Ex-Trainer vor Rückkehr in die Arena

Funkel: "1860 war mir zu unsicher"

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Friedhelm Funkel.

München - Unter Friedhelm Funkel erlebten die Löwen Auf- und Abwärtstrends. Am Ende trennten sich beide Seiten. Am Sonntag kehrt Funkel in die Arena zurück.

Herr Funkel, Sie waren von September 2013 bis April 2014 Löwen-Trainer und hatten seinerzeit einen klaren Auftrag: den Aufstieg in die Bundesliga.

Friedhelm Funkel: Ich hatte den Auftrag, dass wir uns an die Spitze heranarbeiten. Das haben wir auch versucht, aber die Mannschaft und der ganze Verein waren damals noch ni cht so gefestigt, wie er es heute zu werden scheint. Es gab damals noch andere Denkweisen. So hat Geldgeber Hasan Ismaik noch eine andere Philosophie verfolgt, indem er nicht ganz so viel Geld in die Mannschaft investiert hat. Das ist seit diesem Jahr spürbar anders. Da scheint jetzt ein Umdenken stattgefunden zu haben, was absolut richtig ist. Denn wenn man dort sportlich weiter nach oben kommen will, muss man in die Mannschaft investieren.

Die Rückkehr von Friedhelm Funkel in die Allianz Arena können Sie bei uns im Live-Ticker verfolgen: 1860 München gegen Fortuna Düsseldorf.

Wie war Ihr Verhältnis zu Hasan Ismaik?

Funkel: Gleich null! Es gab keine Gespräche und keine Treffen. Ich habe die Tagesarbeit mit dem damaligen Sportdirektor Florian Hinterberger gemacht. Der ist dann aber auch beurlaubt worden. In dem Verein war damals ein großes Durcheinander.

Hasan Ismaik wird zitiert mit den Worten: „Mehr in Spieler zu investieren, war schon immer meine Idee, aber wir hatten nicht die richtigen Personen im Verein, die das umsetzen konnten.“

Funkel: Da muss ich ihm natürlich deutlich widersprechen. Der kannte mich ja gar nicht, also kann er mich ja gar nicht beurteilen (lacht). Ich hatte das ja in den Jahren zuvor schon bewiesen, dass ich eine Zweitligamannschaft sehr gut zusammenstellen kann, sonst wäre ich ja nicht fünfmal aufgestiegen. Er hat damals vielleicht noch nicht den richtigen Blick auf das gehabt, was man tun muss, um oben mitspielen zu können. Trotzdem: Ohne Ismaik wäre 1860 nicht mehr im bezahlten Fußball.

Funkel: "Mayrhofer war ein emotionaler Typ"

Wie war Ihr Verhältnis zum damaligen Präsidenten Gerhard Mayrhofer?

Funkel: (überlegt) Das war emotional, denn er war ein sehr emotionaler Typ. Er war nicht nur Präsident, sondern eben auch Fan und hat deshalb manches nicht richtig eingeschätzt. Manchmal war er mir zu gefühlsbetont. Er hat auch immer emotionale Nachrichten an mich, an Fans und an Journalisten geschrieben. Wir haben oft miteinander gesprochen. Und wenn ich dann einmal verloren hatte, war auf einmal wieder alles ganz anders (lacht). Er wollte im Eilverfahren in die Bundesliga und das ist sehr schwer zu erreichen.

Sie hatten einen Einjahresvertrag mit einer Option zur Verlängerung. Und Sie haben am Ende „nein“ gesagt.

Funkel: Im Januar 2014 hatte mir 1860 angeboten, den Vertrag um zwei Jahre zu verlängern. Aber ich wollte noch ein wenig warten, die ersten Spiele in der Rückrunde sehen. Also wenn ich nur aufs Geld geschaut hätte, hätte ich im Januar 2014 unterschrieben und gesagt, was danach kommt, ist mir egal. Das wollte ich nicht, das hatte ich auch nicht nötig. Das war mir alles zu unsicher bei 1860.

…und Sie waren offenbar auch genervt, denn Sie haben seinerzeit gesagt: „Keine zehn Pferde können mich bewegen, den Vertrag zu verlängern.“

Funkel: Nein, das war nicht genervt, sondern weitsichtig und aufgrund der Situation bei 1860 seinerzeit einfach notwendig. Ich wusste, dass ich die Mannschaft nicht zu dem frühen Zeitpunkt würde zusammenstellen können, an dem es richtig war. Wenn ich erst im Juni, Juli oder August weiß, wie viel Geld zur Verfügung steht und ich dann erst handeln kann, ist es zu spät. Wir waren nicht in Abstiegsgefahr, hätten also schon im Februar oder März für die nächste Saison planen können.

Funkel: "Möchte Zeit in München nicht missen"

Wie ordnen Sie die Zeit bei 1860 rückblickend ein?

Funkel: Ich möchte trotz allem diese Zeit in München überhaupt nicht missen, denn es war eine lehrreiche Zeit und ich fand es schade, dass ich den Weg, so wie ich ihn mir vorgestellt hatte, nicht weiter beschreiten konnte. Wir wollten es ähnlich versuchen, wie wir es heute bei Fortuna machen: Mit jungen Spielern, weil es solche gerade in der eigenen Jugend bei 1860 auch gab. Ich habe bei 1860 gelernt, dass es sehr, sehr schwierig ist, mit Dingen konfrontiert zu werden, die du schwer ändern kannst. Zum Beispiel, dass der Investor immer erst spät Entscheidungen trifft. Es gab keine kurzen Wege, um Entscheidungen zu fällen. Ismaik sitzt in Abu Dhabi. Wenn heute bei Fortuna etwas Wichtiges ansteht, gehe ich zum Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer hoch und dann wird entschieden. So war es in Frankfurt mit Heribert Bruchhagen und auch in Köln mit Andreas Rettig. Und das war in München anders. Das kannte ich vorher nicht.

1860 hätte Ihre letzte Station als Trainer sein können.

Funkel: Ja. Ich habe danach erst einmal ein bisschen Abstand gewonnen. Ich bin bis zur Sommerpause 2014 nicht mehr ins Stadion gegangen. Ich habe viel Urlaub gemacht, denn die Zeit in München war schon anstrengend, das hatte alles sehr viel Kraft gekostet. Während dieser Pause ist bei mir der Gedanke gereift: Wenn jetzt kein Verein mehr kommt, dann ist das halt so. Ich habe nicht mit den Hufen gescharrt. Ich habe angefangen, mehr Tennis zu spielen. Mittlerweile bin ich da voll dabei, das macht mir total Spaß.

Was trauen Sie dem TSV 1860 sportlich zu?

Funkel: Kurzfristig muss sich die Mannschaft stabilisieren. Ich hoffe, dass sie sich ab dem nächsten Montag stabilisiert (lacht). Trainer Kosta Runjaic wünsche ich, dass er viel Vertrauen bekommt. Das muss er haben. Vor allem der Investor muss Geduld mit dem Trainer und Sportchef Thomas Eichin haben, auch dann, wenn es sportlich mal nicht so läuft. Und er muss der Mannschaft Zeit geben, sich in den nächsten zwei, drei Jahren zu entwickeln. Dann glaube ich, dass diese Mannschaft mittelfristig wieder um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen kann.

Herbert Spies

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