Der 1860-Präsident spricht offen über Ismaik

Cassalette im Interview: "Das mag der Hasan gar nicht"

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„Ich bin fast mit Hasan befreundet“: 1860-Präsident Peter Cassalette über sein Verhältnis zu Investor Ismaik.

München - 1860-München-Präsident Cassalette im Interview mit dem Münchner Merkur über sein inniges Verhältnis zu Investor Hasan Ismaik.

Man sieht sie leidend nebeneinander auf der Tribüne sitzen, lachend über das Trainingsgelände laufen – „und am Abend waren wir ganz entspannt Pizza essen“. Die Schnappschüsse des zurückliegenden Wochenendes täuschen offenbar nicht: Zwischen 1860-Präsident Peter Cassalette, 62, und Investor Hasan Ismaik, 39, scheint eine Art Freundschaft entstanden zu sein. „Momentan ist es völlig stressfrei mit Hasan“, berichtet Vereinsoberhaupt Cassalette im Interview.

Herr Cassalette, erzählen Sie doch mal: Wie war Ihr Wochenende mit Hasan Ismaik? Die Fotos sahen ja recht harmonisch aus.

Peter Cassalette: Es gibt auch gar keinen Grund, warum das anders aussehen sollte. Seit ich hier bin, war es mit Hasan immer harmonisch – von den ersten zwei, drei Monaten vielleicht mal abgesehen. Wir zwei verstehen uns supergut und haben das auch auf das Umfeld übertragen. Termine mit ihm sind inzwischen völlig stressfrei. Er kommt her, und wir haben keine Krisengespräche, keine unangenehmen Themen. Wir wollen aktuell auch nichts von ihm.

Weil der Verein im Sommer bereits viel bekommen hat?

Cassalette: Was wir wollten, haben wir bekommen: Die Trainingsplätze werden gemacht, die Spieler, die auf unserer Liste standen, haben wir gekriegt. Alles optimal. Es könnte nicht besser sein. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass ich mit Hasan fast befreundet bin. Samstagabend haben wir uns mehr oder weniger auf privater Basis getroffen. Da waren wir ganz entspannt Pizza essen.

Einfach so?

Cassalette: Einfach so. Hasan braucht kein Dreisterne-Restaurant, der geht auch in einen ganz normalen Pizzaladen und zieht sich eine ganz normale Pizza rein. Wir waren irgendwo am Lenbachplatz, da war ein Tisch frei – und keiner hat von uns Notiz genommen. Wir reden dann auch über Dinge, die nichts mit Fußball oder 1860 zu tun haben. Wie ganz normale Menschen.

Wie haben Sie es geschafft, das Verhältnis so stabil hinzukriegen? Mehrere Amtsvorgänger lagen ja im offenen Clinch mit ihm und sind irgendwann zermürbt gegangen – oder gegangen worden.

Cassalette: Ich weiß ja nicht, was da in der Vergangenheit alles gelaufen ist. Ich kann nur sagen: Ich finde den Hasan auch als Menschen sehr sympathisch und zugänglich. Wir haben auch gemeinsame Interessen, über die wir gerne reden ...

Zum Beispiel?

Cassalette: Hasan ist sehr interessiert an deutscher Geschichte. Auch an Tieren. Ich selber bin ja ein totaler Hundefan, das findet er toll. Mir gefallen dafür seine Löwen. Er hat ja in Kenia eine Löwen-Farm, wo vor kurzem drei Junge zur Welt gekommen sind. Da zeigt er mir Fotos von den Löwen-Babys und sagt, eines davon wird er Peter nennen. Ob er das dann wirklich macht, weiß ich nicht, aber wir verstehen uns einfach gut. Ich muss mich auch gar nicht zwingen dazu. Es wird auch immer intensiver.

„Eins mag der Hasan gar nicht: Wenn nicht gekämpft wird ...“

Tatsächlich?

Cassalette: Ja. Wir haben einfach viel Spaß miteinander. Letzte Nacht hat er mir um halb vier geschrieben, dass er aus London zurückgekommen ist, da war er für ein paar Stunden. Es ist einfach so: Man lässt den anderen teilhaben an Sachen, die auch mal nichts mit 1860 zu tun haben. Das ist eine wichtige Basis. Aber über allem steht natürlich der sportliche Erfolg. Stünden wir jetzt auf einem Abstiegsplatz, wäre es vielleicht anders. Dann wäre der Druck viel höher, vielleicht wäre dann auch die Harmonie nicht mehr so da, wie das momentan der Fall ist.

Wie war es denn, als er am Freitag verspätet in der Arena eingetroffen ist und die Mannschaft mit 1:2 hinten lag. War er da wirklich so entspannt?

Cassalette: Ja, wirklich. Wenn wir gewonnen hätten, wären wir nicht ausgeflippt – und genauso wenig drehen wir durch, wenn wir mal ein Spiel verlieren. Eins mag der Hasan gar nicht, das hab ich schon festgestellt: Das ist, wenn er sieht, dass die nicht kämpfen. Aber es wurde ja gekämpft. Bis zum Schluss waren wir dran, haben die ganze zweite Halbzeit dominiert. Es hat nur das letzte Quäntchen Glück gefehlt. So weit kennt er sich schon im Fußball aus, dass er das merkt.

Würde die neue Harmonie wohl auch weitere Niederlagen überdauern?

Cassalette: Mal angenommen, wir würden am Donnerstag in St. Pauli wieder verlieren – ich glaube, selbst dann würde keiner depressiv werden. Wir werden ganz ruhig bleiben. Wir haben uns vorgenommen, dass wir nicht gegen den Abstieg spielen – und das werden wir auch nicht. Wir haben eine gute Mannschaft, ein gutes Umfeld, und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Da hab ich hier schon andere Zeiten erlebt – mit Abstiegsangst, drohenden DFL-Strafen und anderen Horrorszenarien.

Stimmt es eigentlich, dass sich Ismaik ein Haus in München kaufen will?

Cassalette: Er sucht auf jeden Fall was, da verrate ich kein Geheimnis. Für mich bedeutet das, dass er sich immer mehr mit dem Thema München beschäftigt. Es gefällt ihm hier, das Klima, das Umland. Es kann schon sein, dass er hier einen Zweit-, Dritt- oder Viertwohnsitz haben wird.

Stichwort Immobilie. Beim Treffen mit Fans am Samstag soll er erklärt haben,dass der Standort Riem für das von ihm geplante Stadion zu klein ist. Was bedeutet das genau?

Cassalette: Er hat das so gesagt, aber ich bin da nicht auf dem letzten Stand. Wir warten jetzt auf eine Nachricht von der Stadt, die kennt unsere Einschätzung. Mal schauen, wie sich das weiterentwickelt.

Es klingt so, als würden zum Glück der beiden Gesellschafter nur noch ein paar Punkte fehlen ...

Cassalette: Kann man so sagen. Die beiden Spiele in der Englischen Woche würden wir gerne gewinnen, das ist klar. Das letzte Spiel in St. Pauli haben wir ja 2:0 gewonnen, und so ein Abendspiel am Millerntor ist immer reizvoll. Eigentlich wollte ich am Donnerstag nicht nach St. Pauli, weil ich eine Wiesn-Einladung habe. Es kann jetzt aber sein, dass Hasan bis Donnerstag hier bleibt. Dann sage ich die Wiesn ab und fliege mit ihm zusammen nach Hamburg.

„Kann sein, dass ich die Wiesn absage und mit Hasan nach St. Pauli fliege.“

Mit seinem Privatjet?

Cassalette: Mit seinem Ding halt. Bisher bin ich noch nicht mit ihm geflogen. Am Sonntag hätte ich die Chance gehabt – da hat er mich gefragt, ob ich ihn nach London begleite, aber das wurde dann zu spät alles. Es läuft ja nicht davon. Der Hasan bleibt uns ja erhalten.

Das Gespräch führte Uli Kellner

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