Mit Chauffeur auf Achse

So plant Sportchef Eichin die neuen Löwen

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Der neue starke Mann in Giesing: Thomas Eichin verantwortet die sportliche Entwicklung der Sechz'ger.

München - Thomas Eichin soll die Löwen wieder in die Erfolgsspur führen. Deshalb ist der neue Sportchef derzeit viel unterwegs. Dabei benötigt er zunächst jedoch fremde Hilfe.

Seit dem frühen Samstagmorgen befinden sich die Löwen im Trainingslager in Bad Waltersdorf, einer ist nicht dabei: der neue Sportchef Thomas Eichin. Den einen oder anderen Abstecher in den rund 500 Kilometer entfernten Ort in der Steiermark hat er aber nächste Woche vor. Mit Chauffeur, denn Eichin steht derzeit ohne Fahrerlaubnis da. Zunächst für zwei und danach für sechs Monate wurde ihm der Schein Anfang des Jahres abgenommen. "Jedes Mal wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen", sagt der 49-Jährige. "Mit Alkohol hatte das Ganze nichts zu tun."

In eineinhalb Monaten soll er seinen Lappen wiederbekommen, "allerdings muss ich im August noch die MPU machen, und davor habe ich schon Bammel". MPU, Abkürzung für Medizinisch-Psychologische Untersuchung, in der die Fahreignung getestet wird. Im Volksmund auch "Idiotentest" genannt.

"Stress gab es genug in der letzten Zeit", sagt Eichin. "Neben der Geschichte mit dem Führerschein habe ich mich in diesem Jahr auch von meiner Frau getrennt und bin in Bremen in eine neue Wohnung umgezogen." Gleichzeitig der Abstiegskampf mit Werder, anschließend die Trennung von den Bremern und jetzt die schnelle Entscheidung für den TSV 1860, für den es ja auch noch einiges zu tun gibt.

Bilder: Erster Auftritt von Sportchef Eichin bei 1860

Beweist Eichin wieder ein goldenes Transferhändchen?

Kosta Runjaic (l.) und Eichin.

Vor allem natürlich, weitere Neuzugänge an Land zu ziehen. Bei Werder Bremen hat Eichin meist ein gutes Händchen bewiesen. Vor allem bei Franco di Santo. Eichin holte den argentinischen Stürmer 2013 ablösefrei vom Premiere-League-Absteiger Wigan Athletic nach Bremen, zwei Jahre später zahlte Schalke 04 sechseinhalb Millionen Euro an Werder für Di Santo. Eichin: "Jemand hatte mir den Tipp gegeben, dass Franco einer für Werder sein könnte. Daraufhin habe ich mir etwa zehn Spiele von ihm angesehen und dann zugeschlagen."

Selbst ist der Mann, Eichin ist eher einer, der nicht alles den Scouts überlassen will, sondern lieber seinem eigenen Urteil vertraut. Wohl deshalb hat er in den vergangenen Jahren auch die Scouting-Abteilung bei Werder Bremen verschlankt und sich bei 1860 ziemlich rasch von Necat Aygün getrennt.

Irgendwie schon kurios, dass Eichin so ein gutes Auge für torgefährliche Spieler wie einen Di Santo besitzt. Er selbst war nämlich genau das Gegenteil. Gut, Abwehrspieler, wie er einer war, haben erst mal andere Aufgaben. Aber dass Eichin in 180 Bundesligaeinsätzen für Borussia Mönchengladbach kein einziger Treffer gelang, brachte ihm vor etlichen Jahren den durchaus verzichtenswerten Ruhm ein, der torungefährlichste Spieler in der Bundesligageschichte zu sein. Erst kurz vor Ende der Saison 2008/2009 wurde er von diesem Makel befreit, als ihn der Bielefelder Markus Schuler mit insgesamt 182 Partien ohne Treffer ablöste.

cm

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