Löwe übt Selbstkritik im Exklusiv-Interview

Mauersberger: "Luft nach oben - in jeder Hinsicht"

Jan Mauersberger
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Jan Mauersberger kam in der Winterpause vom Karlsruher SC.

München - Jan Mauersberger, gebürtiger Münchner, trifft nach der Länderspielpause mit den Löwen auf seinen Ex-Klub Karlsruher SC. Im Exklusiv-Interview gibt sich der Abwehrspieler selbstkritisch.

Als einziger der fünf blauen Winterzugänge spielte Jan Mauersberger (30) bislang in sämtlichen acht Ligaspielen über die volle Distanz. Beim 1:1 gegen Arminia Bielefeld gelang dem gebürtigen Münchner sein erstes Tor im Löwen-Trikot. Im tz-Interview spricht Mauersberger über die Lage im Abstiegskampf, den Druck, die Kritik und das nach der Länderspielpause anstehende Duell gegen seinen Ex-Verein aus Karlsruhe.

Herr Mauersberger, Werner Lorant hat die Darbietung der Löwen am Sonntag gegen Bielefeld als „Rotzfußball“ bezeichnet. Einverstanden?

Jan Mauersberger: Ich hab’s nicht gelesen, aber es ist normal, dass sich nach so einem Spiel verdiente ehemalige Löwen zu Wort melden. Wir müssen uns der Kritik stellen. Dass das kein guter Fußball war, was wir gegen Bielefeld abgeliefert haben, darüber gibt’s auch intern keine zwei Meinungen.

Welche Erklärung haben Sie mit ein paar Tagen Abstand für den laschen Auftritt?

Mauersberger: Wir haben es nicht geschafft, aus der 1:0-Führung Selbstvertrauen zu ziehen, sondern waren zu passiv. Gefährliche Situationen konnten wir eigentlich überhaupt nicht kreieren. Die Fehlerquote war allgemein zu hoch. Ich hoffe, das dieses Spiel ein Ausrutscher war.

Wie sehen Sie Ihre Leistungen bei 1860 bisher? Wo müssen Sie draufpacken?

Mauersberger: In der Spiel­eröffnung, in der Präsenz. Am Sonntag hatte ich zwei Fehlpässe drin, die mir sonst eigentlich nicht passieren. Ich habe in jeder Hinsicht noch Luft nach oben. Und die Zeit drängt, die Spiele werden schließlich nicht mehr.

Was halten Sie von der These, dass bei 1860 nur die Standards zweitligatauglich sind?

Mauersberger: Ich teile diese These nicht. Unsere Standards sind sehr gut, aber ich finde schon, dass sich auch unser Defensivverhalten in den vergangenen Wochen verbessert hat. Ein Manko ist, dass wir immer noch zu konteranfällig sind, das spielt einigen Mannschaften natürlich in die Karten.

Acht der 14 Restspiele sind vorbei, elf Punkte und 10:12 Tore lautet die Bilanz. Haben Sie es sich einfacher vorgestellt?

Mauersberger: Nein, es ist die erwartete Monsteraufgabe. Aber wir sind wieder voll dabei und haben das Heft des Handelns in der Hand. Das ist ein gutes Gefühl, das wir in der Winterpause so nicht hatten.

Den nächsten Gegner kennen Sie aus dem Effeff. Beim 1:0-Sieg in München standen Sie noch in der Startelf des Karlsruher SC. Wie schätzen Sie den KSC aktuell ein?

Mauersberger: Stark. Sie haben beim 0:1 in Freiburg ein gutes Spiel gemacht. Das ist sicher keine Mannschaft, die die Saison austrudeln lässt. Viele Verträge laufen aus, die Jungs wollen sich empfehlen. Auch die Fernsehgelder, die ja nach Tabellenplatz gestaffelt sind, spielen eine Rolle. Also dass wir einen Vorteil haben, weil es für den KSC nicht mehr um Auf- oder Abstieg geht, das wage ich zu bezweifeln.

Und wie groß sind Ihre Revanchegelüste nach dem Abgang im Winter?

Mauersberger: Da hab ich keine. Also nichts, was über die normale Motivation hinausgeht. Es war ein sauberes Ende beim KSC im Winter und ich habe dort dreieinhalb fantastische Jahre verbracht. Ich werde niemandem aus dem Weg gehen im Wildparkstadion.

Der KSC hat zuletzt fünfmal in Folge gegen 1860 gewonnen. Welche Rolle spielen solche Serien?

Mauersberger: Bei uns Spielern eigentlich gar keine. Sonst hätten wir ja jetzt auch gegen Bielefeld gewinnen müssen (lächelt gequält). Wenn man auf die letzten Spiele Karlsruhe gegen 1860 schaut, dann war es eigentlich meistens eng. Auch beim 1:0 im Hinspiel in der Arena war der KSC nicht unbedingt besser.

Was fehlt den Löwen im Vergleich zum KSC?

Mauersberger: Sicherlich ein Stück Kontinuität. Ansonsten sind die Unterschiede nicht so erheblich. Die Fans sind bei beiden Klubs sehr emotional, nur das Medienaufkommen ist in München natürlich größer.

Worauf wird es ankommen in den letzten sieben Spielen?

Mauersberger: Dass wir alles, wirklich alles reinhauen und nicht nach links und rechts schauen. Wir wissen, um was es geht, wir wissen, dass uns nicht geschenkt wird und es sind sieben Gegner auf Augenhöhe.

Benno Möhlmann sprach von vier Siegen, die zur Rettung nötig seien…

Mauersberger: Ja, da werde ich dem Trainer mit seiner enormen Erfahrung nicht widersprechen.

Interview: Ludwig Krammer

Ludwig Krammer

Ludwig Krammer

E-Mail:Ludwig.Krammer@tz.de

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