Neuzugang erklärt Gründe für seine Rückkehr

Aigner im tz-Interview: "Will hier nicht mehr weg - und träume vom Aufstieg"

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Stefan Aigner wurde begeistert empfangen.

München - Im tz-Interview spricht Stefan Aigner über die Gründe für seine Rückkehr zu 1860. Er erklärt seine Ziele und  warum er nicht mit einem Fallschirm beim Fanfest abgesprungen ist.

Die tz führte das erste Interview mit dem Heimkehrer.

Stefan, wir sind enttäuscht.

Aigner: So, warum?

Nach dem ganzen Spannungsaufbau im Vorfeld hatten wir eigentlich gedacht, dass Sie mit dem Hubschrauber auf dem Löwenstüberl landen oder am Fallschirm einschweben.

Aigner: Eigentlich wollte ich ohne Fallschirm aus dem Flieger springen und mich von den Fans auffangen lassen. Aber da gab’s Sicherheitsbedenken. Leider (lacht).

Mal ernsthaft: Haben Sie angesichts dieses bombastischen Empfangs nicht auch ein bissl Angst, von den Erwartungen erdrückt zu werden?

Aigner: Nein, das wird sich alles einpendeln. Ich bin kein Messi und kein Messias. Ich bin auch nach vier Jahren in Frankfurt noch der Aigner Stefan. Kein Einzelsportler und Heilsbringer, sondern ein Mannschaftsspieler, der in jedem Spiel alles raushaut, was geht. Das kann ich den Fans versprechen. Und das ist auch mein Anspruch.

Von der Bundesliga in die Zweite Liga – beißt sich das nicht mit Ihrem Ehrgeiz?

Aigner: Wenn man nur die Zahlen sieht, dann ist es natürlich ein Schritt zurück. Aber für mich persönlich ist es eine Riesen-Herausforderung. Als ich vor vier Jahren gegangen bin, da wollte ich unbedingt in der Bundesliga spielen, das war mein Traum. Bei Sechzig war die Perspektive damals einfach nicht da. Jetzt habe ich in vier Jahren in Frankfurt alles erlebt: von der Europa League bis zum Abstiegskampf. Ich wollte einfach noch mal was Neues. Und es gab auch Angebote aus der Bundesliga und aus dem Ausland.

Warum dann 1860?

Aigner: Weil hier jetzt eine klare Linie da ist. Vor gut zwei Wochen hatte ich die ersten konkreten Gespräche mit Thomas Eichin und Kosta Runjaic. Sie haben mir sehr überzeugend erklärt, was hier aufgebaut wird und dass ich ein Teil davon sein könnte. Die Transfers sind ein deutlicher Fingerzeig, dass hier jetzt was vorwärts geht.

Ihr Vertrag in Frankfurt lief bis 2018. Wie schwer war es, die Eintracht zu verlassen?

Aigner: Ich bin zu Herrn Hübner (Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner, d. Red.) gegangen und habe ihn darum gebeten, mir die Chance zum Wechsel zu geben. Natürlich mussten sich die Vereine noch einigen, aber es ist alles sauber und professionell abgelaufen. Ich bin Herrn Hübner dankbar, dass er mir das ermöglicht hat. Und ich habe auch zu Niko Kovac (Frankfurts Cheftrainer, d. Red.) ein super Verhältnis, da ist teilweise ein furchtbarer Schmarrn geschrieben worden. Er hat mir zum Abschied gesagt, dass ich mich immer bei ihm melden kann. Nochmal: Ich kann jedem in Frankfurt in die Augen schauen, es war eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte.

Und wie schaut jetzt der Plan bei 1860 konkret aus, den Ihnen Eichin und Runjaic so überzeugend erklärt haben?

Aigner: (lacht) Das werde ich jetzt in aller Öffentlichkeit nicht im Detail erläutern. Aber klar ist, dass hier mit Sinn und Verstand eine Mannschaft aufgebaut wird, die auf absehbare Zeit die Bundesliga mehr anstreben kann als gegen den Abstieg zu spielen. Und mein großer Traum ist klar: mit Sechzig aufsteigen.

In der anstehenden Saison...

Aigner: ...wird es darum gehen, dass wir einen g’scheiten Start hinlegen, uns als Mannschaft finden und eine vernünftige Rolle in der Liga spielen. Es ist schon ein großer Umbruch, das funktioniert nicht von heute auf morgen.

Bilder: 1860-Fanfest ganz im Zeichen der Aigner-Rückkehr

Bilder: 1860-Fanfest ganz im Zeichen der Aigner-Rückkehr

Nicht wenige Fans werden das anders sehen.

Aigner: Mei, das ist Sechzig, das ist auch in Ordnung so. Aber ich als Spieler finde es klüger, jetzt mal den Ball flach zu halten. Hier ist in den letzten zwölf Jahren so oft vom Aufstieg geredet worden, da müssen wir jetzt nicht gleich wieder damit anfangen. Bringt doch nix.

Wie schätzen Sie die Liga ein?

Aigner: Es klingt jetzt vielleicht seltsam, aber ich finde, dass sich die Erste und Zweite Liga heuer in der Attraktivität nicht viel nehmen. Man braucht ja nur mal auf die Namen schauen, wer bei uns alles mitspielt: Stuttgart, Hannover, St. Pauli, Nürnberg, Bochum, Dresden, Karlsruhe, Düsseldorf – das klingt nicht schlecht.

Und qualitativ?

Aigner: Da ist der Unterschied nicht so groß, wie mancher vielleicht denkt. Ich war jetzt vier Jahre in der Bundesliga, da kann ich das schon beurteilen. Klar, es gibt die Spitzenvereine, die auf einem höheren Niveau spielen, aber dann? Ich werde die Zweite Liga ganz bestimmt nicht unterschätzen, das wird ein harter Kampf – in jedem Spiel.

Auch der Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft wird nicht ohne sein. Fühlen Sie sich trotz des späteren Vorbereitungsstarts mit Frankfurt schon bereit für den Auftakt in Fürth?

Aigner: Natürlich hätte ich noch gern ein, zwei Testspiele mit Sechzig gemacht, aber trotzdem freue ich mich, dass es losgeht. Ich habe in den letzten Wochen in Frankfurt richtig Gas gegeben im Training, von daher denke ich schon, dass ich körperlich mithalten kann. Den Rest werden wir sehen. Ich bin froh, wieder bei Sechzig zu sein. Ich will hier nicht mehr weg.

Interview: Ludwig Krammer

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