Der nächste Rückschlag für den TSV 1860

Nach Kreuzbandriss: Kaufen Löwen nun Andrade?

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Wird schon wieder: Victor Andrade machte gute Miene zur Schockdiagnose.

Der Kreuzbandriss des Brasilianers schockt die Löwen, die nun mit Benfica Lissabon über die Zukunft des Supertalents verhandeln müssen.

München– Und dann stand er da: der Mann, der beim TSV 1860 das Tagesgespräch bestimmte. Victor Andrade, 21, stützte sich auf Krücken, doch der Kreuzbandpatient schien sich schon wieder gefangen zu haben nach der Schockdiagnose vom späten Mittwochabend. Der junge Brasilianer lächelte, quittierte Genesungswünsche mit Daumen-hoch-Geste, war freundlich und positiv wie immer. Eine Nacht hatte der flinke Dribbler Zeit, über seinen jäh gebremsten Aufstieg nachzudenken, und als er gestern dann in ein Auto stieg, begleitet von seinem Betreuerstab, da hatte die Szenerie etwas von Abschied. Wird er jemals wieder im Trikot des TSV 1860 gegnerische Abwehrspieler schwindelig spielen?

Der Reihe nach. Präsident Peter Cassalette, sein großer Fan und Förderer, war einer der Ersten, die Andrade über seine schwere Verletzung in Kenntnis gesetzt hatte. „Six months stop“ stand in der SMS, die spät am Abend auf Cassalettes Handy einging. Sechs Monate Pause also. Den Inhalt hatte der Präsident auch am nächsten Vormittag noch nicht verdaut. „Ich bin völlig deprimiert“, sagte er: „Was haben wir nur verbrochen, dass wir dermaßen vom Verletzungspech verfolgt werden?“ 

Runjaic: „Es ist ein Schock“

Ein Gemütszustand, den alle im Verein teilten – auch der Trainer, dem vor dem wichtigen Spiel gegen Aue ein wichtig gewordener Eckpfeiler wegbricht. „Es ist ein Schock für uns alle gewesen“, sagte Kosta Runjaic, „vor allem natürlich für Victor. Da waren auch ein paar Tränen im Spiel.“

Durchaus nachvollziehbar, denn der grundfröhliche Brasilianer schien nicht nur menschlich, sondern auch sportlich beim TSV 1860 angekommen zu sein. Vielversprechende Jokereinsätze. Traumtor in St. Pauli. In Stuttgart ließ ihn Runjaic erstmals über 90 Minuten von der Leine, ehe der Turdodribbler in Würzburg einmal zu viel gefoult wurde. „Für uns sah das nicht nach einem typischen Kreuzband-Foul aus“, sagte Runjaic über die Szene, als Andrade von zwei Kickers-Profis gleichzeitig in die Mangel genommen worden war. Ein bitterer Trugschluss.

Knieprellung hatte die Erstdiagnose gelautet. Am Mittwoch konnte Andrade aber immer noch nicht schmerzfrei auftreten. Er wurde noch einmal zum Arzt geschickt, durch die MRT-Röhre gejagt. Mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass Andrade nun eine lange Leidenszeit vor sich hat. Erst Operation, dann Reha. Beides voraussichtlich in Portugal, denn bekanntlich ist der Stürmer eine Leihgabe von Benfica Lissabon, wo er noch bis 2020 unter Vertrag steht. Die Portugiesen werden daher maßgeblich mitbestimmen, wie es mit dem Supertalent weitergeht.

Cassalette: Zwei Möglichkeiten für Andrade

Die bewährte Wildmoser-Methode – Blumenstrauß ans Bett, Rentenvertrag inklusive – wird sich bei so einem komplizierten Dreiecksgeschäft kaum realisieren lassen. Gefragt, ob er sich für einen Kauf des Brasilianers stark machen werde, sagte Runjaic: „Im Moment macht es keinen Sinn, darüber nachzudenken. Bei so einem Transfer muss man erst mal die Saison abwarten.“ Auch Cassalette, trotz aller Sympathie für den Brasilianer, gab sich verhalten. „Das ist Abwägungs- und Verhandlungssache“, sagte er: „Entweder wir glauben an ihn und zahlen Ablöse an Benfica – oder wir sagen, das Risiko ist uns zu groß. Zu gegebener Zeit werden wir uns mit allen Beteiligten zusammensetzen und eine vernünftige Lösung finden.“

Überlagert vom Andrade-Schock war das wegweisende Heimspiel gegen Aue nur am Rande ein Thema. Runjaic wird erneut rotieren, kann wieder auf Ivica Olic zurückgreifen und gab sich zuversichtlich, dass der Pokalerfolg in Würzburg für ein bisschen Rückenwind sorgen wird. „Pech und Glück liegen eng beieinander“, sagte er: „Ich denke weiter positiv und glaube fest daran, dass wir den Turnaround schaffen.“

Das Spiel gegen Erzgebirge Aue am Freitag bei uns im Live-Ticker.

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