Mögliche Nachfolger im Check

1860-Krise: Alle Gerüchte um einen neuen Trainer im Check

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André Breitenreiter und Armin Veh werden als mögliche neue Trainer des TSV 1860 München gehandelt. 

München - Der TSV 1860 München steckt wieder in einer Krise. Trennt der Verein sich bald von Coach Runjaic? Hier finden Sie den Fakten-Check zu den Trainer-Gerüchten.

Es sollte alles besser werden beim TSV 1860 München, nachdem die Löwen zwei Jahre hintereinander gegen den Abstieg spielten und sich beide Male gerade so retten konnten (einmal sogar erst durch die Relegation). Doch nach einem respektablen Saisonstart hängen die Blauen erneut im Tabellenkeller, ein weiteres Jahr zittern bis zum Schluss droht.

Fast zwangsweise kommt da die Trainerfrage wieder auf, denn in den vergangenen Jahren war der Trainerstuhl an der Grünwalder Straße ein absoluter Schleudersitz: 2014/15 und 2015/16 verbrauchten die Löwen drei Cheftrainer in einer Spielzeit. Kosta Runjaic steht öffentlich in der Kritik, doch die Mehrzahl der Fans und auch die sportliche Leitung um Thomas Eichin steht zum Chefcoach, der erst im Sommer das Zepter beim TSV 1860 München übernommen hatte.

Dennoch geistern seit einiger Zeit mehrere Namen durch die Medien, die möglicherweise den Cheftrainer-Posten bem TSV 1860 übernehmen könnte, sollte Runjaic seinen Platz doch räumen müssen. Wie realistisch sind diese Trainergerüchte?

André Breitenreiter: Möglicher neuer Trainer beim TSV 1860 München?

Seit der Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf hält sich hartnäckig das Gerücht, André Breitenreiter könnte Runjaics Nachfolger als neuer Trainer des TSV 1860 München werden. Erfahrung in der zweiten Liga hätte Breitenreiter, immerhin führte er 2014 den SC Paderborn zum Aufstieg. In Liga eins lief es für den Niedersachsen allerdings weniger erfolgreich. Nach nur einer Saison stieg Paderborn wieder ab und Breitenreiter wechselte zum FC Schalke 04. Dort wurde sein Vertrag nach einem Jahr aufgelöst, seit Sommer 2016 ist Breitenreiter also vereinslos. 

Löwen-Sportchef Tomas Eichin hat die Trainergerüchte um Breitenreiter zuletzt mehrmals dementiert - eine übliche Reaktion auf derartige Spekulationen. Breitenreiter bleibt ein möglicher Kandidat auf den Trainerposten beim TSV 1860. Wie die Bild-Zeitung berichtete, hat Investor Hasan Ismaik Breitenreiter allerdings abgelehnt.

Fazit: Sollte der Trainerstuhl beim TSV 1860 München frei werden, wäre Breitenreiter ein möglicher Kandidat. 

Armin Veh

Nach der Niederlage gegen den VfB Stuttgart brachte die Bild-Zeitung einen neuen Namen ins Spiel: Das Blatt spekulierte, Armin Veh könnte neuer Trainer beim TSV 1860 München werden, sollte Runjaic seinen Platz räumen müssen. 

Armin Veh ist ein Urgestein unter den Bundesliga-Trainern, seit über 25 Jahren ist der gebürtige Augsburger als Coach tätig. Seine größten Erfolge feierte er mit dem VfB Stuttgart. In der Saison 2006/07 gewann er mit den Schwaben die Meisterschaft, wurde Zweiter im DFB-Pokal. Zuletzt war Veh für Eintracht Frankfurt tätig, das er 2012 in die erste Liga geführt hatte. Er wurde im März 2016 freigestellt, als die Mannschaft nach sieben Spielen ohne Sieg auf dem Relegationsplatz stand. 

Seitdem hat der 55-Jährige aber mehrmals angekündigt, sich aus dem Trainergeschäft zurückzuziehen. Insofern ist dieses Gerücht mit einem großen Fragezeichen zu versehen.

Fazit: Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Veh ein ernsthafter Kandidat für die Löwen ist. 

Daniel Bierofka

Daniel Bierofka schaffte im Frühjahr das, woran einige Wochen zuvor keiner mehr geglaubt hatte: Er sicherte dem TSV 1860 München als Interimstrainer den Klassenerhalt. Nach der Löwen-Rettung gab er seiner Hoffnung bei Sky Ausdruck, „dass nächstes Jahr ein bisschen ruhiger wird“. Denkste! Schon im Herbst befinden sich die Löwen wieder tief in der Krise. Die Lösung liegt ja eigentlich auf der Hand: Daniel Bierofka wäre als Amateur-Trainer jederzeit verfügbar. Dass er einer am Boden liegenden Mannschaft neues Leben einhauchen kann, hat er ja hinreichend bewiesen. Und ein absoluter Fan-Liebling ist er ja auch noch. Also: Der ideale Löwen-Trainer.

Das Problem bei der Angelegenheit: „Biero“ könnte abermals nur als Übergangs-Trainer einspringen. Denn: Er durfte im Frühjahr nur mit Sondergenehmigung der DFL für 15 Werktage als Chefttrainer übernehmen, da er nicht die erforderliche Trainerlizenz besaß. Nach drei Spielen war für ihn wieder Schluss. Beim letzten Saisonspiel saß Denis Buschujew als Cheftrainer auf der Bank.

Im Interview mit dem „Münchner Merkur“ kündigte Daniel Bierofka nach seinem Intermezzo an, dass er peu à peu seine Scheine machen wolle, bis er irgendwann regulär auf dem Trainerstuhl sitzen könne: „Für mich geht’s nächste Saison bei der U 21 weiter. Ich habe einen starken, emotionalen Kontakt zu den Spielern. Es interessiert mich einfach wahnsinnig, wie die sich weiterentwickeln. Auch ich muss mich noch weiterentwickeln und erst mal die ganzen Scheine machen. Erstmal den A-Schein, nächstes Jahr dann hoffentlich den Fußball-Lehrer. Das kann bis zu fünf Jahre dauern, dass man da einen Platz bekommt. Ich hoff‘ jetzt mal, dass ich ganz gute Chancen hab’, dass sie mich zulassen.“

Fazit: Dem TSV 1860 München wird es im Falle eines Trainerwechsels darum gehen, einen Kandidaten zu finden, der die Mannschaft langfristig voranbringen kann. Insofern ist es unwahrscheinlich, dass Daniel Bierofka das Amt übernimmt. Es könnte allerdings sein, dass er die Löwen wieder übergangsweise trainiert - solange bis ein Perspektivcoach gefunden ist.

Jos Luhukay

Der Holländer wäre aktuell auf dem Markt: Jos Luhukay ist im September bei Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart als Trainer zurückgetreten. Und das nicht wegen mangelnden Erfolgs. Grund waren ständige Streitereien mit Sportvorstand Jan Schindelmeiser. Sein Name taucht im Zusammenhang mit den aktuellen Trainer-Gerüchten beim TSV 1860 München nicht ohne Grund auf: Luhukay war vor einem Jahr auch Thema bei den Löwen. Aus einem Engagement an der Grünwalder Straße wurde aber nichts. 

Luhukay gilt als kompromissloser Trainer, der langfristig auch eine gute Mannschaft formen kann. Zwei Eigenschaften, die die Bosse des TSV 1860 München - und auch die Fans - sicher sehr schätzen würden. 

Fazit: Eher unrealistisch: Jos Luhukay übernahm in der Vergangenheit nur Vereine, die eine realistische Aufstiegsperspektive hatten: Den FC Augsburg, Hertha BSC Berlin oder dern VfB Stuttgart.  Und ob sich Luhukay nach seinen Erfahrungen in Stuttgart die Führungsstrukturen bei den Löwen ernsthaft zumuten würde?

Mirko Slomka

Der ehemalige Bundesliga-Coach (Hannover 96, Schalke 04 und Hamburger SV) galt schon im Frühjahr als Wunschkandidat von Sportdirektor Oliver Kreuzer. Slomka bestätigte zwar Gespräche - aus einem Engagement wurde aber nichts.

Mirko Slomka wäre definitiv ein „großer Name“ im Sinne Ismaiks. Er spielte mit dem FC Schalke 04 in der Champions League und mit Hannover 96 in der Europa League. Zudem rettete er 2014 bereits den HSV vor dem Abstieg.  

Fazit: Möglich aber sehr unwahrscheinlich. Slomka gab dem TSV 1860 München erst vor wenigen Monaten einen Korb. Damals hätte er noch ein Team nach seinen Vorstellungen aufbauen können. Warum sollte er jetzt einen Vertrag bei den Löwen unterschreiben?    

Bruno Labbadia

Auch dieser Trainer wäre aktuell auf dem Markt. Erst vor wenigen Wochen warf der HSV Bruno Labbadia raus. Grund war der schwache Saisonstart. Sechs Spieltage vor dem Ende der Saison 2014/15 hatte der Darmstädter das Kommando bei den Norddeutschen übernommen - und den Klub mit zehn von 18 möglichen Punkten vom letzten Platz noch in die Relegation geführt. In der Hinrunde der folgenden Saison stabilisierte Labbadia das Team, das zuvor schon wieder als Kandidat für die Relegation galt. Eigentlich genaue der Mann, den der TSV 1860 München bräuchte...

Fazit: Ziemlich unwahrscheinlich, dass Bruno Labbadia sich für ein Engagement bei den Münchner Löwen begeistern könnte. Er trainierte mit dem VfB-Stuttgart und dem HSV Vereine in einer anderen Größenordnung.

Rüdiger Rehm

Erst am Wochenende flog Rüdiger Rehm bei Arminia Bielefeld raus. Im Juni war Rehm mit großen Hoffnungen bei den Ostwestfalen angetreten. Nach genaue 124 Tagen war sein Gastspiel schon wieder beendet, nachdem Arminia Bielefeld auf den letzten Tabellenplatz gestürzt war.

Zuvor trainierte Rüdiger Rehm den Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach. Was für ihn als Trainer des TSV 1860 München sprechen würde: Er ist halt auf dem Markt. Das wäre es dann aber auch schon.

Fazit: Möglich aber sehr unwahrscheinlich. Warum sollten die Löwen einen Mann verpflichten, der aktuell einen Verein in den Zweitliga-Keller geführt hat. Und ein „großer Name“ den Investor Hasan Ismaik für den Verein haben möchte ist der 37-Jährige auch nicht.  

Werner Lorant: Rückkehr zum TSV 1860 München?

In schweren Zeiten blickt man gerne auf erfolgreiche Tage zurück und beim TSV 1860 München sind diese Tage mit einem Mann verknüpft: Werner Lorant. Der Kult-Coach trainierte die Löwen für knapp ein Jahrzehnt und führte die Münchner binnen zwei Jahren aus der drittklassigen Bayernliga in die erste Liga. Die Ära Lorant war geprägt von Spielern wie Thomas Häßler, Martin Max, Jens Jeremies, Horst Heldt oder Manfred Schwabl. Doch nach Meinungsverschiedenheiten mit Präsident Karl-Heinz Wildmoser wurde Lorant 2001 entlassen.

In den folgenden Jahren zog es Lorant hauptsächlich ins Ausland. Unter anderem trainierte er Vereine in der Türkei, in Griechenland, im Iran und sogar in China. Zwischenzeitlich kehrte er für einige Monate nach München zurück. Als Trainer der SpVgg Unterhaching konnte er den Abstieg in die Dritte Liga aber nicht verhindern und trat in der folgenden Saison bereits während der Hinrunde zurück. Insgesamt konnte Lorant nicht mehr an die Erfolge seiner Zeit bei den Löwen anknüpfen. 

Aber das Treiben an der Grünwalder Straße verfolgt und kommentiert Lorant weiterhin eifrig. Schon im April 2016, als Sechzig auf Abstiegskurs war, hatte sich Lorant als möglicher neuer Trainer ins Gespräch gebracht - allerdings mit Augenzwinkern und nur im Falle eines Abstiegs. „Vielleicht wäre ein Abstieg gar nicht so schlecht, um sich neu aufzustellen. Dann sollen sie mich holen und wir gehen wieder hoch“, hatte Lorant damals gesagt. Dass der Kult-Trainer tatsächlich noch einmal zum TSV 1860 zurückkehrt, mag für manche Fans ein Wunschtraum sein, doch Realität wird er vermutlich nicht.

Fazit: Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass die Löwen-Legende noch einmal auf die 1860-Bank zurückkehrt.

sr/fw

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