Neuer Löwen-Stürmer spricht über Ziele

Olic im tz-Interview: "Das war ein geiles Gefühl"

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Bereits ein echter Löwe: Ivica Olic gibt für seinen neuen Verein alles.

München - Schon in seinen ersten Tagen bei den Löwen ist Ivica Olic zum Fanliebling avanciert. Der Stürmer verrät, warum er noch immer so fit ist und wie es zu seiner Rückennummer kam.

Unkompliziert, offen, verbindlich - mit Ivica Olic (36) hat sich der TSV 1860 nicht nur einen gewieften Stürmer an Bord geholt, sondern auch eine Führungsfigur, wie es sie lange nicht mehr gegeben hat bei den Löwen. Das tz-Interview über Ehrgeiz, Fitness und ein mögliches Pokalderby gegen den FC Bayern.

Herr Olic, wir haben gehört, dass Sie Ihre Frau Nathalie und die drei Kinder Antonio, Luka und Lara demnächst aus Hamburg nach München holen werden. Wann ist es soweit?

Olic (l.) im Interview mit tz-Redakteur Ludwig Krammer.

Olic: Da haben Sie richtig gehört (schmunzelt). Ich hoffe, dass bisEnde September alles erledigt ist. Es gibt hier zwei internationale Schulen, die infrage kommen: die BIS in Haimhausen und die MIS in Starnberg. Je nachdem, für welche Schule die Entscheidung fällt, werden wir dann auch eine Wohnung aussuchen. Unser Haus (in Riemerling bei Hohenbrunn) ist ja seit Jahren gut vermietet.

Die Löwen-Familie hat Sie herzlich in Empfang genommen, ihre Vergangenheit beim FC Bayern ist kein Thema. Was haben Sie von den Fans der Roten bislang zu hören bekommen?

Olic: Ich habe in den drei Wochen schon einige Bayern-Fans getroffen, und da war keiner dabei, der irgendwas Negatives gesagt hätte. Sie haben mir alles Gute gewünscht und viele Tore - auch wenn ich jetzt für Sechzig spiele.

Wie erklären Sie sich ihre Beliebtheit?

Olic: Die Leute wissen, dass ich für jeden Verein immer alles gegeben habe, ob bei Dinamo Zagreb, ZSKA Moskau, beim HSV, Bayern oder in Wolfsburg. Ich kann jedem in die Augen schauen. Mit Ehrlichkeit und harter Arbeit kommst du am weitesten.

Wie weit kann's mit Sechzig gehen?

Olic: Erstmal geht es darum, ein Fundament zu schaffen, Sicherheit und Selbstvertrauen reinzubekommen. Im Winter kann man dann vielleicht den nächsten Schritt machen.

Zweimal in Folge 90 Minuten haben Sie lange nicht mehr spielen dürfen.

Olic: Ja, und das ist so ein geiles Gefühl! Nach dem 1:0-Sieg gegen Bielefeld war ich todmüde aber total glücklich. Ich hatte eigentlich erwartet, dass ich irgendwann einen Krampf kriege, aber …nichts! Das Training hier mit Kosta (Runjaic) und Zvonko (Komes, Fitnesstrainer), den ich noch von der Nationalmannschaft kenne, ist wirklich optimal.

Sie werden am 14. September 37. Haben Sie ein spezielles Fitness-Rezept?

Olic: Harte Arbeit und Disziplin. Seit ich 22 bin, mache ich zusätzlich zum Mannschaftstraining Zusatzeinheiten mit einem Privattrainer. Früher habe ich wie ein Verrückter Abschlüsse trainiert und meinen schwächeren rechten Fuß. Jetzt im Winter meiner Karriere (lächelt) geht es darum, dass ich gesund bleibe und meine Spritzigkeit nicht verliere.

Müssen Sie sich beim Essen arg zusammenreißen?

Olic: Das war eine der ersten Fragen, die mir die jungen Spieler hier gestellt haben. Die haben wohl gedacht, ich würde mit einem Bäuchlein ankommen.

Und? Was essen Sie?

Olic: Bis 31, 32 konnte ich essen, was und wieviel ich wollte. Dann habe ich plötzlich gemerkt: Oh, ein Kilo hier, ein Kilo dort - das ist was Neues! Also habe ich das Abendbrot reduziert, manchmal nur Obst oder Salat gegessen. Das funktioniert.

Auch wenn die Kinder mit am Tisch sitzen?

Olic (M.) in Aktion.

Olic: Ich habe nicht gesagt, dass es leicht ist! Vor allem, wenn's Dessert gibt, oh mein Gott… Meine Frau hat mich am Anfang oft gefragt: Ivi, wie kannst du hungrig schlafen? Da habe ich gesagt: Ich freu mich aufs Frühstück, das hilft.

Wiegen Sie heute mehr als zu Ihrer Glanzzeit bei Bayern?

Olic: Nein, ich habe es geschafft, mein Gewicht zu halten. 86 Kilo, da fühle ich mich am besten.

86 Kilo?

Olic: Ja, viele erwarten das nicht bei meiner Größe (1,82 Meter, Anm. d. Red.). Aber ich habe schwere Knochen und viele Muskeln (lacht).

Wie lange werden diese Muskeln den Fußballprofi Ivica Olic noch antreiben?

Olic: Keine Ahnung. Mein Sohn Luka hat gesagt: Papa, nimm die Rückennummer 40 so lange kannst du noch spielen. Ich schaue von Jahr zu Jahr.

Ihre Position in der Sturmzentrale haben Sie vor dem Bielefeld-Spiel über die Zeitung eingefordert. Auch eine Frage des Alters?

Olic: Nein! Ich war darüber auch nicht so glücklich. Ich habe nur gesagt, dass ich mich in der Mitte freier fühle. Nicht, dass ich außen nicht spielen will. Öffentlich irgendwas zu fordern, das ist nicht meine Art.

Wie fanden Sie die Leistung gegen Bielefeld?

Olic: Wir wollten Fußball spielen, aktiv sein. Bis 30 Meter vor dem Tor war das schon ordentlich. Es dauert halt noch, bis sich alles einschleift. Ich finde: Wenn man was erreichen will in der Zweiten Liga, dann muss man auch Fußball spielen.

Wie gehen Sie den Pokal an? Die letzten sechs Partien gegen den KSC hat 1860 allesamt verloren.

Olic: Jede Serie hat ein Ende. Als Zweitligist müssen wir Runde für Runde denken.

Wünschen Sie sich ein Derby in der Arena?

Olic: Nein, nicht in der Arena. Lieber in Berlin!

Interview: Ludwig Krammer

Training nicht öffentlich

Das Abschlusstraining vor dem DFB-Pokal-Spiel gegen den Karlsruher SC (Sa, 18.30 Uhr, Arena) findet am Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In der Liga gab's für die Löwen gegen die Badener in den jüngsten sechs Partien nichts zu holen (Torverhältnis 4:14), im Pokal ist es das erste Aufeinandertreffen zwischen 1860 und Karlsruhe überhaupt.

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