Liendl und Aycicek treffen doppelt bei Schützenfest

1860 überrollt Aue - “So klar war das Spiel nicht“ 

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Levent Aycicek (l.) traf doppelt gegen Aue, Sascha Mölders netzte einmal ein.

München - Nach vier Niederlagen in Folge holen die Löwen mit dem Sieg gegen Erzgebirge Aue einen ganz wichtigen Dreier. Ausgerechnet der zuvor viel kritisierte Liendl avanciert dabei zum Matchwinner. 

Den Frust von der Seele geschossen? Nein, damit konnte Kosta Runjaic nichts anfangen. „Ich freue mich natürlich. Heute ist vieles in unsere Richtung gelaufen“, sagte der 1860-Trainer nach dem ersten Dreier seit dem 2:1 in Nürnberg, dem sechs sieglose Spiele folgten. „Aber es gab Phasen, wo wir einfach nicht souverän und sicher waren. Nach so einer Führung muss man souveräner auftreten.“

Damit traf der Coach den Punkt. Die sechs Tore (so viele wie seit dem 6:2 in Augsburg 2007 nicht mehr) konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mannschaft vor allem defensiv kaum Zweitliganiveau erreichte. Immerhin ist die Tabellensituation nun halbwegs entschärft. Mit elf Zählern haben die Löwen den Anschluss ans Mittelfeld geschafft. „Wir hatten eine sehr erfolgreiche Woche. Das war ein sehr schöner Abend heute“, so das Resümee des Löwen-Trainers. 

Auf fünf Positionen hatte der 1860-Trainer seine Mannschaft gegenüber dem Pokalspiel in Würzburg verändert. Für Adlung, Karger, Neuhaus, Mugosa und den gelbgesperrten Wittek begannen Aycicek, Liendl, Stojkovic und Olic, dazu gab Kilian Jakob sein Profidebüt. Der 18-jährige Linksverteidiger erledigte seinen Job auf Sicherheit bedacht ohne größere Aussetzer.

Die Löwen jubeln das erste Mal seit sechs sieglosen Spielen wieder über drei Punkte.

Der Rest der Partie war ein Fehlerfestival sondergleichen. Aue hätte schon nach sieben Minuten in Führung gehen können, als Samson nach einer Ecke den rechten Pfosten traf. Zudem konnten sich die Löwen bei Schiedsrichter Thorben Siewert bedanken, der Aues Sebastian Hertner in der 43. Minute mit Rot vom Platz stellte. Eine Fehlentscheidung, Hertner hatte Olic' Ball nicht mit der Hand auf der Linie abgewehrt, sondern mit dem Kopf. Michael Liendl war's wurscht, er bedankte sich mit dem Elfmeter zum 3:1. Auch den Strafstoß zum 2:0 (nach Foul an Olic) hatte der zuletzt zweimal nicht für den Kader berücksichtigte Österreicher verwandelt (23.). „Beim ersten Elfer hab ich ein bisschen geschwitzt als er reinging“, sagte Liendl, „der zweite war besser. Wenn du zweimal nicht im Kader warst, tut so ein Spiel gut. Ich weiß, was ich für eine Qualität habe und wie ich der Mannschaft helfen kann.“

Das kann zurzeit auch Levent Aycicek. Die Führung in der 16. Minute ging auf das Konto des Technikers, der bei seinem Freistoß von der Strafraumgrenze vom schlecht reagierenden Auer Keeper Daniel Haas profitierte.

Schwerer war der Torwartfehler vor Aues zwischenzeitlichem Anschlusstreffer. 1860-Keeper Zimmermann boxte bei Kvesic' langem Ball ins Leere, Pascal Köpke bedankte sich im Rücken mit seinem sechsten Saisontor (28.).

Löwen schießen Aue ab - einer bekommt die Note 1

Die gruseligsten Szenen aus Löwen-Sicht spielten sich in der ersten Hälfte der zweiten Halbzeit ab. Sascha Mölders' 4:1 (49.) schien nur den Gegner zu beflügeln. Als Soukou in der 55. Minute von vier Löwen bestaunt zum zweiten Treffer der Sachsen einnetzte, musste man Übles befürchten. In Unterzahl stürzte Aue die Gastgeber von einer Verlegenheit in die nächste. Erst Ayciceks 5:2 (72.) machte den Deckel drauf. Bei Adlungs 6:2 (90.) war die Messe längst gelesen. „Zurzeit funktioniert's einfach“, sagte Doppel-Torschütze Aycicek. „Aber so klar wie das Ergebnis war das Spiel eigentlich nicht. Man hat gesehen, dass wir was drauf hatten, aber halt noch nicht über 90 Minuten.“

So sah's auch Thomas Eichin. Das Fazit des Sportchefs: „Die Laufbereitschaft hat mir gefallen. Und heute hatten wir auch das nötige Glück, das wir vorher nicht hatten. Was mir nicht gefallen hat, war, wie wir uns nach dem 4:1 verhalten haben. Da bin ich richtig angefressen. Wenn Aue da das dritte Tor macht, haben wir eine ganz andere Situation. Deshalb werden wir uns jetzt auch nicht in den Armen liegen und Karnevalsstimmung haben.“

Der Spielverlauf im Ticker zum Nachlesen.

cm, lk

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