Schießen die Löwen ihren Ex-Coach in Liga 3?

1860-Allesfahrer: "Schaden würde Götz ein Abstieg nicht"

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Führte die Löwen 2004 an den Rand des Abgrunds: FSV-Coach Falko Götz.

München - Roman Wöll lässt kein Spiel der Löwen aus, ist ein sogenannter "Allesfahrer". Im tz-Interview spricht er über das Duell gegen den FSV Frankfurt mit Ex-1860-Coach Götz, die ungelöste Trainerfrage und die Aussichten für die Zukunft.

Am vergangenen Dienstag beim 2:1 der U 19 im Dortmunder Westfalenstadion, am Sonntag mit den Profis am Bornheimer Hang in Frankfurt, tags darauf beim Rückspiel der U 19 gegen den BVB in Heim­stetten – wo immer die Löwen aufschlagen, ist Roman Wöll schon da. Der 62-Jährige bildet mit Franz Hell und Fritz Fehling die Gruppe der „Allesfahrer“. Selbst die Trainingslager beobachtet das Trio live vor Ort, stets mit dem blauen „Grundoptimismus“, wie Wöll seine Motivation auf den Punkt bringt. Das tz-Interview.

Herr Wöll, Sie werden am Pfingstsonntag einer von mindestens 6000 Löwen-Fans in Frankfurt sein. Wie erleichtert sind Sie, dass es nur noch um die Ehre geht?

Wöll: Sehr erleichtert! Vor drei Wochen wäre ich schon froh gewesen, wenn wir am letzten Spieltag noch die Chance auf die Relegation gehabt hätten, jetzt sind wir gerettet. Da fällt dir schon ein riesiger Stein vom Herzen.

Ganz ohne Brisanz ist das Spiel trotzdem nicht. Der Trainer des FSV Frankfurt heißt schließlich Falko Götz.

Wöll: Ja, mit dem Tro… hat 2003 der ganze Scheiß angefangen. Er hat die Mannschaft von einem ordentlichen Bundesligisten zu einem Abstiegskandidaten geformt, fatalerweise haben sie ihn zu spät rausgeschmissen.

Zwölf Jahre später könnte Götz nun von den Löwen-Fans in die Drittklassigkeit verabschiedet werden. Wie groß ist die Schaden(vor)Freude?

Roman Wöll.

Wöll: Ich müsste lügen, wenn ich sie nicht ein bissl spüren würde. Schaden würde es ihm bestimmt nicht, wenn er mal absteigen würde. Aber mir ist es auch wichtig, dass die Mannschaft Vollgas gibt, um sich danach nicht für irgendwas rechtfertigen zu müssen. Heidenheim hat uns letztes Jahr geholfen, sonst wäre Aue statt uns in die Relegation gekommen. Daran sollte sich die Mannschaft erinnern.
Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass es mit mehr Planungszeit in der neuen Saison besser wird?

Wöll: Wir sind vier Wochen früher dran, das sollte sich am Ende schon auszahlen. Am Oli Kreuzer wird’s nicht scheitern, dem traue ich es zu, einen gescheiten Kader zusammenzustellen. Entscheidend wird sein, wie viel Geld der Ismaik letztlich zur Verfügung stellt. Wenn er’s jetzt nicht begriffen hat, dann kommt er nicht mehr drauf.

Was fehlt der Mannschaft?

Wöll: Es braucht in allen Mannschaftsteilen mehr Qualität. Außenverteidiger, Mittelfeld, Sturm. Die Leute müssen spüren, dass was geht. Wieder von Anfang an unten rumkrebsen, das wäre tödlich. Was in dieser Liga mit einer vernünftigen Planung möglich ist, hat man heuer bei St. Pauli gesehen. Letztes Jahr fast abgestiegen, jetzt lange oben mitgespielt. Das muss das Vorbild sein.

Welchen Trainer würden Sie nehmen, wenn Franco Foda, Jos Luhukay und Mirko Slomka zur Wahl stünden?

Wöll: (überlegt einige Sekunden) Aus der Runde würde ich den Luhukay nehmen. Er ist schon ein paarmal aufgestiegen und er wäre heiß. Aber mit Foda könnte ich auch leben. Wir brauchen einen Trainer, der was kann und eine positive Ausstrahlung hat.

Bilder: Die Trainer des TSV 1860 seit 1992

Einen, der sich nicht nach zwei Niederlagen „Bierofka“-Rufe anhören muss.

Wöll: Solche Leute wird’s geben, die das plärren. Aber ein bissl Realismus sollte schon dabei sein. Zum einen hat der Daniel die nötige Lizenz halt noch nicht. Und zum anderen kann man doch nicht ernsthaft erwarten, dass wir mit ihm alles gewinnen. Der Biero ist eine große Hoffnung, aber keine Garantie.

Apropos Hoffnung: Die U 19 könnte das Finale um die Deutsche Meisterschaft erreichen. Inwiefern trägt das zu Ihrem Grundoptimismus bei?

Wöll: Das ist halt das Problem als Zweitligist, dass du die Talente nicht lange halten kannst. Mit dem Moritz (Heinrich), dem Felix (Uduokhai) und einigen anderen sind da sicher wieder Kandidaten für die Profis dabei. Man muss die Verträge halt so gestalten, dass man wenigstens einen vernünftigen Gegenwert bekommt. Noch einen Fall Neudecker (ablösefrei zu St. Pauli) brauche ich nicht.

lk

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