Nach acht Spieltagen der 2. Liga

Blaue Analyse: Das läuft bei den Löwen schief

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Betretene Mienen nach dem 0:2 in Würzburg: Nico Karger, Daylon Claasen, Marnon Busch, Stefan Mugosa und Victor Andrade (v. l.) sind einmal mehr ratlos.

München - Nach einem Viertel der Saison steckt Sechzig wieder einmal im Abstiegskampf - trotz Millionen-Ausgaben. Woran liegt das? Wir analysieren die Situation. 

Kosta Runjaic ist ein Freund der Zahlen. Auf 39 Punkte würden die Löwen bei Beibehaltung des aktuellen Schnitts am Saisonende kommen, hatte der Trainer am vergangenen Freitag öffentlich hochgerechnet. Damit könne man "absteigen aber auch Zwölfter werden".

Nach dem 0:2 in Würzburg dürfte Runjaic die Lust am Zahlenspiel vergangen sein. Mit acht Zählern aus acht Spielen liegen die Löwen auch unter "Coach Kosta" auf Abstiegskurs. 34 Punkte reichten in der vergangenen Saison nur deshalb zu Platz 15, weil sich mit Paderborn, Frankfurt und Duisburg drei noch unfähigere Mannschaften für die Dritte Liga anboten. Ein Glück, das sich so kaum wiederholen dürfte.

Woran es liegt, dass die Löwen nach ihrem punktemäßig passablen Saisonstart so abgeschmiert sind, das ist die große Frage beim Investoren-Klub von der Grünwalder Straße. Eine analytische Bestandsaufnahme.

Fehler, Pech und Nebengeräusche

Kai Bülow (l.) patzt gegen Würzburg folgenschwer.

Gravierende individuelle Fehler: Kai Bülows tölpelhafter Ballverlust gegen Würzburgs Torjäger Elia Soriano vor dem (unberechtigten) Elfmeter zum 0:1 war bereits der dritte folgenschwere Patzer in dieser Saison. Gegen Union Berlin (1:2) geriet Milos Degenek ein Rückpass zu kurz, vor dem 0:1 in St. Pauli (Endstand 2:2) unterlief Maxi Wittek ein kapitaler Abspiel-Bock. "Wenn man solche Fehler macht, kann man nicht bestehen. So etwas darf in keiner Liga passieren", haderte Sportchef Thomas Eichin nach dem Abpfiff in Würzburg. Torwart Jan Zimmermann konnte da nur zustimmen: "Es sind zu viele Kleinigkeiten, die nicht funktionieren. Dadurch schießen wir immer wieder 'Eigentore'. Jeder Einzelne muss mit sich ins Gericht gehen. Wir müssen selbstkritisch sein und uns das Glück in den nächsten zwei Wochen wieder erarbeiten."

Fragwürdige Einkaufspolitik: Statt einen Ersatz für die verkauften Abwehrrecken Chris Schindler und Gary Kagelmacher zu besorgen, vertrauten die Verantwortlichen auf die vorhandenen Kräfte - mit erwartbaren Folgen. Die aktuelle Viererkette ist kaum zweitligatauglich, die Gegner wissen um die Anfälligkeit der blauen Abwehrreihe. Nur Keeper Zimmermann ist es zu verdanken, dass sich die Zahl der Gegentore noch in Grenzen hält.

Löwen verlieren gegen Kickers: Sieben Fünfer, fünf Vierer

Ivica Olic.

Verletzungspech: Vor allem der Ausfall von Stefan Aigner wiegt schwer. Die Abgezocktheit des Heimkehrers sicherte den Löwen die Siege in den Spielen gegen Bielefeld und im Pokal gegen Karlsruhe (2:1). Bitter sind zudem die Verletzungen von Zugang Filip Stojkovic (Verdacht auf Schambeinentzündung) und den Innenverteidigern Degenek (Innenbandanriss im Knie) und Felix Uduokhai (Patellasehnenschmerzen). Vor dem Würzburg-Spiel kam auch noch Ivica Olic dazu. Der Oldie hat seit einem Knorpelschaden vor sechs Jahren Probleme mit seinem linken Knie, das bei Überbelastung mit Flüssigkeitsansammlung reagiert. "Im Moment können wir den einen oder anderen Ausfall nicht kompensieren", sagte Manager Thomas Eichin.

Nebengeräusche und ein schwelender Konflikt: Die Champions-League-Visionen aus Abu Dhabi kamen nach dem Hannover-Spiel zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt auf den Markt. Eichin und Runjaic war die Mühe anzumerken, Ismaiks Äußerungen wegzumoderieren. Brisanz für die kommenden Wochen verspricht die Personalie Michael Liendl. Der Österreicher war schon nach seiner Auswechslung gegen Hannover sichtlich angefressen, auch in Würzburg stapfte er grummelnd vom Feld. "Unglaublich" - dieser Kommentar war auch für Hobby-Lippenleser leicht zu erkennen.

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Ludwig Krammer

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Kommentare

KarlDerWeise
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in der Abwehr mangelnde Konzentration, schlampiges Verhalten, Überheblichkeit. Da genügt schon wenn der wirklich gewinnen wollende Gegenspieler ein wenig härter rangeht und eine gefährliche Situation nach der anderen kommt.

Im Sturm sinnfreies Gegurke ohne Wirkung.

Was fehlt?
einstudierte Spielzüge (wenn es die schon gibt, dann sollten sie dringend überprüft werden)
Freistoß und Eckballvarianten einstudieren und vor allem üben üben üben. (war mal vor langer Zeit eine Waffe bei 1860!)
von Fußballprofis, die doch einiges an Geld einstecken, sollte doch erwarten werden können, dass sie einen von 3 Freistößen gefährlich zu einem Mitspieler bringen.

und vor allem "wirklich gewinnen wollen"

weiß-blauAntwort
(0)(0)

Keine Ahnung Einmal_Löwe_immer_Löwe, aber i würd´s ma gwiss so wünschen, wia Du :-)

Einmal_Löwe_immer_LöweAntwort
(1)(0)

Oh, ja, stimmt, hatte ich verdrängt. Hat man dann wenigstens eine Kaufoption?