Neuer Sportchef lädt in sein Büro

Eichin im tz-Interview: "Sind in der Lage, noch was zu machen"

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Willkommen in seinem neuen Zuhause: Sechzig-Sportchef Thomas Eichin lädt in sein Büro an der Grünwalder Straße.

München - Seit dieser Woche ist Thomas Eichin offiziell für die Löwen im Einsatz. Der neue Sportchef äußert sich im Interview zu den jüngsten Entwicklungen und den Saisonzielen.

Um sechs Uhr früh vom Ismaik-Besuch am persischen Golf eingeschwebt, kurzes "Frühstück" an der Tankstelle beim Trainingsgelände - nun sitzt 1860-Geschäftsführer Thomas Eichin (49) in seinem neuen Büro im dritten Stock der Geschäftsstelle. Die Klimaanlage surrt leise, das tz-Interview kann beginnen.

Und, wie war's in Abu Dhabi?

Eichin: Heiß! (lacht) 47 Grad! Ich bin von Dienstag auf Mittwoch durch die Nacht geflogen, um dann den ganzen Tag Zeit zu haben, auch zurück ging's jetzt in der Nacht. Und zum Glück waren wir die meiste Zeit in gekühlten Räumen. Wenn du mal rausgehst, ist dass schon Wahnsinn. Ich kann gut verstehen, dass da der eine oder andere protestiert, was die WM 2022 in Katar angeht.

Welche Ergebnisse haben Sie für 1860 mitgebracht?

Eichin: Es ging jetzt nicht darum, Geld für weitere Transfers locker zu machen, falls Sie das meinen. Es war einfach wichtig, dass man sich auch mal persönlich kennenlernt, Face to Face. Wir haben über Sechzig gesprochen, was wir vorhaben, wie wir den Klub besser machen wollen.

Welche Fehler nicht mehr gemacht werden sollen…

Eichin: Vergangenheit ist Vergangenheit. Wir blicken nicht mehr zurück. Wir gehen unseren Weg. Hasan Ismaik investiert in das ganze Produkt - mit Sinn und Verstand. Es gibt viele Dinge, die wir anpacken müssen, nicht nur die Mannschaft. Ganz wichtig ist es, das Nachwuchsleistungszentrum auf einem guten Stand zu halten. Die Konkurrenz schläft nicht.

Bitte lächeln! Die Löwen beim Fotoshooting

Welchen sportlichen Anspruch hat Ismaik für diese Saison?

Eichin: Dass wir das Bestmögliche herausholen.

Ist das Wort "Aufstieg" tabu?

Eichin: Das ist in dieser Saison nicht die Vorgabe. Aber jeder, der bei 1860 arbeitet, muss den Wunsch und das Ziel haben, irgendwann mal wieder erstklassig zu sein.

Und Sie sollen wie in Bremen dafür sorgen, dass ein Mehrwert generiert wird, dass Ismaik endlich auch mal Geld herausbekommt.

Eichin: Natürlich. Er ist Geschäftsmann. Aber das ist nicht alles. Hasan Ismaik wünscht sich Erfolg für die Löwen - er ist leidenschaftlicher Sechzig-Fan, unser Fußball soll ihm Freude machen.

Wie kam es eigentlich genau, dass Sie den Job bei 1860 übernommen haben?

Eichin: Der Kontakt ist im Juli entstanden. Ich war beeindruckt von den Ideen und Plänen, die mir vorgestellt wurden. Zu dem Zeitpunkt war mein Gedanke eigentlich ein anderer: Ich wollte erst mal eine Zeit lang nichts machen, weil Bremen doch noch sehr präsent war. Ich hab dann aber schnell gemerkt, dass ich gerne dabei sein will bei dem Projekt, dass ich mich in einem halben Jahr wahrscheinlich ärgern werde, wenn ich absage. Meine Bedingung war, dass ich im Juli ehrenamtlich aus dem Hintergrund arbeiten kann und erst ab August präsent bin. Das wurde akzeptiert - damit war alles klar.

Was gab Ihnen die Sicherheit, dass die Versprechen auch eingehalten werden?

Eichin: Es deutete nichts daraufhin, dass sie nicht eingelöst werden. Und man sieht ja jetzt, wie ernst es Hasan Ismaik mit 1860 meint.

Wie groß war das Misstrauen bei Beratern und Spielern?

Eichin im Gespräch mit tz-Redakteur Ludwig Krammer (l.).

Eichin: Ich musste schon Überzeugungsarbeit leisten, es war ein gewisses Misstrauen spürbar in die Richtung: Ja, ja, mal abwarten, ob da wirklich was nach vorne geht bei 1860. Aber mit jedem Transfer, den wir realisiert haben, wurde es einfacher und als dann noch Ivica Olic dazukam, haben sich plötzlich Spieler gemeldet, die vorher noch gezögert haben. Trotzdem will ich nur Leute haben, die wirklich wollen. Ich habe auch zwei, drei Spielern abgesagt, die zu lange gewartet haben.

Welche Bedeutung hat der Transfer Aigner für 1860?

Eichin: Wir wollten unbedingt noch einen Spieler haben, bei dem du sagst: Wow (schnippt mit den Fingern), der geht zu Sechzig! Aigner ist ein Top-Bundesligaspieler. Und mit seiner Löwen-Vita passt das natürlich perfekt.

Wie ist der Stand in Sachen Abgänge und einem möglichen Zugang in der Innenverteidigung?

Eichin: Es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, was sinnvoll ist, wo wir vielleicht auch noch Bedarf haben. Wenn es so ist, dann sind wir auch in der Lage, was zu machen. Ich bin vorbereitet auf den Tag X.

Wie wird Ihre Arbeit nach dem 31. August aussehen?

Eichin: Nach der Transferperiode geht's um Vertragsverlängerungen, die Organisation des Scoutings, den Nachwuchsbereich. Und Ende September schauen wir dann schon wieder, was man für den Winter machen muss, wo Schwachstellen auftreten können. Arbeit ist genug da.

Wie ist die Arbeitsaufteilung zwischen Raed Gerges und Ihnen?

Eichin: Wir sind beide zeichnungsberechtigte Geschäftsführer, ich kümmere mich in erster Linie um den Sport, er um das Kaufmännische. Es ist wichtig, dass keiner alleine wurschteln kann.

Bisher war Sechzig auch ein Synonym für Chaos…

Eichin: Ein bisschen sympathisches Chaos gehört dazu. Man darf den Verein nicht zu sehr strukturieren. Aber ein geordnetes Chaos wäre schon schön (lächelt).

Haben Sie Vorbilder im Job?

Eichin: Ich bewundere Personen, die ihrer Linie treu bleiben und sich nicht medial verbiegen lassen. Man muss auch Dinge vertreten, die nicht jedem gefallen.

Wann ziehen Sie vom Hotel in Ihre eigenen vier Wände?

Eichin: Ich suche nach einem Haus mit Garten. Das ist ganz wichtig für Peet und Jazz, unsere Hunde.

Ergänzen Sie zum ­Abschluss noch ein paar Sätze?

Eichin: Gerne.

Wer mich für eitel hält, der…

Eichin: …hat manchmal total recht. Ich achte darauf, dass ich keine Plautze bekomme und gepflegt herumlaufe. Aber mir ist es schnurz, ob ich graue Haare kriege.

Schnappatmung bekomme ich…

Eichin: …wenn Spieler mir nach dem Spiel sagen, hätten wir doch ein bisschen mehr getan.

Als Manager bin ich…

Eichin: …einer, der den Verein verteidigt. Ich fühle mich wohler, wenn die Kanonen donnern. Den großen Zampano machen nach einem 5:0, das ist nicht meine Art.

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