Ismaik als Investor, Fan und Seelsorger für 1860

Runjaic: Es lag nicht an Aufstellung, System oder Willen

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Gut gelaunter Schirmherr: Hasan Ismaik (samt Entourage) wird von Peter Cassalette übers Vereinsgelände geführt.

München - Ismaik vertreibt den Trübsinn beim TSV 1860 München, und auch Mölders beteuert: „Die Niederlage wirft uns nicht um“.

Am Tag danach waren die Mundwinkel wieder oben – dem prominenten Gast sei Dank. Hasan Ismaik, der einst zu Jähzorn neigende Löwen-Investor, hatte unmittelbar nach der 1:2-Pleite gegen Union Berlin damit angefangen, als Gutelaunebär auf enttäuschte Spieler, Fans und Führungskräfte einzuwirken. „Er war ganz entspannt, nicht unzufrieden“, berichtete Trainer Kosta Runjaic, der wie der aus London eingeflogene Geschäftsmann schnell seine innere Mitte wiederfunden hatte: „Das Ergebnis hat keinem geschmeckt, aber er hat ja gesehen, dass unser Team bis zum Ende gefightet hat. Daher: Nicht nur Hasan, auch der Trainer ist entspannt.“

In dieser aufgeräumten Stimmung fand ab Freitagnacht ein wahrer Terminmarathon mit dem wie ausgewechselt wirkenden Investor statt. Los ging’s noch in der Arena, wo Ismaik die Profis des TSV 1860 München mit aufmunternden Worten bedachte. Tags darauf verlagerte sich das Geschehen an die Grünwalder Straße, wo dank Ismaiks Millionen gerade ein modernes Trainingszentrum angelegt wird. Ismaik war übrigens der Einzige, der beim Rundgang über die Großbaustelle keinen Regenschirm benutzte. Später dann, beim Geschäftsstellen-Meeting mit handverlesenen Fans, bestätigte der Unerschütterliche aus Abu Dhabi, dass er weiterhin nicht gewillt ist, in kleinen Dimensionen zu denken. Bezüglich des Stadionprojekts teilte er mit, dass der ausgewählte Standort Riem zu klein sein könnte. Mit der Messe soll über ein zusätzliches Grundstück verhandelt werden. Die Aufstiegsfeierlichkeiten sind bekanntlich bis 2018, spätestens aber 2019 vorgesehen.

Runjaic, der den Verein bis dahin zu neuer Blüte führen soll, zog trotz des Rückschlags gegen Berlin eine positives Zwischenbilanz. „Die erste Stufe haben wir ganz gut gemeistert“, sagte er: „Wir haben Ruhe reingekriegt, Trainerteam und Führungsebene sind professionell aufgestellt. Der Verein hat großes Potenzial. Jetzt müssen wir hart arbeiten. Wir haben Ziele. Ich denke, das ist legitim. “

TSV 1860 München: Auftritt gegen Union für Runjaic kein Rückschritt

Garantien, dass die Saat wie vorgesehen aufgeht, gebe es zwar nicht, doch der Auftritt gegen Union war für Runjaic kein Rückschritt, sondern die Bestätigung dessen, was sich bereits während der Miniserie von vier Spielen ohne Niederlage angedeutet hatte. Mit Wille, Eifer und Esprit seines Teams ist er zufrieden. Und was am Freitag einem Sieg im Wege stand, schiebt er höheren Mächten zu, wie das bereits Stürmer Sascha Mölders formulierte („So grausam kann Fußball sein“) – aber auch individuellem Versagen vor den Gegentoren.

Fanol Perdedaj und Milos Degenek dürfen sich angesprochen fühlen, aber „kein Vorwurf. Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen.“ Gut gefallen hat dem Trainer dagegen, dass der Wille, sich gegen Widrigkeiten zu stemmen, sichtbar gewesen sei – zumindest nach einer kurzen Schockstarre: „Wenn du in den ersten fünf Minuten ein Gegentor bekommst, dann ist es doch normal, dass du nicht ab der sechsten Minute ein Powerplay abziehst. Ich finde trotzdem, dass wir relativ unbeeindruckt weitergespielt haben.“ An die Presse gerichtet, sagte er: „Ich weiß nicht, wann Sie in den letzten Jahren mal so eine dominante Mannschaft gesehen haben.“ Seitenblicke an die Säbener Straße sind bei 1860 bekanntlich tabu.

Als Fazit hielt Runjaic fest: „Es lag nicht an der Aufstellung, es lag nicht am System, es lag nicht am Willen, sondern es sollte einfach nicht sein.“ Mölders vertritt die Ansicht: „Das wirft uns nicht um.“ Schon am Donnerstag in St. Pauli und am Sonntag gegen Hannover geht es weiter.

Ismaik wird dann wieder abgereist sein, doch Runjaic ist überzeugt, dass sein guter Geist auch aus der Ferne helfen kann: „Er ist ja nicht nur ein Investor, sondern auch ein Fan des Vereins.“ Und neuerdings auch Seelsorger.

Hasan Ismaik besucht das Trainingsgelände der Löwen

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