Löwen drohen zudem Geldstrafen und Punktabzug

Fordert Ismaik weitere 1860-Anteile für Lizenzsicherung?

+
Karl-Christian Bay (Vorsitzender des Verwaltungsrats), 1860-Präsident Peter Cassalette und Investor Hasan Ismaik (v.l.) auf der Tribüne der Allianz Arena.

München - Hasan Ismaik besitzt offenbar trotz der 50+1-Regel bereits die Mehrheit der stimmberechtigten Aktien von 1860 - und könnte jetzt noch mehr fordern. Zudem drohen Strafen.

Dem TSV 1860 München drohen möglicherweise mehrere Geldstrafen und auch ein Punktabzug durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Der Grund sind mögliche Verletzungen der erteilten Auflagen bei der Lizenzierung sowie die wieder notwendige Umwandlung von Darlehen durch Investor und Hauptgesellschafter Hasan Ismaik in Genussscheine. Und für die Lizenzsicherung zur kommenden Saison könnte Ismaik weitere Vereinsanteile fordern. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Mit Blick auf die Sicherung der Spiellizenz für die Saison 2017/2018 könnte es zu weit reichenden Folgen für den TSV 1860 München kommen. Denn hierfür, so schreibt das Blatt, werden diesmal deutlich mehr als die 4,2 Millionen Euro fällig, die Hasan Ismaik heuer dem Verein zur Verfügung stellte. Der Investor könnte für die Zahlung eine Gegenleistung einfordern - in Form von weiteren Anteilen an der Fußball-KGaA.

Trotz 50+1-Regel: Ismaik besitzt bereits 60 Prozent stimmberechtigte Anteile

Zur Erinnerung: Beim Einstieg des Jordaniers vor fünfeinhalb Jahren kaufte er zwar 60 Prozent der Anteile, doch nur 49 Prozent waren stimmberechtigt - zur Erhaltung der von der DFL geforderten 50+1-Regel. Aber: Die restlichen elf Prozent sind sogenannte Vorzugsaktien und mittlerweile nicht mehr stimmlos. Denn diese erhalten ein Stimmrecht, sobald das Unternehmen zwei Jahre lang keine Vorzüge gewährt (beispielsweise durch Dividenden-Ausschüttung) - und das ist passiert.

Heißt: Ismaik hat bereits 60 Prozent der stimmberechtigten Aktien, doch nutzen kann er sie dank spezieller Regelungen, die von der DFL als passend eingestuft wurden, noch nicht. Im Kooperationsvertrag zwischen Ismaik und den Löwen heißt es, dass beim Fall der 50+1-Regel die Investorenseite eine Übernahme weiterer Anteile/Aktien des TSV 1860 e.V. anstreben werde. Mit dem Kauf weitere Anteile könnte er so nun vorsorgen.

Das Problem allerdings: Sollte Ismaik tatsächlich weitere Anteile kaufen wollen, müssten die 1860-Mitglieder hierfür auf einer dann notwendigen außerordentlichen Versammlung ihre Zustimmung erteilen. Aber ob diese per einfacher Mehrheit erreicht wird, ist äußerst fraglich. Anteilsverkauf oder möglicher Lizenzentzug - es wäre ein harte Entscheidung.

Darum drohen 1860 Geldstrafen und Punktabzüge

Doch es drohen auch unmittelbare Probleme für den Verein. Wir erinnern uns: Im Dezember 2015 verweigerte Ismaik die Umwandlung seiner Darlehen für die Löwen in Genussscheine. Das hatte zur Folge, dass die DFL den Verein mit einer Geldstrafe von 750.000 Euro belegte, da sich damit das Eigenkapital des Vereins verschlechtert hatte (Info-Text: Was sind Genussscheine?). Sollte Ismaik auch heuer die Umwandlung bis Silvester verweigern, so droht 1860 als Wiederholungstäter diesmal sogar ein Punktabzug.

Doch es droht zusätzlich noch unmittelbares Ungemach: Die Neubaumaßnahmen auf dem Trainingsgelände sind nach Informationen der Süddeutschen Zeitung lediglich mit Darlehensverträgen von Hasan Ismaik finanziert worden. Das heißt, es floss bislang kein Geld. Möglich ist also, dass die DFL bei der laufenden Nachlizenzierung die Überweisung des Geldes fordert. Ansonsten könnte 1860 die Auflage erhalten, künftige Transfers vom Ligaverband genehmigen lassen zu müssen.

Doch dem nicht genug: Die im März angesetzten Kaderkosten stiegen durch die Vielzahl neuer und teurer Spieler wie Stefan Aigner, Ribamar oder Ivica Olic enorm an (vermutet wird eine Verdopplung) - und könnten von der DFL als "Nichterfüllung der Auflage Planqualität" interpretiert werden. Die Folge wäre eine Strafzahlung in Höhe von zehn Prozent der Abweichung. Davon allerdings geht Präsident Peter Cassalette nicht aus.

Es scheinen spannende und richtungsweisende Monate für den TSV 1860 zu werden - auf und neben dem Rasen ...

auch interessant

Meistgelesen

Ismaik: So entwickelte sich sein Verhältnis zu den Fans
Ismaik: So entwickelte sich sein Verhältnis zu den Fans
Sechzig bejubelt den Sieg: „Eine unglaubliche Befreiung“
Sechzig bejubelt den Sieg: „Eine unglaubliche Befreiung“
TSV 1860: Wer ist eigentlich Anthony Power?
TSV 1860: Wer ist eigentlich Anthony Power?
Ex-Profi kritisiert 1860: „So geht man nicht mit Menschen um“
Ex-Profi kritisiert 1860: „So geht man nicht mit Menschen um“

Kommentare