1860 schöpft wieder Hoffnung

"Bierofka hat uns hervorragend eingestellt"

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Trainer Daniel Bierofka (Mitte) im Gespräch mit Sascha Mölders (r.).

München - Der TSV 1860 München besiegt Eintracht Braunschweig: Die aggressiven Löwen belohnen sich spät, feiern den neuen Trainer und schöpfen wieder Hoffnung. 

Der Held der Nordkurve wusste, dass er diese letzten Meter auch noch gehen musste. Trotz der kraftraubenden 90 Minuten zuvor, trotz all der nervlichen Anspannung. „Bierofka, Bierofka“, riefen die Löwen-Fans am Ende eines emotionalen Nachmittages. Also setzte sich Daniel Bierofka in Bewegung. Zögerlich lief er bis zum Strafraum, klatschte verhalten in Richtung des feiernden Anhangs – Personenkult ist eine Sache, mit der der alte und neue Publikumsliebling nicht viel anfangen kann. „Die Mannschaft hat es verdient, dass sie gefeiert wird, nicht ich“, sagte der beförderte U 21-Coach. „Es war toll, wie sie aufgetreten ist, mit wie viel Mut. Das ist nicht alltäglich in unserer Situation.“

Eine Situation, die Bierofka bei seinem Einstand gegen Braunschweig eine Art Endspiel beschert hatte – die sich durch ein kaum noch erwartetes Tor des eingewechselten Rubin Okotie (87.) aber fundamental verbessert hat. 1860 ist vor den letzten drei Saisonspielen zurück auf Relegationsplatz 16. Weil mit Bierofka nicht nur der Kampfgeist zurückgekehrt ist. Sondern auch das Glück, das es braucht, um solche Nervenschlachten zu überstehen.

Als es verdient gewesen wäre, wollte der Ball partout nicht ins Tor. Valdet Rama glänzte, aber traf nicht. Mölders und Bülow kamen im Strafraum zu Fall, ohne dass Schiedsrichter Welz auf Elfmeter entschied (41., 52.). Die Löwen ackerten, trafen die Latte (Schindler/33.), hofften beim Abpraller auf die Torlinie vergeblich, dass sich die Ungerechtigkeit von Duisburg ausgleichen würde. Und als keiner mehr daran geglaubt hatte, erlöste ausgerechnet ein typisches Benno-Möhlmann-Tor die energisch anrennende Bierofka-Elf. Ecke Liendl, Kopfball Okotie – ein bisschen gehörte der Sieg auch dem Vorgänger. „Ich glaube, die bessere Mannschaft hat gewonnen“, sagte Sascha Mölders. Bierofka sprach von einem „hochemotionalen“ Nachmittag.

TSV 1860 München besiegt Eintracht Braunschweig: Das macht Neu-Trainer Berofka anders

Sein Verdienst, dass 1860 endlich mal die Vorlagen der patzenden Konkurrenz ausnutzen konnte? Die Spieler jedenfalls vergaßen bei keinem Statement, den Anteil des neuen Hoffnungsträgers herauszustreichen. „Ich glaube, man hat gesehen, dass wir einen Matchplan hatten“, erklärte Mölders: „Ich muss sagen, er hat uns hervorragend eingestellt auf diese Partie.“ Neues System (4-2-3-1), aggressiveres Attackieren des Gegners, selbst einem Künstler wie Rama war kein Weg nach hinten zu weit. Auch Okotie, obwohl zunächst Bankdrücker, fand lobende Worte für seinen neuen Chef: „Sicher war auch ein Quäntchen Glück dabei“, meinte er: „Aber Biero hat schon versucht, eine neue Spielphilosophie reinzubringen. Er ist sehr emotional, sehr willensstark – und diesen absoluten Willen hat er der Mannschaft gut vermittelt.“

Neues, offensives Denken, das sich auch in den Prognosen für den Saisonendspurt widerspiegelte. „Wir haben alles wieder selber in der Hand“, fasste Mölders die Lage im Tabellenkeller zusammen: „Es ist eine einfache Rechnung: Drei Siege – und du bist drin.“ Die direkten Duelle mit Paderborn und Frankfurt wertet Mölders als Zusatztrumpf. Okotie spekuliert sogar schon wieder, die Rettung auch ohne Saisonverlängerung erzwingen zu können. „Der Sieg heute ist schon abgehakt“, sagte er: „In St. Pauli brauchen wir jetzt den nächsten Sieg – dann können wir es sogar noch ohne Relegation schaffen.“

Und Bierofka? Der wirkte schwer emotionalisiert, als er seinen ersten Arbeitstag auf der ganz großen Bühne Revue passieren ließ. „Als wir in die Arena gefahren sind – das war schon aufregend für mich“, sagte er: „ Die Nervosität war aber schnell weg, als ich den Biss der Mannschaft gesehen habe, ihre Aggressivität, die Einsatz- und Lauffreude.“ Trotzdem war es ein Spiel, das auch ihm an die Substanz ging. „Ich muss jetzt erst mal runterfahren“, sagte er in Vorfreude auf den Feierabend: „Kann sein, dass ich mir zu Hause erst mal ein Weißbier einschenke.“ Alkoholfrei?, wollte einer wissen. „Nee“, sagte er: „Schon mit.“ Es gab gestern kaum einen, der ihm das nicht gegönnt hätte.

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