Transfersommer

Kommentar zu 1860-Luxuskader: Enorme Chancen, viel Risiko

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Neuzugänge beim TSV 1860 München: Ivica Olic (links) und Ribamar.

München -  Die Transfers des TSV 1860 München eröffnen enorme Chancen, bergen aber auch große Risiken. Das meint Merkur-Redakteur Uli Kellner in seinem Kommentar.

Ein Innenverteidiger steht noch auf der Liste, neben Stefan Aigner sollte es das dann gewesen sein mit den Löwen-Einkäufen für die Saison 2016/17. Zuende geht in Kürze ein weiterer denkwürdiger Transfersommer beim nie langweiligen TSV 1860. Nach dem Radikalumbruch 2014 und der Selbstblockade 2015 wirken die aktuellen Personalaktivitäten, als seien sie von einem großen Dramaturgen geplant worden.

Erst kamen die Männer ohne besonderen Glanz: Busch, Zimmermann – typische Zweitligatransfers. In einem zweiten Schritt sorgte Thomas Eichin für Aha-Effekte: Matmour, Andrade, Stojkovic. Ehe es am Schluss immer schriller, prominenter und teurer wurde. Olic, Aigner und Ribamar sind drei Namen, die einerseits Fan-Herzen höher schlagen lassen, andererseits aber auch die Erwartungshaltung in ungeahnte Höhen treiben.

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Nicht wenige Fans reiben sich verwundert die Augen, denn man muss kein Mathe-Genie sein, um sich auszurechnen, dass der neue Luxuskader von Kosta Runjaic nicht alleine durch die Transfereinnahmen von Schindler, Kagelmacher und eine Spätrendite durch den Volland-Wechsel refinanziert werden kann. Man fragt sich: Was ist da geschehen? Hat sich Hasan Ismaik, fünf Jahre lang eher ein Sparfuchs, von Peter Cassalettes Gute-Laune-Politik mitreißen lassen? Wollen die am Ende wirklich ernst machen beim TSV 1860 München?

Ofiizielles Saisonziel des TSV 1860 München: Abstiegsgespenst schnell vertreiben

Ja und nein. Nach dem offiziellen Saisonziel gefragt, sagte Runjaic dieser Tage nicht viel anderes als Ex-Sportchef Oliver Kreuzer („stabile, sorgenfreie Saison spielen“), nur mit anderen Worten. Abstiegsgespenst schnell vertreiben, fußballerisch Fortschritte machen, solche Sachen. Fragt sich bloß: Ist eine derartige Tiefstapelei noch vermittelbar? Bei diesem qualitativ und quantitativ aufgerüsteten Kader? Mit frisch entflammten Fans und ebenso ehrgeizigen Profis?

In gewisser Weise ist es nachvollziehbar, dass Runjaic versucht, die mit jedem Transfer gewachsenen Ansprüche nicht auch noch vollmundig zu befeuern. Der Coach kennt die Chancen, wohl aber auch die Risiken, die sein spannendes Neuaufbau-Projekt begleiten. Prominente Spieler, viele Nationalitäten, enormes Gehaltsgefälle – es ist eine Mixtur, die in jedem Fall eine spannende Saison verheißt. Gespannt darf man auch sein, wie viel Geduld der Mann mitbringt, der all das möglich macht: Hasan Ismaik, in der Vergangenheit nicht immer der berechenbarste Partner.

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