Relegationsheld sieht sein Löwen-Werk bedroht

Sukalo da - aber was wird aus Stahl und Bülow?

Und jetzt? Kai Bülow (l.) und Dominik Stahl sind genesen, müssen sich jedoch hinten anstellen.
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Und jetzt? Kai Bülow (l.) und Dominik Stahl sind genesen, müssen sich jedoch hinten anstellen.

München – Dreikampf um die Sechs: Die Ur-Löwen Dominik Stahl und Kai Bülow stehen vor einer ungewisser Zukunft. Der treue Relegationsheld bangt um sein Werk.

Bis zum allerletzten Tag der Transferfrist hielt Oliver Kreuzer Augen und Ohren offen, telefonierte, sprach mit Beratern, klopfte Wechseloptionen ab. Für alle Mannschaftsteile hatte er bereits passende Verstärkungen aufgestöbert, doch auch im Herzstück der neuen Löwen-Mannschaft sah er Handlungsbedarf. Auf der Sechs, dieser strategisch wichtigen Position – dort, wo gute Spieler Impulse nach vorne geben und gleichzeitig nach hinten für Entlastung sorgen.

Das Problem, das der Sportchef des TSV 1860 treffend beschrieb: „In Deutschland kriegst du nicht den Mann, der uns weiterhilft. Und was uns aus dem Ausland angeboten wird, ist alles Topqualität, wenn man den Beratern glaubt. Aber ehe ich einen Serben hole, der in Norwegen spielt, oder ein anderes Experiment eingehe, da mache ich lieber nix.“ Oder aber: Er holt einen Ausländer, der die 2. Liga aus dem Effeff kennt. Quasi auf den allerletzten Drücker präsentierte Kreuzer einen altbekannten Namen: Goran Sukalo, 34, den Slowenen. Einen echten Haudegen (301 Zweitligaspiele, 50 Tore), den Fürth nicht mehr brauchte, der einst aber schon Unterhaching, Aachen, Augsburg und Duisburg geholfen hat. Sukalo unterschrieb bis Sommer 2017.

Wann erreichen Bülow und Stahl wieder Topform?

Doch selbst, wenn keiner mehr gekommen wäre, hätte Kreuzer keine unruhigen Nächte verbracht. Schließlich, sagte er, habe man Profis in der Hinterhand, die ebenfalls dem anspruchsvollen Suchraster entsprechen: Routiniers, die die Liga kennen, die Sprache sprechen, Erfahrung auf der Sechser-Position haben und sogar fit sind. Das einzige Problem: Keiner weiß, wie schnell die internen Bewerber nach zähen Verletzungen zurück zu alter Topform finden. Die Rede ist von zwei Urlöwen: von Dominik Stahl (seit 2004 im Verein) – und von Kai Bülow (2010).

Stahl, 27, der alte Kämpfer, ist im Grunde seit eineinhalb Jahren außer Gefecht – seit jenem verhängnisvollen Sommer, als sich die Löwen neu erfinden wollten und das umgekrempelte Team zunächst dem Fitnessguru Ricardo Moniz anvertrauten. Stahl war schnell raus: Innenbandverletzung. Anhaltende Schmerzen. Schließlich doch eine OP. Wieder eine lange Pause. In der Saison, die beinahe im Abstieg gegipfelt hätte, war er ein sporadischer Gast.

Ganz anders Bülow, 29. Der Rostocker spielte fast immer, schoss das berühmte Tor zur Rettung gegen Kiel – und verletzte sich erst, als Nothelfer Benno Möhlmann gerade anfing, die Scherben der verpatzten Nach-Relegationssaison aufzukehren. Kurios: Auch bei Bülow war es das Innenband, das riss. Zwei Freunde, zwei Positionsrivalen – und das gleiche Schicksal. „Es war meine schwerste Zeit als Profi“, sagt Stahl und klopft dreimal auf Holz. Bülow fügt hinzu: „Wenn man verletzt ist, ist es noch viel, viel schlimmer zu sehen, wenn es nicht läuft. Man sitzt als stiller Betrachter da und hat keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.“

Und jetzt? Fühlen sich beide wieder fit. Eigentlich. Bereit jedenfalls für eine Rückkehr. „Alles tiptop. Aus dem Kopf ist es auch raus“, meldet Bülow. Zimmerpartner Stahl pflichtet bei: „Ich kann mich dem nur anschließen. Ich fühle mich gut und hab keine Zipperlein mehr, die mich zurückwerfen oder blockieren.“

Stahl: "Wer soll vorangehen, wenn nicht wir?"

Blockiert werden die Altlöwen höchstens durch den besonderen Umstand, dass die alarmierende Tabellensituation Spieler erfordert, die auf Knopfdruck funktionieren. Von Sukalo erwarten die Bosse das – von Stahl/Bülow offenbar nicht. „Natürlich waren wir eine Weile raus“, sagt Stahl. „Aber ich sehe keinen Grund, warum wir keine Ansprüche auf einen Stammplatz anmelden sollten.“ Er verweist auf die gute Genesung, die lange Zugehörigkeit zum Verein, verbunden mit einer gewissen Verantwortung für das große Ganze. „Wer soll vorangehen, wenn nicht wir?“, fragt Stahl: „Wir befinden uns in keiner wünschenswerten Situation, aber nichtsdestotrotz will man auf dem Platz stehen und der Mannschaft helfen. Das zweite Halbjahr ist ja das weniger schöne, weil da die richtig stressigen Spiele kommen und der Druck extrem wird.“ Bülow, der Rettungsexperte, kann ein Lied davon singen. „Man muss es so sehen“, sagt er: „Die Relegation ist ein Ziel auf dem Weg, den Klassenerhalt zu schaffen. Eine geschenkte Option, die man zu schätzen wissen muss.“

Zu Bülows Leidwesen sind die Löwen am gleichen Punkt wie vor einem Jahr – weil das Geschenk der Rettung unseriös verwaltet wurde. „Extern war die Euphorie noch lange vorhanden“, berichtet er und klagt stilecht, in der nautischen Sprache des Mecklenburgers: „Der Wind, den wir in den Segeln hatten, wurde uns leider intern genommen.“ Ewige Querelen, verpatzter Transfersommer – Platz 17 in der Tabelle ist das Resultat.

Retter Bülow sieht sein Werk bedroht, doch er und auch Spezl Stahl wissen: Am Ende werden sie meistens gebraucht. Und wenn es in der Nachspielzeit der Relegation ist. Die Verträge beider laufen aus, und Bülow sagt weise, der ungewissen Zukunft trotzend: „Ich will mithelfen, dass dieser Verein weiter in der 2. Liga spielt, und ich glaube, dass davon jeder im Kader profitieren würde.“

Uli Kellner

Uli Kellner

E-Mail:uli.kellner@merkur.de

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