Der Groll weicht ersten Freundlichkeiten bei 1860

Runjaic: "Werde jeden Spieler anschauen und bewerten"

München - Der neue Trainer Kosta Runjaic freut sich über den Empfang der 300 Löwen-Fans beim Trainingsauftakt. Er will sich jeden Spieler ansehen - doch es gibt Ausnahmen.

Die Maler hatten ganze Arbeit geleistet. Nichts mehr war zu sehen von den Schmierereien, die am Freitag noch für einigen Wirbel gesorgt hatten beim TSV 1860. Die auf die Wände der Geschäftsstelle gesprayten Ismaik- und präsidiumsfeindlichen Schmähungen waren fein säuberlich mit weißer Farbe übertüncht worden, und auch sonst schienen sich die jüngsten Aufregungen um den überraschenden Rauswurf von Sportchef Oliver Kreuzer so ziemlich verflüchtigt zu haben. Als Trainer Kosta Runjaic am Samstag mit seinen Mannen auf den Trainingsplatz marschierte, regte sich unter den rund 300 Fans jedenfalls freundlicher Applaus. Der Coach empfand die Begrüßung als „sehr herzlich“, auch wenn er leicht einschränkte: „Man hätte den Empfang vielleicht noch ein bisschen euphorischer gestalten können.“

"Natürlich schauen wir uns nach Spielern um"

Die erhoffte Euphorie allerdings dürfte wohl frühestens erst dann erwachen, wenn die versprochenen Verstärkungen präsentiert werden. Präsident Peter Cassalette wirbt hier für Geduld: „Es ist nur eine Frage der Zeit, wir sind mit einigen schon sehr weit.“ Runjaic meinte: „Natürlich schauen wir uns nach Spielern um, die unsere Qualität verbessern.“ Ansonsten hielt er sich in dieser Sache bedeckt: „Im Hintergrund werden viele Gespräche geführt. Und sie werden so geführt, dass davon möglichst wenig in der Presse steht.“

Der neue Chef auf dem Trainingsgelände des TSV 1860: Kosta Runjaic.

Herumgesprochen hat sich aber, dass sich Runjaic schon seit einiger Zeit eifrig um einen neuen Innenverteidiger bemüht. Und das aus gutem Grund. Denn Christopher Schindler (26), der beim Trainingsstart bereits fehlte, zieht es zum englischen Zweitligisten Huddersfield. Offen ist anscheinend nur noch die Ablösesumme. Sie soll zwischen 1,5 und 2,0 Millionen Euro betragen. „Schindler wird uns verlassen, das ist beschlossene Sache“, bestätigte Runjaic: „Es ist ja kein Geheimnis, dass er ein Angebot hat und auch die Möglichkeit, aus seinem Vertrag herauszukommen.“ Wobei der Coach durchblicken ließ, dass er den Kapitän gerne gehalten hätte: „Schindler hat noch Leistungsreserven, er ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung.“

Keine Pläne mit Rama

Sich ebenfalls verabschieden wird Valdet Rama. „Ich plane nicht mit ihm“, sagte Runjaic. Dem dribbelstarken, aber verletzungsanfälligen Albaner, der zwei Jahre lang für die Löwen stürmte, liegt offenbar ein Angebot aus der Schweiz vor.

Noch offen ist die Zukunft von Daniel Adlung. Mit dem 28-jährigen Mittelfeldspieler hat sich der Trainer bereits eingehend unterhalten. Eine Entscheidung über eine etwaige Vertragsverlängerung ist noch nicht gefallen, auch wenn Runjaic grundsätzlich anmerkte: „Ich schätze ihn.“

Von dem zuletzt an Valladolid ausgeliehenen Spanier Rodri kann das nicht behauptet werden. Der Angreifer ist zwar noch vertraglich an die Löwen gebunden, Rodris eher unrühmliches Münchner Gastspiel in der Saison 2014/15 ist aber auch dem neuen Trainer zu Ohren gekommen: „Es sind Sachen vorgefallen, die nicht gut für das Team waren. Ich werde mit diesem Spieler nicht zusammenarbeiten.“

Bilder: Sommerlicher Trainingsauftakt bei den Löwen

Eine Bewährungschance für jeden Profi

Ansonsten aber ist Runjaic gewillt, jedem Profi, der bei 1860 unter Vertrag steht, eine Bewährungschance zu geben. Das gelte auch – so der Coach – für Ilie Sanchez (zuletzt FC Elche), der nächste Woche nach München zurückkehrt. „Es ist fair, dass sich jeder zeigen kann. Ich werde jeden Spieler anschauen und ihn bewerten“, meinte Runjaic.

Ein erster kleiner Härtetest waren die Übungseinheiten am Samstag. Im Einsatz waren 16 Feldspieler und vier Torhüter. Abgemeldet hatten sich Sascha Mölders mit Magen-Darm-Grippe und Daylon Claasen, der nach einer Knieoperation noch nicht fit ist. Bei über 30 Grad im Schatten wurde zwei Stunden lang sichtlich intensiv gerackert. „Unser Training ist sehr anspruchsvoll. Es belastet nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf“, sagte Runjaic: „Wir versuchen, aus jedem Spieler das Maximale herauszuholen.“ Der erste Eindruck: „Wir sind sehr zufrieden.“

Rubriklistenbild: © dpa

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