Jubiläum zur deutschen Meisterschaft

50 Jahre danach: Der zweite Titel bleibt für die Löwen eine Utopie

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Die Meisterlöwen von 1966: Petar Radi Radenkovic und Fredi Heiss in Meistertrikots und mit Schale.

München - Am 28. Mai 1966 holte sich 1860 München das erste und bislang einzige Mal in seiner Geschichte die Meisterschale. 50 Jahre danach konnten die Löwen den Abstieg in die 3. Liga gerade noch abwenden. Ein Rückblick zum Jubiläum.

Als Kapitän Peter Grosser am 28. Mai 1966 die Meisterschale in die Luft reckte, rechnete er fest damit, dass dies für 1860 München der Beginn glorreicher Zeiten sein würde. 50 Jahre später aber ist längst Ernüchterung eingekehrt. 

"Die Meisterschaft wird auf absehbare Zeit unerreichbar bleiben", sagt der heute 77-Jährige. Statt in der 1. Bundesliga ganz oben mitzuspielen, dümpelt Sechzig seit 2004 in der 2. Liga herum und konnte den Abstieg in die 3. Liga auch in diesem Jahr gerade noch so verhindern. 

Wie konnte das nur passieren? "Immer wenn es zu so einem Niedergang kommt, liegt es an Misswirtschaft vom Management, und bei Sechzig gab es immer viel Missmanagement", gibt der derzeitige Präsident Peter Cassalette, der die Meisterschaft noch selbst miterlebt hat, unumwunden zu. "Nebenan, ein paar hundert Meter weiter, hat man gesehen, wie man das mit Kontinuität auch in den Führungsebenen besser gemacht hat", sagt der 62-Jährige mit Blick auf den unmittelbaren Nachbarn und Erzrivalen FC Bayern. 

Achterbahnfahrt nach der Meisterschaft 

Statt sich wie die Bayern in der 1. Bundesliga zu etablieren, musste der TSV 1860 schon vier Jahre nach dem Meistertitel in die 2. Liga. Es folgte ein Auf und Ab bis hin zum Abstieg in die damals drittklassige Bayernliga, einem der Tiefpunkte in der Vereinsgeschichte. Erst in der Spielzeit 1993/94 feierten die Löwen ein sensationelles Comeback, als ihnen als erste Mannschaft überhaupt der direkte Durchmarsch zurück in die 1. Bundesliga gelang. Die Väter des Erfolgs: Präsident Karl-Heinz Wildmoser und Trainer Werner Lorant. 

"Wildmoser und Lorant waren ein gutes Tandem, bis sie sich nicht mehr verstanden haben. Das war der Anfang vom Ende", erinnert sich Meister-Kapitän Grosser. Nach zehn Jahren Erstligazugehörigkeit folgte 2004 der bittere Abstieg. Sechzig wurde in den Folgejahren immer mehr zum "Chaosverein", an dessen Spitze gefühlt jedes Jahr ein neuer Präsident stand, die "vom Fußball aber wenig Ahnung hatten", kritisiert Grosser. Kontinuität und Planungssicherheit? Fehlanzeige! 

2011 drohte sogar die Insolvenz, ehe der jordanische Investor Hasan Ismaik Sechzig mit seinen Millionen rettete. Doch statt dies als Neuanfang zu sehen, kam es zu internen Grabenkämpfe zwischen den Gesellschaftern und Anteilseigner Ismaik. Cassalette, der erst seit November 2015 an der Spitze des Vereins steht, ärgert dies: "Wenn ich einen Investor habe, der 50 Millionen reingesteckt hat, dann muss ich akzeptieren, dass der auch Wünsche hat."

Die zweite Meisterschaft in weiter Ferne

50 Jahre nach der Meisterschaft sei nun das Wichtigste, "an einem Strang zu ziehen", betont Cassalette: "Für mich persönlich wäre es ein Traum, mit diesem Verein irgendwann mal aufzusteigen. Denn wenn man so viel Herzblut reinsteckt, will man nicht jedes Jahr im Mittelfeld rumgurken, sondern irgendwann wieder nach oben kommen." 

Er weiß aber auch, dass dies frühestens in einigen Jahren der Fall sein kann und in der kommenden Saison erst einmal Konsolidierung angesagt ist: "Wir müssen am Boden bleiben und versuchen, in dieser Liga nicht mehr in die Abstiegsgefahr zu kommen." 

Eine zweite Meisterschaft, da ist sich Grosser sicher, wird deshalb für lange Zeit ein Traum bleiben: "In dem Jahrhundert nimmer..."

sid

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