeinsame Vorstellung beider Gesellschafter für die Zukunft der KGaA umzusetzen.“

So weit, so nichtssagend. Bekommt Poschner mehr Geld für Verstärkungen? Gibt es eine feste Frist, binnen der er liefern muss? Zumindest eine belastbare Aussage enthielt die Pressemitteilung dann doch noch: Ismaik werde sein zum Ende des Kalenderjahres fälliges Gesellschafterdarlehen verlängern. Ein baldiger Konkurs der 1860 KGaA ist somit nicht zu befürchten. Am Sonntag bei der Mitgliederversammlung in der Münchner Tonhalle (ab 10.30 Uhr) wird Interimspräsident Sigi Schneider Details liefern müssen. Welche konkreten Zugeständnisse hat Ismaik gemacht,  wie soll sich der Zeitverlust am Transfermarkt noch einigermaßen kompensieren lassen? Die Empörung der Fans in den Internetforen ist seit Freitag nochmal deutlich gewachsen. Ein „Weiter so“ könnte empfindliche Einbußen an der Dauerkarten- und Business-Club-Front zur Folge haben. Ob die kurzfristige Vorstellung eines neuen Spielers daran was ändern würde, sei dahingestellt.

Etwas in den Hintergrund gerückt ist nach den jüngsten Ereignissen der eigentliche Zweck der Mitgliederversammlung. Wichtigster Tagesordnungspunkt (TOP 13) ist die Wahl des neuen Verwaltungsrates. 32 Kandidaten bewerben sich für neun Posten. Das neu zusammengesetzte Kontrollgremium wird dann zeitnah ein (neues?) Interimspräsidium vorschlagen, das wiederum zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung laden wird, die im September stattfinden soll. In dieser Einladung wird auch der Vorschlag für das neue Präsidium stehen. Öffentlich für das Amt beworben haben sich bisher der Vermögensberater Helmut Reiter aus Ilmmünster (Kreis Pfaffenhofen/Ilm) sowie der Münchner Gastronom Werner Hochreiter. Wie lange die Versammlung am Sonntag dauern wird? Ein Verantwortlicher zur tz: „Unter fünf Stunden wird sicher nichts gehen. Ich rechne mindestens mit sechs.“

Die gemeinsame Erklärung der Löwen-Gesellschafter im Wortlaut

Die Gesellschafter der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA möchten gemeinsam bekanntgeben, dass am 8. Juli 2015 ein Treffen der beiden Gesellschafter in Abu Dhabi stattgefunden hat. Hierbei haben Hasan Ismaik, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der KGaA, und Karl-Christian Bay als Vertreter des Vereins offene, ehrliche und produktive Gespräche geführt. Beide stimmen überein, dass dieses erfolgreiche Treffen eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung der KGaA in der Saison 2015/2016 bildet.

Die Gesellschafter sind sich darüber einig, dass die jüngste Medienberichterstattung über die KGaA, insbesondere die Medienspekulationen zu einem angeblichen Anteilsverkauf durch Hasan Ismaik, nicht konstruktiv gewesen ist. Hasan Ismaik hat nochmals sein anhaltendes Engagement für die KGaA unterstrichen und betont, dass er unaufgefordert ein weder nachhaltiges noch verbindliches Angebot für den Kauf seiner Anteile an der KGaA erhalten hat.

Im Rahmen des Treffens hat der Verein bekräftigt, dass er die immensen finanziellen Investitionen und die Unterstützung durch Hasan Ismaik über die letzten vier Jahre zu würdigen und zu schätzen weiß.

Hasan Ismaik hat bestätigt, dass das Übergangspräsidium, vertreten durch Karl- Christian Bay, seine volle Unterstützung und seinen vollen Respekt genießt.

Die Gesellschafter haben gemeinsam die letzte Saison analysiert. Sie sind zu einem gemeinsamen Verständnis bezüglich der gegenwärtigen Lage der KGaA gelangt und haben ihre Vorstellungen und Erwartungen für die Zukunft der Löwen eingehend erörtert.

Die Gesellschafter sind übereingekommen, dass Gerhard Poschner als Geschäftsführer der KGaA abberufen wird. Gerhard Poschner führt seine Aufgaben als Sportdirektor fort. Des Weiteren haben die Gesellschafter gemeinsam beschlossen, Noor Basha als zweiten Geschäftsführer neben Markus Rejek zu ernennen und diese Ernennung baldmöglichst umzusetzen. Die beiden Geschäftsführer werden gemeinsam den Bereich Sport verantworten.

Als Zeichen seiner weiteren finanziellen Unterstützung hat Hasan Ismaik bestätigt, dass sein zum Ende des Kalenderjahres fälliges Gesellschafterdarlehen verlängert werden wird. Die Gesellschafter haben außerdem eine positive Diskussion über eine mögliche weitere finanzielle Unterstützung seitens Hasan Ismaik geführt. Diese kann dazu beitragen, die gemeinsame Vorstellung beider Gesellschafter für die Zukunft der KGaA umzusetzen.

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Treffens ist die gemeinsame Erörterung und Genehmigung des Budgets der KGaA für die Saison 2015/2016 durch die beiden Gesellschafter. Diese soll auch dazu beitragen, weitere Spekulationen über Neuzugänge der Profimannschaft zu beenden.

Die Gesellschafter haben vereinbart, sich nach Beginn der neuen Saison erneut zu treffen, um ihre gemeinsamen Vorstellungen weiter zu entwickeln.

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Ludwig Krammer

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E-Mail:Ludwig.Krammer@tz.de

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