Brasilianer über Brasilianer

Elber: Darum wird Sechzig viel Freude an Ribamar haben

München - Er ist der neue Hoffnungsträger bei den Löwen: Ribamar. Die tz sprach mit Giovane Elber über den Brasilianer. Der Ex-Kicker gratuliert 1860 zum Stürmer und appelliert ans Verantwortungsbewusstsein.

Seit Dienstag ist er in in München, möglichwerweise wird er am Donnerstag um 17 Uhr das erste Mal bei 1860 mittrainieren. Die Rede ist von Lucas Ribamar Lopes dos Santos Bibiano, geboren am 21. Mai 1997 in Rio de Janeiro, und mit gerade mal 19 Jahren der neueste Hoffnungsträger im Angriff der Löwen.

Kolportierte zweieinhalb Millionen Euro soll Botafogo Rio de Janeiro als Ablöse für Ribamar aufgerufen haben. Eine stolze Summe für 1860-Verhältnisse. Aber im heutigen Fußball-Business eine überschaubare Größenordnung, zumal es sich beim 1,84 großen Mittelstürmer um eine Aktie mit erheblicher Kursfantasie handeln soll. „Ribamar ist ein Rohdiamant“, sagt Giovane Elber im Gespräch mit der tz. Der mittlerweile 43-jährige Brasilianer, Ex-Torjäger und Talentspäher des FC Bayern, ist guter Dinge: „Sechzig wird an Ribamar noch viel Freude haben.“

Was den Mittelstürmer auszeichnet? Elber imponiert der „Mix aus Schnelligkeit, Robustheit und Technik“. Bei der Campeonato Carioca im April/Mai, der traditionsreichen Klub-Meisterschaft des Bundesstaates Rio, habe Ribamar „einen sehr guten Eindruck hinterlassen“. Trotzdem dürfe man nicht vergessen, dass er erst seine erste Profisaison spiele (14 Einsätze, ein Tor) und „noch lange kein fertiger Spieler“ sei. Das ist auch der Grund, warum Elber keine Vergleiche zu anderen Stürmern anstellen will. „Es wäre unverantwortlich dem Jungen gegenüber, ihn jetzt mit großen Namen und Erwartungen zu belasten. Das wird in München zwar nicht ausbleiben, aber ich kann nur an die Vernunft der Leute appellieren: Jeder sollte sich mal selbst in die Situation versetzen, mit 19 Jahren zum ersten Mal in ein fremdes Land zu kommen und dort mit einer anderen Mentalität und einer anderen Art des Fußballs konfrontiert zu werden. 1860 und auch die Löwen-Fans haben eine große Verantwortung für den Jungen.“

Dass mit Abwehrmann Rodnei bereits ein erfahrener und bestens integrierter Brasilianer im Kader der Sechziger steht, ist für Elber an Wichtigkeit gar nicht zu überschätzen. „Rodnei kann für Ribamar eine Art großer Bruder sein. Er wird ihm helfen, sich in der Stadt und in der Mannschaft zurechtzufinden. Das Heimweh ist bei der ersten Station im Ausland schon ein wichtiger Faktor. Zum Glück gibt es in München auch eine große brasilianische Gemeinde.“

Bilder: Die Trainer des TSV 1860 seit 1992

Vom technischen Fortschritt der Kommunikationsmittel ganz abgesehen. Als Elber 1990 mit 18 Jahren beim AC Mailand anheuerte, war die Lage ungleich schwieriger. „Damals gab es kein Internet, keine Handys, wenn überhaupt einen Festnetzanschluss“, erinnert er sich. „Ich habe Tag und Nacht geweint, weil ich meine Familie vermisst habe.“ Mehrmals wollte Elber die Brocken hinschmeißen und zurückkehren. Die Hartnäckigkeit seiner Mutter ließ ihn durchhalten. Am Ende blieb er 15 Jahre lang in Europa. In solchen Dimensionen wird Ribamar wahrscheinlich noch nicht denken.

Rubriklistenbild: © dpa/imago

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