Von Verkaufsobjekt zum Hoffnungsträger

Rebele über Liendl: "Er hat halt dieses Gefühl im Fuß"

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Michael Liendl.

München - Den gesamten Sommer zog sich der Gedanke, Michael Liendl sei verzichtbar, bei den Löwen-Verantwortlichen durch. Bis zum Saisonauftakt in Fürth. Eine Analyse.

Als es im Abstiegskampf der vergangenen Saison vier Spieltage vor Schluss für die Löwen Spitz auf Knopf stand, hatte der als Retter engagierte Daniel Bierofka keine Verwendung mehr für Michael Liendl. Kämpfer waren gefragt, keine Ballstreichler. Der Erfolg gab dem Interimstrainer recht. Drei Siege in Folge, der letzte gegen Paderborn auch wieder mit Liendl in der Startelf, sorgten für den Klassenerhalt. Trotzdem wurde die Rettung nicht am Österreicher festgemacht, obwohl dieser in der letzten Saison bester Torvorlagengeber (acht) in den Reihen der Löwen war. 

Den gesamten Sommer zog sich dann der Gedanke, Liendl sei verzichtbar, bei den Löwen-Verantwortlichen durch. Bis zum Saisonauftakt in Fürth. Die Löwen boten beim 0:1 eine grausame Leistung, und plötzlich wurde die Personalie wieder Liendl aktuell. Gegen Bielefeld benötigte Trainer Kosta Runjaic einen, der kicken kann. So schnell kann’s gehen bei 1860. 

Womöglich hat auch Stefan Aigner seinen Teil dazu beigetragen, der Liendl nach anderthalb Wochen des Kennenlernens im Training als „überragenden Kicker“, bezeichnete und noch hinzufügte: „Nicht jeder kann solche Pässe schlagen.“ Was wohl auch Thomas Eichin aufgefallen ist. Der Sportchef beendete kürzlich alle Abgabegedanken, die unter seinem Vorgänger Oliver Kreuzer öffentlich wurden. Trotzdem etwas spät. Auch für Liendl, der lange nicht wusste, wie seine Zukunft aussieht. 

„Das hätte man auch anders handhaben können“, sagte der Mittelfeldspieler. „Dann hätte man schneller Ruhe gehabt.“ Meisterlöwe Hansi Rebele, der zum Ende seiner Karriere auch noch einen starken Spielmacher abgab, saß am Sonntag gegen Bielefeld auf der Tribüne und lobte Liendl: „Er hat halt dieses gewisse Gefühl im Fuß. ­Liendl weiß eben, wie man einen guten Pass spielen muss.“ 

Auch wenn er das gegen Bielefeld von der Sechser-Position aus tun musste. „Zum ersten Mal in meiner Karriere habe ich diese Position gespielt“, sagte Liendl. „Aber ich kann mir das auch für die Zukunft vorstellen, weil ich ein Spieler bin, der gerne den Ball hat.“ Trotzdem: Der Fall ­Liendl beweist einmal mehr, dass das unstete Treiben beim TSV 1860 alles andere als produktiv ist. 

In seinen elf Monaten an der Grünwalder Straße hat Liendl vier Trainer und drei Sportchefs erlebt. Die einen fanden ihn gut, die anderen weniger. Ähnlich war es bei Bobby Wood. Reiner Maurer ließ den US-Stürmer links liegen, Nachfolger Alexander Schmidt pushte ihn, Friedhelm Funkel hatte wieder weniger Verwendung für den Angreifer, bei Ricardo Moniz wurde Wood wieder Stammspieler. Danach schob ihn Markus von Ahlen zur U 21 ab. Anderthalb Jahre später war der US-Boy dem HSV vier Millionen Euro wert. Die Ablöse kassierte allerdings Union Berlin. 

cm, lk

Video: Stefan Aigner kehrt zurück zu den Löwen - durch und durch ein Blauer

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