OP im November 2014

Löwen-Keeper Zimmermann spricht über seinen Tumor

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Die Narbe erinnert Jan Zimmermann an die Tumor-OP, das Tattoo zeigt das Datum in römischen Ziffern.

München - Ein Tumor änderte das Leben von Keeper Jan Zimmermann. In der tz spricht der neue Torwart des TV 1860 München über seine Erkrankung.

Die Erinnerungen an den schwersten Tag seines Lebens trägt Jan Zimmermann am Körper. Eine Narbe und ein Tattoo. Die Narbe zieht sich vom Nacken wie ein akurat gezogener Strich etwa 15 Zentimer lang am Hinterkopf rauf, die Tätowierung soll ihn immer an diesen 26. November 2014 erinnern. An den Tag, an dem der neue Löwen-Torhüter sieben Stunden lang wegen eines Tumors im Kopf operiert werden musste.

Entdeckt wurde die ganze Geschichte per Zufall. 16 Tage zuvor hatte Zimmermann bei einem Zusammenprall mit Ante Budemir vom FC St. Pauli eine Gehirnerschütterung erlitten. „Unser Vereinsarzt bestand darauf, dass ich noch eine MRT-Untersuchung machen lasse“, erzählt Zimmermann. „Und da wurde festgestellt, dass ein Tumor an Kleinhirn und Stammhirn angewachsen war.“

Jan Zimmermann: Schockdiagnose Tumor - Sofortige OP

Eine Schockdiagnose. „Der Professor riet mir so schnell wie möglich zu einer Operation“, sagt der 31-Jährige. 18 Tage später war es so weit. „Mein Vater sagte damals einen klugen Satz“, erinnert sich Zimmermann. „Wir sollten doch eigentlich alle froh sein, dass die Geschichte durch einen Zufall diagnostiziert wurde. Schlimmer wäre es gewesen, wenn der Tumor unerkannt weitergewachsen wäre.“

Bei der Operation wurde zum Glück festgestellt, dass der Tumor gutartig war, trotzdem war es keine einfache Angelegenheit. Zimmermann: „Vor allem musste aufgepasst werden, dass bei der Entfernung des Tumors auf keinen Fall das Stammhirn beschädigt wird.“

Alles ging glatt und nur gut drei Monate später stand Zimmermann wieder im Heidenheimer Tor: Am 1. März 2015 beim 1:2 gegen Düsseldorf. „Trotz der Niederlage war es eines der schönsten Spiele, die ich erleben durfte“, sagt der gebürtige Offenbacher. „Michi Liendl hat übrigens beide Tore der Fortuna vorbereitet.“

Zimmermann rettete Löwen vor dem Abstieg

Zwei Monate später verhalf Zimmermann den Löwen sogar zum Klassenerhalt. Am letzten Spieltag gegen Aue holte er in der Nachspielzeit den Ball nach einem Mordsschuss von Selcuk Alibaz aus dem Winkel und rettete das 2:2. Bei einem Sieg hätte Aue statt 1860 die Relegation erreicht.

Und die Löwenfans haben Zimmermanns Großtat nicht vergessen. Als der TSV 1860 am ersten Spieltag der neuen Saison in Heidenheim antreten musste, ging Roman Wöll, einer der berühmten Allesfahrer, auf den Keeper zu, bedankte sich nochmal für dessen phänomenale Parade und überreichte ihm im Auftrag eines evangelischen Pfarrers, der ebenfalls ein beinharter Blauer ist, 50 Euro. Zimmermann: „Ich habe das gerne angenommen für die Mannschaftskasse. Zwei Kästen Bier waren damit sicher. Dabei habe ich ja nur meinen Job getan. Aber alltäglich ist so eine Aktion natürlich nicht. Auch nicht, dass sich damals vor dem Spiel Gary Kagelmacher und Daniel Adlung bei mir bedankt haben. Ich war im Nachhinein ja auch froh, dass ich mit meiner Tat den Löwen den Klassenerhalt ermöglicht habe. Denn Sympathien habe ich für diesen Verein schon immer gehabt. Schließlich bin ich alt genug, dass ich die Zeit von Werner Lorant, Icke Häßler usw. bereits miterleben konnte. Oder die zwei Derbysiege in einer Saison gegen die Bayern. Das ist nach wie vor ein ganz besonderer Verein. Dass ich jetzt dort spielen darf, bedeutet mir sehr viel.“

Und dann kommt Zimmermann noch mal auf seine schwere Zeit zu sprechen: “Der Weg, den ich damals wegen meiner Krankheit gehen musste, hat mich zu dem gemacht, der ich jetzt bin. All das was geschehen ist, hat meinem Charakter gut getan.”

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