Der Triumph der Löwen

Er schrieb das Buch über das Jahr, in dem 1860 Meister wurde

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Über die Deutschen Meister: Roman Beer mit seinem neuen Buch.

München - 50 Jahre ist es her, dass die Sechzger ihre einzige Meisterschaft feiern konnten. In diesen Tagen erinnern die Löwen-Fans daran. Roman Beer hat ein Buch über die Saison 1965/66 geschrieben – und stellt es Donnertagabend in Giesing mit Meisterlöwen vor.

Erster Spieltag, erstes Bundesliga-Derby, erste Spielminute: Tor für die Löwen! Die Meistersaison 1965/66 begann für die Sechzger mit einem Knall. Das Spiel gegen den FC Bayern gewann der TSV durch den Treffer von Timo Konietzka (Vorarbeit: Peter Grosser) vor 44.000 Zuschauern im Grünwalder Stadion 1:0. Fünf Zigaretten, betonte ein in der Nähe der Trainerbank positionierter Merkur-Reporter, habe Max Merkel während des Spiels geraucht. Genossen habe er aber erst die sechste – nach dem hitzigen Derby in der Kabine.

Die Meistersaison, der größte Erfolg der Vereinsgeschichte, ist 50 Jahre her – und steckt voller Anekdoten. Der 1860-Abteilungsleiter Fußball, Roman Beer, hat sie in einem großartigen Buch zusammengetragen. Beer ist erst 36. Er kam aus der Fanszene in den Verein. Beer ist, wenn man so will, selbst einer der jüngeren Fans, die 1966 noch nichtmal auf der Welt waren – und die Löwen doch auch wegen all der Legenden um Radi und seine Mitspieler lieben. „Auf die Meisterschaft beziehen sich ja auch die ganz Jungen“, sagt Beer. „Bis heute wird sie im Stadion besungen.“

Die Idee zum Buch, sagt Beer, habe es schon lange gegeben. Konkret wurde es erst, als das Jubiläum nahte. „Es war klar, dass ich das nicht alleine stemmen konnte“, sagt Beer. „Am Ende hat Claus Melchior die meisten Texte geschrieben.“ Auch Arnold Lemke war beteiligt. Das Trio durchforstete Zeitungsbände, sprach mit Zeitzeugen – und suchte Bilder. „Ich hatte gehofft, dass wir zu jedem Spiel ein Farbbild finden“, sagt Beer. „Am Ende waren wir froh, überhaupt alle Spiele bebildern zu können.“

Bilder: Die Trainer des TSV 1860 seit 1992

Herausgekommen ist ein Buch für Statistik-Freunde (alle Tabellen, Aufstellungen, Ergebnisse), ein Buch zum Staunen über einfache Kabinen-Verhältnisse und Zuschauer bis hinauf auf die Flutlichtmasten – und zum Bewundern matschiger Spielfelder. Viele der Meisterlöwen haben noch Jahrzehnte in der Traditionsmannschaft gespielt, bis heute gibt es einen Stammtisch in der Arena. Als sie die Meisterschaft gewonnen hatten, am 28. Mai 1966, ging es im Autokorso vom Sechzgerstadion bis zum Marienplatz. OB Hans-Jochen Vogel empfing die Sieger („für ganz München ein Grund zur Freude!“). Beer vermutet nach den Recherchen, dass viele Spieler sich an die Feier falsch erinnern. Sie glauben, sie seien auf dem Rathaus-Balkon gewesen – wie es seit langer Zeit bei solchen Feiern üblich ist. „Wir haben rausgefunden, dass Vogel sie unten auf dem Marienplatz empfangen hat, auf einer Bühne“, sagt Beer. „Die Tradition mit dem Balkon ist wohl erst später entstanden. 1977 haben die Löwen dort auf jeden Fall den Wiederaufstieg gefeiert.“

Kapitän Grosser übrigens sagte bei der Meisterfeier, es sei der „besondere Wunsch der Mannschaft“, dem DFB die Transportkosten für die Meisterschale zu ersparen. „Wir werden alles tun, damit sie in München bleibt.“ Dem roten Stadtrivalen sollten Titelverteidigungen später tatsächlich oft gelingen. Für den TSV 1860 blieb sie einer von vielen unerfüllten Träumen. Was bleibt, sind große Erinnerungen. Und ein Buch, das sie wunderbar wieder zum Leben erweckt.

Buch und Diskussion

Das Buch „Der Triumph der Löwen“ ist im Werkstatt Verlag erschienen (136 Seiten, 19,90 Euro). Es wird morgen, Donnerstag, im Giesinger Bräu, Martin-Luther-Straße 2, vorgestellt. Dort werden, moderiert von Wolfgang, Görl (Süddeutsche Zeitung) unter anderem die Meisterlöwen Fredi Heißund Peter Grosser erzählen. Beginn ist um 18.60 Uhr, also 19 Uhr.

Felix Müller

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