Er soll die Löwen in Liga eins führen

Ein Roter bei den Blauen: Das sagt Hamann über Ian Ayre

+
Ian Ayre wechselt von England nach München - bei Dietmar Hamann war es vor Jahren andersrum.

München - Ian Ayre ist also der Mann von einem Weltverein, der die Löwen wieder in die Oberklasse führen soll. Ex-Liverpool-Spieler Dietmar Hamann kennt ihn gut.

Das Geheimnis ist gelüftet. Wie der Münchner Merkur aus sicherer Quelle erfahren hat, wird der neue Hauptgeschäftsführer beim TSV 1860 der Engländer Ian Ayre sein. Ein Fachmann, der seit 2007 beim FC Liverpool in verschiedenen Funktionen tätig war. Zuletzt als Vorstands­vorsitzender. Der 53-Jährige wechselt auf Betreiben von Investor Hasan Ismaik im kommenden Jahr vom Mersey-River an die Isar. Ohne Details zu nennen, hatte Ismaik vor Kurzem erklärt: „Dass wir einen so großen Namen überzeugen konnten, von einem Weltverein zu 1860 zu kommen, macht uns stolz. Das war nicht einfach. Als er von der Tradition des Klubs erfahren hat, war er sehr begeistert. Er wird Ende dieses Jahres oder im ersten Quartal beginnen.“

Ayre, der im Oktober 2015 Jürgen Klopp als neuen Trainer an die Anfield Road geholt hat, hatte bereits im März dieses Jahres angekündigt, dass für ihn 2017 Schluss beim FC Liverpool ist. Als Begründung gab er an: „Das Privileg, einen solch großen Klub zu führen, geht mit einer großen Verantwortung einher. Ich glaube, dass am Ende der kommenden Saison der richtige Zeitpunkt gekommen ist, den Stab an einen neuen Vorstand zu übergeben, der mit frischem Enthusiasmus an die Aufgabe herangeht.“

Seit Monaten geistert Ayres Name herum

Möglicherweise spielte damals schon ein Wechsel nach München eine Rolle. Denn das Gerücht, dass Ismaik einen Engländer in die Geschäftsführung holen will, geistert schon seit etlichen Monaten an der Grünwalder Straße herum. „Wir sind auf dem besten Weg, aus 1860 einen der besten Vereine Europas zu machen“, sagte der Investor. „Und wir wollen die besten Kräfte zu uns holen.“

Eben einen wie Ayre. Der gebürtige Liverpooler trat mit nur 16 Jahren bereits in die Royal Navy, die königliche Marine, ein. Später war er unter anderem Vorstandsvorsitzender bei Huddersfield Town, dem Klub, bei dem jetzt Ex-Löwe Christopher Schindler unter Vertrag steht.

Einer, der Ayre sehr gut kennt, ist Didi Hamann. Der ehemalige Nationalspieler, der 2005 mit dem FC Liverpool die Champions League gewonnen hat, hält große Stücke auf ihn. „Wir hatten zwar nicht mehr unmittelbar miteinander zu tun“, sagt Hamann, „weil Ayre erst ein Jahr nach meinem Weggang zu den Reds gestoßen ist, aber er ist ein richtig Guter. Beim FC Liverpool hinterlässt er ein bestelltes Feld. Das ist schon fabelhaft.“

Hamann: 1860-Entscheidung überrascht

Und einen Wechsel zum TSV 1860 sieht Hamann als gar nicht so unlogisch an. Welten trennen die beiden Klubs offenbar nicht. Der 43-Jährige: „In Liverpool war es oft nicht weniger turbulent als an der Grünwalder Straße. Der Verein stand ebenfalls mal drei Tage lang vor dem Bankrott und hat 15 Jahre lang mit der Stadt wegen der Stadionproblematik gefochten.“ Im Jahr 2012 einigten sich Stadt und Verein auf einen Ausbau von Anfield. Ayre hatte großen Anteil daran.

Ian Ayre (hier mit seiner Frau) soll den Löwen helfen.

„Nicht nur deshalb hat Ian sicherlich anstrengende Jahre hinter sich“, glaubt Hamann. „Trotzdem überrascht es mich schon, dass er jetzt zu 1860 geht.“ Freuen tut er sich aber auch. „Als Kind war ich ja selbst ein Löwe“, verrät der ehemalige Bayernspieler. „Und es interessiert mich immer noch sehr, was bei den Sechzigern passiert. So war ich kürzlich sehr begeistert über das unglaubliche Tor, das dieser Andrade gegen St. Pauli geschossen hat.“

Den Menschen Ayre kennt Hamann von etlichen Treffen auch bestens. „Ian kann beides sein“, sagt Hamann. „Ein harter Hund, aber auch ein Kumpel, der keine Probleme hat, mal mit den Fans im Pub ein Bier zu trinken. Er liebt diese Volksnähe, die man sowohl in Liverpool als auch bei den Sechzigern braucht.“ Und auch bei Familie Klopp stand Ayre immer hoch im Kurs. Hamann: „Immer wenn ich mich mit Jürgens Frau Ulla unterhalten habe, hat sie von den Vereinsoberen in höchsten Tönen geschwärmt.“

Ayre war schon bei einer Personalie involviert

Probleme wegen der Sprache befürchtet Hamann nicht. „Dass Ian kein Deutsch spricht, sehe ich als nicht schlimm an. Und ich würde sowieso seine Qualifikation über die Sprachkenntnisse stellen. Das kriegt man mit Sicherheit strukturiert. Außerdem: Wenn 1860 so einen Mann bekommen kann, dann bedarf es keiner Überlegung.“

Ayre wird bei den Löwen als Vorgesetzter von Thomas Eichin, den Mann für das Sportliche, und von Raed Gerges, Experte für Marketingfragen, tätig sein. Übrigens: Dass die Wahl eines Sportlichen Leiters vor einigen Monaten auf Eichin gefallen ist, daran soll Ayre bereits beteiligt gewesen sein…

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Nach Bayern-Attacken: Ex-Löwen-Funktionär greift Hoeneß an
Nach Bayern-Attacken: Ex-Löwen-Funktionär greift Hoeneß an
Ismaik: Neuer Trainer steht fest - das passiert mit Bierofka
Ismaik: Neuer Trainer steht fest - das passiert mit Bierofka
Löwen-Chaos geht weiter: Zwei Verwaltungsräte treten zurück
Löwen-Chaos geht weiter: Zwei Verwaltungsräte treten zurück
Ismaik: So entwickelte sich sein Verhältnis zu den Fans
Ismaik: So entwickelte sich sein Verhältnis zu den Fans

Kommentare