Prozess nach Derby

Löwen-Fans ziehen gegen Polizei vor Gericht

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Bei der Partie des TSV 1860 München gegen den FC Ingolstadt brannten Löwen-Fans Pyrotechnik ab. 

München - Vier Fans des TSV 1860 München haben die Bundesrepublik Deutschland verklagt. Nach einem Spiel der Löwen sollen Bundespolizisten Pfefferspray in einem Zug eingesetzt haben.

Am 14. Februar 2014 war der TSV 1860 München beim FC Ingolstadt zu Gast, die Polizei hatte die Partie aufgrund einer Gruppe von etwa 100 "Problempersonen" als "Risikospiel" eingestuft und war mit entsprechender Mannesstärke präsent.

Und dennoch - die Bilanz des Spieltags liest sich in einer Auflistung der Polizei traurig: etliche Fälle von Sachbeschädigung, Vergehen gegen das Sprengstoff-Gesetz, ein Betäubungsmitteldelikt, drei Körperverletzungen, sieben versuchte gefährliche Körperverletzungen durch Pyrotechnik und drei Beleidigungen, unter anderem gegen Polizisten. 

Spiel stand kurz vor Abbruch

Schon bei der Anfahrt der Löwen-Fans war es offenbar zu Randale am Hauptbahnhof Ingolstadt gekommen. Nach Medienberichten brannten die Fans Feuerwerk ab und beschädigten beim Transport ins Stadion die Scheiben einiger Shuttlebusse. 

Auch während der Partie kam es zu Zwischenfällen mit Pyrotechnik und Knallkörpern. In der zweiten Halbzeit stand die Partie schließlich sogar kurz vor dem Abbruch. Nachdem Feuerzeuge und kleinere Schnapsflaschen auf das Spielfeld geflogen waren, erwog der Schiedsrichter, die Partie zu beenden. Nach der Spielunterbrechung unterlagen die Löwen schließlich mit 0:2. Der damalige 1860-Präsident Gerhard Mayrhofer hatte die Krawalle scharf kritisiert

1860 zum Derby in Ingolstadt - Bilder & Noten

Einsatz von Pfefferspray im Zug

Auf der Rückfahrt nach München ereignete sich dann offenbar der Zwischenfall, der nun Teil des Gerichtsverfahrens ist. Die TSV-Fans wurden auf der Rückfahrt von einigen Bundespolizisten begleitet. Nach SZ-Informationen meldeten diese telefonisch Randale und aggressive Stimmung im Zug - und forderten sogar Unterstützung an. 

Nach einer Fahrgast-Kontrolle soll die Situation schließlich eskaliert sein. Laut Süddeutscher Zeitung griffen mehrere Fahrgäste die Polizeibeamten an, welche daraufhin mit dem Einsatz von Pfefferspray reagierten. Jener Pfefferspray-Einsatz ist nun Bestandteil der Vorwürfe gegenüber der Bundespolizei.

"Es ist mit Ansage passiert"

Nach dem Bericht der Süddeutschen Zeitung haben vier Löwen-Fans Mitte Februar schließlich Strafanzeige gegen die Polizisten gestellt. Da bei dem Einsatz nur Bundespolizisten und keine Landespolizisten beteiligt waren, wurde die Anzeige an die Bundespolizeidirektion München weitergeleitet. Die 7. Kammer des Verwaltungsgerichtes hörte schließlich ab Mittwoch mehrere Zeugen zu dem Fall an - der Prozess soll demnächst fortgesetzt werden.

Zur Verhandlung und Zeugenbefragung waren laut SZ lediglich zwei der vier Kläger erschienen. Nach Aussage der beiden Fans seien die Leute im Zug ruhig gewesen. Sie sahen die Schuld an der Eskalation eher auf Seiten der Beamten: "Die haben provoziert - es ist mit Ansage passiert."

Schläge mit Polizeistöcken und Augenverletzungen

Die Beamten hätten, nachdem die Situation aufgrund eines rauchenden Fans, der abgeführt wurde, eskaliert sei, wahllos Pfefferspray in die Gänge gesprüht. Die beiden klagenden Fans hätten neben Hämatomen durch Schlagstöcke der Polizei auch Augen- und Atemwegsverletzungen durch das Pfefferspray erlitten. Schon im Februar 2014 hatte ein Löwen-Fan das Verhalten der Polizisten exklusiv bei tz.de angeprangert.

Die vorsitzende Richterin verwies jedoch auf Videos aus dem Zug, die, entgegen der Aussagen der beiden Löwen-Anhänger, ein anderes, keinesfalls friedliches Bild der Fans vor dem Zwischenfall zeigten. Auch einige Bundespolizisten, die als Zeugen geladen waren, berichteten von aggressivem Verhalten. Der Prozess wird noch weiter andauern.

Für den TSV 1860 München hatte das Skandal-Spiel außerdem eine finanzielle Strafe nach sich gezogen.

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sdm

  

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