Er spielte für beide Teams

Ziemer: 1860 und Club haben den größten Druck in der Liga

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Thomas Ziemer im Dress des 1. FC Nürnberg.

München - Er hat in den Neunzigerjahren für den TSV 1860 gespielt und für den 1. FC Nürnberg. Und beide Vereine liegen Thomas Ziemer immer noch am Herzen. Das Interview vor dem Derby.

Ehrensache, dass der 47-Jährige am Montagabend im Stadion sitzt, wenn der Club die Löwen empfängt. „Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen“, sagt Ziemer im Interview mit der tz.

Herr Ziemer, beide Ex-Vereine sind nicht wirklich gut in die Saison gestartet. Sechzig hat vier Punkte aus den ersten drei Spielen geholt, Nürnberg sogar nur zwei. Wie beurteilen Sie die Situation?

Thomas Ziemer: Sie ist bei den Löwen besser, nicht nur weil sie zwei Zähler mehr haben. Das 1:6 des Clubs zuletzt in Braunschweig tut nämlich immer noch sehr weh.

Trainer Alois Schwartz hat sich zuletzt über böse Kommentare im Internet beschwert. Muss man heutzutage nicht damit leben?

Ziemer:  Ich kenne den Alois gut und halte ihn für einen Supertypen. Ich wünsche ihm das gleiche Glück wie seinem Vorgänger Rene Weiler. Aber ich wohne ja in Nürnberg und weiß, dass der Club eine andere Hausnummer ist als der SV Sandhausen, bei dem Schwartz vorher war. Dort kamen so viele Zuschauer zum Spiel wie hier beim Club zum Training erscheinen.

Was haben Sie sich eigentlich gedacht, als 1860 plötzlich Ivica Olic und Stefan Aigner verpflichtet hat?

Ziemer:  Ich fand das super, vor allem den Transfer von Aigner. Das war eine tolle Geschichte. Solche Leute bringen außerdem die jungen Spieler weiter. Und es entsteht Euphorie im Umfeld. Das haben die Löwenfans auch verdient, und ich glaube, dass es bei 1860 nicht mehr so chaotisch zugeht wie in den vergangenen Jahren. Zeit wurde es ja auch.

Der Club kann sich solche Namen nicht leisten…

Ziemer:  Über sechs Millionen Euro für Ablösen wie bei den Löwen sind nicht drin. Nürnberg hat aber immer noch den drittgrößten Etat der 2. Liga mit 12,5 Millionen. Wegen der alten Verträge, die sehr gut dotiert sind. Künftig muss man vor allem auf die gute Jugendarbeit bauen, was aber auch heißt, dass das ein oder andere Talent verkauft wird. Das Tafelsilber muss auch vergoldet werden, weil der Club Transfererlöse benötigt, um die aktuelle Situation zu entschärfen.

Hätten Sie vor einem Jahr, als die Löwen in Nürnberg 2:2 spielten, aber haushoch überlegen waren, geglaubt, dass die Nürnberger am Ende in der Aufstiegsrelegation stehen und die Sechziger im letzten Heimspiel gegen den Abstieg spielen würden?

Ziemer:  Nie im Leben. Aber der Club hat damals am Trainer festgehalten, und die Löwen haben ihren dann bald wieder mal gewechselt. Geduld zu haben bei Traditionsvereinen ist halt keine einfache Sache. Ich habe die Sechziger zum Saisonstart beim 0:1 in Fürth gesehen, da haben sie mir überhaupt nicht gefallen. Aber ich habe über Kosta Runjaic nur positive Dinge gehört. Er braucht Zeit. Ist alles nicht so einfach. Ich glaube sowieso, dass 1860 und der 1. FC Nürnberg immer den größten Druck haben. Mehr als Hannover oder der VfB.

Wem drücken Sie am Montag die Daumen?

Ziemer:  Jeder Mannschaft einen. Es geht 1:1 aus.

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