Ex-Geschäftsführer kommt mit Düsseldorf nach München

Schäfer im Interview: „1860 – das war eine intensive Zeit“

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Der starke Mann bei Fortuna Düsseldorf: Vorstandsvorsitzender Robert Schäfer.

München – Am Sonntag kehrt Robert Schäfer, ehemaliger 1860-Geschäftsführer, als Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf zurück nach München. Im Interview blickt er zurück und nach vorne.

Robert Schäfer hat einst beim TSV 1860 stürmische Zeiten erlebt. In seiner Zeit als Geschäftsführer (2010 bis 2013) kam es zum Einstieg von Hasan Ismaik als Investor, es folgten massive Unstimmigkeiten und Machtkämpfe, der Zwist mit dem damaligen Präsidenten Gerhard Mayrhofer führte schließlich zu Schäfers Rückzug. Inzwischen ist der 40-Jährige als Vorstandsvorsitzender der starke Mann bei Fortuna Düsseldorf, am Sonntag wird er zum Gastspiel beim TSV 1860 (Anpfiff: 13.30 Uhr) an seiner alten Wirkungsstätte erwartet.

Robert Schäfer, 2013 haben Sie 1860 nach internen Querelen den Rücken gekehrt. Kehren Sie mit gemischten Gefühlen in die Allianz Arena zurück?

Robert Schäfer: Nein, überhaupt nicht. Ich freue mich darauf, dass ich alte Bekannte wieder sehe. Ich habe immer noch große Sympathien für den Verein.

Aber es waren doch damals sehr schwierige Zeiten. Ständig krachte es, im Machtkampf mit Hasan Ismaik und Gerhard Mayrhofer zogen Sie schließlich den Kürzeren ...

Schäfer: Vielleicht verklärt man das in der Rückschau. Aber ich denke gerne an die Zeit zurück. Sie hat mich geprägt. Es war für mich eine schöne, intensive Zeit. Die internen Auseinandersetzungen habe ich eh nie persönlich genommen. Für mich war das immer ein inhaltliches Ringen.

Sie haben in einem Interview erklärt, der Einstieg eines Investors käme für Fortuna Düsseldorf nicht in Frage, denn dadurch verliere der Klub an Identität. Eine Lehre aus Ihrer Zeit bei Sechzig?

Schäfer: Nun, wir waren damals bei 1860 ohne Alternative. Ohne den Einstieg von Ismaik wäre der Verein in die Insolvenz gegangen. Aber ich habe in München gelernt: Wenn man mit einem starken Partner zusammengeht, wird es schwieriger, als es anfangs ausschaut. Für einen Traditionsverein ist es grundsätzlich immer besser, wenn man auf eigenen Füßen steht.

Würden Sie heute etwas anders machen?

Schäfer: Nach dem Einstieg von Ismaik war jede Seite darauf bedacht, ihre Interessen zu schützen. Daraus sind Machtkämpfe entstanden, die dem Verein nicht gut getan haben. Pläne wurden aufgestellt und fast genauso schnell wieder einkassiert. Unterm Strich ging nur Zeit verloren.

Sie scheinen sich ja auf nicht ganz unkomplizierte Traditionsvereine spezialisiert zu haben. Erst 1860, dann Dynamo Dresden, jetzt Düsseldorf. Woher kommt diese Neigung?

Schäfer: Ich mag Traditionsvereine, ich mag die Emotion, die hier herrscht.

Sie hatten großen Erfolg bei Dresden, haben den Verein entschuldet, die Mannschaft ist wieder aufgestiegen. Warum sind Sie nach Düsseldorf gewechselt?

Schäfer: Die Position hat mich sehr gereizt, als Vorstandsvorsitzender hat man natürlich einen Verantwortungsgrad mehr. Und auch der Verein ist sehr attraktiv.

In der letzten Saison war Fortuna hochkarätig besetzt, am Ende wäre man fast abgestiegen. Welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen?

Schäfer: In Düsseldorf gab es ja schon seit einigen Jahren eine Negativentwicklung. Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Reinhold Ernst hat das intensiv analysiert und mir die anstehenden Aufgaben skizziert. Der Klub hatte weder sportlichen Erfolg, noch entstand eine Identität zwischen Verein, Stadt und Fans. Nachdem im Mai der Klassenerhalt feststand, haben wir gesagt: Wir brauchen künftig eine identifikationsstarke Mannschaft.

Wie sieht die aus?

Schäfer: Wir haben Kämpfer wie Axel Bellinghausen oder Adam Bodzek wieder in den Fokus gerückt. Gleichzeitig holten wir sechs Jugendspieler in den Kader und Talente aus der zweiten Reihe von Vereinen wie Schalke, Bremen, Stuttgart und Mönchengladbach. Diese Mixtur haben wir gemischt mit Trainer Friedhelm Funkel, Co-Trainer Peter Herrmann und Sportvorstand Erich Rutemöller – also mit unheimlich viel Erfahrung. Das sind Routiniers, die großen Spaß haben, junge Spieler zu entwickeln. So wie Kevin Akpoguma. Der spielt in der U-21-Nationalmannschaft ist bei uns nun Stamminnenverteidiger – vorher war er auf dem Abstellgleis.

Sie sind im März nach Düsseldorf gekommen – Ihre Zwischenbilanz?

Schäfer: Wir haben in kurzer Zeit eine Menge bewegt, haben sportliche Führung neu aufgestellt - mit Erich Rutemöller vorneweg. Wir haben die Mannschaft verstärken können. Junge Spieler wie Ayhan, Yldirim oder Ferati haben zwar noch keinen großen Namen, aber wir glauben, dass sie mit Funkel ihr Potenzial entwickeln können.

Sie haben im Frühjahr mit Friedhelm Funkel einen Trainer zur Fortuna geholt, mit dem Sie schon in München zusammengearbeitet haben. Sie scheinen Ihn sehr zu schätzen ...

Schäfer: Friedhelm Funkel kam zu einem Zeitpunkt, als sich Fortuna in Abstiegsgefahr befand. Und er war ein ganz wichtiger Faktor, dass wir überhaupt die Klasse erhalten haben. Friedhelm hat der Mannschaft überhaupt erst eine Struktur gegeben. Mit seiner Erfahrung hat er dem Verein auch eine große Ruhe vermittelt. Hinzu kommt seine große Verbundenheit mit der Region. Er hat auch gesagt, dass Fortuna seine letzte Trainerstation sein wird. Für Friedhelm ist es der Abschluss seiner Karriere und das eben zu Hause. Das macht es emotional für ihn. Und man merkt auch: Er ist sehr engagiert und erfolgshungrig. Für uns ist Friedhelm Funkel ein Riesenglück.

In seiner Saison bei 1860 gab es auch Kritiker. Sie hielten ihm vor, er würde zu sehr auf einen antiquierten Defensivfußball setzen. Was halten Sie von diesem Vorwurf?

Schäfer: Friedhelm versteht die Zweite Liga wie kaum ein anderer und weiß, dass man da erst einmal eine gewisse Stabilität braucht. Und das geht eben am besten aus einer guten Defensive heraus. Wir befinden uns in einer Entwicklung mit Auf und Abs. Aber wir erspielen uns Großchancen, und Friedhelm hat auch großen Wert darauf gelegt, dass wir spielerische Elemente reinbringen. Von daher nehme ich ihn gar nicht als Betonmischer wahr. Ich bin mir sicher, dass wir mit ihm unser sportliches Ziel erreichen.

Und das wäre?

Schäfer: Wir wollen mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben und am Saisonende im gesicherten Mittelfeld landen. Dann schauen wir weiter.

Sowohl Sie als auch Funkel sind ja nicht eben im allerbesten Einvernehmen von 1860 geschieden. Ist da im Spiel am Sonntag nicht doch eine kleine Rechnung offen?

Schäfer: Sicher nicht. Wir beide wünschen Sechzig eine positive Entwicklung. Aber eines ist auch klar: Am Sonntag geht es um wichtige Punkte – und da möchten wir natürlich was mitnehmen.

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