Sieg in Hamburg, Konkurrenz stolpert

Löwen nach dem fast perfekten Freitag: "Jetzt wird's wichtig"

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Adrenalin pur: Einwechselstürmer Levent Aycicek machte mit dem 2:0 in der 88. Minute den wichtigen Auswärtssieg der Löwen perfekt.

München - Nach dem Sieg beim FC St. Pauli war die Erleichterung beim TSV 1860 München groß, vor allem auch wegen der stolpernden Konkurrenz. Nun stehen zwei wichtige Spiele an.

Die ganze Tragweite dieses Erfolgs sprach sich erst langsam herum, Minuten nach dem Schlusspfiff am Millerntor, in den Wandelgängen der Interviewzone. Der mit großer Leidenschaft erkämpfte 2:0 (1:0)-Sieg der Löwen beim FC St. Pauli war ja nur die eine Seite der Medaille an diesem denkwürdigen Freitag. Die andere Seite der Medaille glänzte aber mindestens genauso schön: Frankfurt, Paderborn und Düsseldorf hatten ihre Spiele wie bestellt verloren. Dadurch kletterten die Löwen auf Platz 14 der Tabelle und stehen nur noch einen Schritt vor der direkten Rettung. 31 Punkte hat der TSV 1860 jetzt, zwei Punkte Vorsprung auf Platz 16 – das kommende Heimspiel gegen Paderborn, den neuen Tabellenletzten, könnte bereits in einer großen Klassenerhaltsparty gipfeln.

„Echt? Die haben alle verloren?“, fragte Levent Aycicek, als er von den Reportern über die Ergebnisse der Konkurrenz aufgeklärt wurde. Der Einwechselstürmer, der mit einem schönen Schlenzer den Deckel auf diesen süßen Sieg gemacht hatte (88.), schien für den Moment ein wenig verwirrt zu sein ob dieser Fülle an Glücksfällen: „Klar freut’s uns, wenn die anderen verlieren und wir gewinnen“, sagte er und mahnte reflexartig: „Aber wir haben jetzt zwei direkte Rivalen vor der Brust (Paderborn, Frankfurt). Ich denke, das sind die ganz wichtigen Spiele, die du dann gewinnen musst.“

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Zwei nicht minder wichtige Spiele haben die von Daniel Bierofka wachgeküssten Löwen mal eben in aller Unaufgeregtheit gewonnen: Beide zu Null (zuvor 1:0 gegen Braunschweig), beide im ungewohnten 4-3-3-System, beide errungen mit ganz viel Biss. Das Erfolgsrezept aus Sicht von Aycicek: „Jeder weiß, was zu tun ist, jeder kämpft für den anderen, das war auch heute wieder der Schlüssel zum Erfolg.“

Teams mit Millerntor-Erfahrung wissen: Vor dem Anpfiff dröhnt „Hells Bells“ aus den Boxen, der energiegeladene Klassiker von AC/DC – und direkt nach dem Anpfiff ist es die geballte Energie der Kiezkicker, die sich auf dem Rasen in Form von erheblicher Angriffswucht entlädt. Diese heiße Anfangsphase gilt es zu überstehen, was den Löwen am Freitag einigermaßen schwerfiel. Nach zirka fünf Minuten jedoch ließ die AC/DC-Dosis der Gastgeber nach – und ab da nahmen die Löwen das Spiel in die Hand.

Schneller als erwartet mit auch zählbarem Erfolg. Schon beim zweiten Überqueren der Mittellinie durften die Löwen erstmals jubeln. Daylon Claasen, das Fliegengewicht, eroberte einen Fehlpass von Alushi, lief vor bis zur Strafraumgrenze und versenkte die Kugel mit großer Lässigkeit ins linke untere Toreck (8.). „Ich weiß nicht, wann sich der Daylon im Training mal so einen Torschuss getraut hat“, staunte Kapitän Christopher Schindler: „Heute hat er sich zum Glück getraut – und ist dafür belohnt worden.“

Sorge um Wittek trübt den perfekten Tag

Mit der Führung im Rücken gelang es den Löwen dann, so viel Überzeugung auszustrahlen, dass das umkämpfte Spiel immer einseitiger wurde. Hier die fleißig anrennenden Kiezkicker. Dort die Löwen, die fast alle Kopfballduelle gewannen, keinen Ball verloren gaben und auch immer wieder ansprechende Konter starteten. „Momentan zeichnet uns aus, dass wir eine richtige Mannschaft sind“, schwärmte Bierofka: „Gerade zum Schluss haben wir uns in jeden Schuss reingeworfen, in jeden Zweikampf.“ Das Ergebnis, abzulesen in der Tabelle, gefällt auch dem nicht zu Überschwang neigenden Ex-Profi. „Vor zwei Wochen waren wir tot, jetzt leben wir wieder“, sagte Bierofka: „Mit dieser Einstellung müssen wir jetzt auch die letzten beiden Spiele angehen.“ Einziger Wermutstropfen an einem ansonsten perfekten Freitag: Maxi Wittek musste mit Verdacht auf Außenbandriss im Knie ausgewechselt werden. „Der Maxi ist so ein Terrier“, sagte Schindler: „Der beißt sich da bestimmt durch.“

Uli Kellner

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