RBNY-Sportdirektor über Stolz:"Wir sind begeistert"

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Bester College-Spieler des Jahres: Leo Stolz (hier noch im Trikot des TSV 1860 München) hat in den USA bisher schon einiges erlebt – und sich top entwickelt.

München - Das frühere Löwen-Talent Leo Stolz (23) startet im US-College-Fußball durch. Das Abenteuer führt ihn nun zu Red Bull New York.

Momentan ist die timme belegt, Leo Stolz hat sich verkühlt. Aber das macht nichts, er ist sowieso gerade zum Nichtstun verdammt. Er wartet auf sein neues US-Arbeitsvisum. Momentan hat er Urlaub, aber er steht zuhause in Solln bei der Mama schon in regem Austausch mit seinem neuen Arbeitgeber Red Bull New York. Am Freitag soll er dort den Medizincheck absolvieren, am Sonntag ginge es gleich ins Trainingslager nach Orlando. Es wird eng, aber es sollte schon klappen. Und bis dahin ist die kleine Erkältung auch auskuriert.

Wer sich an die Temperaturen von Kalifornien gewöhnt hat, verkühlt sich im Münchner Winter gerne mal. Selbst, wenn man eigentlich Münchner ist. Leo Stolz hat für die A-Junioren und die Amateure des TSV 1860 gespielt, 2009 nahm er als 17-Jähriger unter Ewald Lienen auch am Profitraining teil. Nach einer Verletzung stand er vor der Frage, ob er den Anschluss noch einmal schaffen würde – und wie seine Zukunft aussehen soll: Fußball? Studium? Beides lässt sich schwer kombinieren. Eines Tages las er einen Zeitungsartikel über College-Fußball in den USA. In ihm keimte eine Idee auf.

Für viele Profis ist eine Anstellung jenseits des Atlantiks das Ende der Karriere. Im Falle von Leo Stolz war es erst der Anfang. Er startete richtig durch, nachdem er 2011 den Schritt gewagt hatte. Er wurde Kapitän des Teams der Universität von Los Angeles (UCLA) und nach dieser Saison zum landesweit besten College-Spieler 2014 gewählt. Die neue Spielzeit bestreitet er für Red Bull New York, das voller Vorfreude auf den Botschafter aus dem Land des Weltmeisters ist. „Viele hielten Leo für den besten Spieler in dieser Draft. Wir sind begeistert, so einen Spieler bei uns begrüßen zu können“, so Sportdirektor Ali Cirtus.

Leo Stolz’ US-Abenteuer begann bei der Uni von Washington. Danach entschied er sich zum Umzug nach LA, wo er inzwischen sein Politik-Studium abgeschlossen hat. Er hat viel gelernt, über den Fußball, das Land, das Leben, „es ist eine großartige Zeit, die ich bisher da verbringen durfte“. Als er neulich bei der Ehrung zum besten College-Kicker eine Rede halten sollte, lauschten ihm 400 geladene Gäste. Er hat sich ganz schön entwickelt, seitdem er vor gut vier Jahren das sportliche und akademische Profil der Agentur „sports-scholarships.com“ ausgefüllt hat, die bei der Vermittlung in den College-Fußball behilflich ist.

Nicht nur er – auch der US-Fußball hat sich im Lauf der Zeit entwickelt, erzählt er. Er konnte das miterleben, live, hautnah. „Inzwischen spielen die meisten Kids eher Fußball als Baseball, und es ist längst nicht mehr so, dass Fußball als Mädchensport gilt.“ Jürgen Klinsmann als Nationalcoach, das gute Abschneiden bei der WM – es gibt viele Katalysatoren zur Steigerung des Stellenwerts. Nur dass der FC Bayern im Sommer für einen PR-Trip dagewesen ist, blieb den Amerikanern großteils verborgen. Ein paar Leute haben ihn darauf angesprochen, berichtet Stolz, weil er halt Münchner ist. „Aber eigentlich blieb hier nur haften, dass Pep Guardiola dem US-Trainer Caleb Porter den Handschlag verweigert hat. Das verstand keiner.“

Leo Stolz konnte das auch nicht so ganz erklären, er hatte es selbst nur am Rande mitbekommen. Leichter fällt es ihm, das Niveau des College-Fußballs einzustufen. „Unter der Dritten Liga, bestenfalls Regionalliga“, meint er, „aber es wird alles besser, kontinuierlich.“ Und es gibt durchaus Highlights, natürlich. Das ganz persönliche Top-Erlebnis von Leo Stolz waren die Derbies mit der Uni von Santa Barbara. Die Rivalität hat eine lange Tradition, 12?000 Zuschauer schauen zu, und Siege sind etwas Besonderes. Bei Treffern der Heimmannschaft werfen die Fans Tortillas auf den Rasen, das ist ihr spezieller Jubel. Das Maskottchen ist ein Gaucho, der sich über die Fladenbrote freut. Das letzte Mal, als Leo Stolz mit seiner Uni dort kickte, gewann sein Team 1:0. Kein Tortilla flog ihm dabei um die Ohren. Das schmeckte besonders gut.

Wohin seine Zukunft führt, vielleicht doch nochmal nach Deutschland? „Ich lasse alles auf mich zukommen“, sagt er. „Leistung und auch der Spaßfaktor sind da entscheidend – und die Optionen.“ Davon wird er viele haben, das deutet sich schon jetzt an. Und er ist offen, für alles. „Beruflich wird mich mein Leben immer in beide Länder führen.“ Nur leben möchte er am Ende am liebsten dann schon wieder in München. So schlimm sind die Winter hier ja auch nicht.

Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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