"Erfolgserlebnisse stärken den Glauben"

Nach Derbysieg: Diese neuen Löwen machen Hoffnung

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Die Derbysieger: Sascha Mölders (l.) Arm in Arm mit Michael Liendl, Victor Andrade (r.) eilt als Gratulant herbei.

München - Beim 2:1 in Nürnberg wird die Hoffnung geschürt, dass beim TSV 1860 München endlich bessere Zeiten anbrechen könnten.

Kosta Runjaic genoss den Augenblick kollektiven Glücks. „Das war ein schönes Bild, als alle – Fans und Mannschaft – gemeinsam vor unserer Kurve das Tor gefeiert haben“, sagte der Trainer des TSV 1860, „man hat gesehen, welche Befreiung das war.“

Zwei Jahre permanenten Abstiegskampf haben die Münchner hinter sich, und nun, im bayerischen Derby in Nürnberg, erlebten sie erstmals wieder Momente unbeschwerter Hochgefühle. Denn der so intensiv bejubelte Treffer von Michael Liendl (79.) stellte nicht nur einen wichtigen 2:1-Auswärtssieg sicher, sondern er schürte auch die Hoffnung, dass für die Sechziger nach der Dauer-Trübsal, endlich, endlich wieder bessere Zeiten anbrechen könnten. Sportchef Thomas Eichin fasste dies in dem nüchtern-analytischen Befund zusammen: „Viel wichtiger als der Sieg ist, dass sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel steigert, dass wir immer neue Prozesse erkennen.“

Neu beim TSV 1860 ist in der Tat, dass die Mannschaft in der Lage ist, spielerisch aufzutrumpfen, aus einem ansehnlichen Kombinationsspiel heraus Offensivkraft zu entwickeln. Beim Gastspiel im mit 30.675 Zuschauern gefüllten Nürnberger Stadion demonstrierten die Löwen erstmals in dieser Saison in überzeugender Deutlichkeit, dass der Neuanfang unter Runjaic und Eichin immer mehr ins Rollen kommt, sich schon lange nicht mehr erlebte Schlagkraft zu entwickeln scheint.

Tief beeindruckt zeigte sich auch Hasan Ismaik, dessen Freude am Investorentum mit fünfjähriger Verspätung anscheinend zusehends zur Entfaltung kommt. Auf Facebook frohlockte er gestern: „Das ist das neue Sechzig, wie wir es uns immer gewünscht haben. Eine Mannschaft, ein Team, eine Einheit.“ Der offenbar stark euphorisierte Jordanier wird am Freitag sogar gen München jetten, um dem Heimspiel gegen Union Berlin (Anpfiff: 18.30 Uhr) als Augenzeuge beizuwohnen.

TSV 1860 München: Olic und Mölders harmonieren im Angriff

Zu den erfreulichen Erkenntnissen dieser schönen Spätsommernacht im Frankenland zählte zudem, dass Ivica Olic (37) und Sascha Mölders (31) im Angriff prächtig harmonierten. Dabei wurde das Oldie-Duo mehr aus der Not geboren. Nach der Verletzung von Kapitän Stefan Aigner, der sich im Training bei einem Pressschlag mit Viktor Andrade eine Teilruptur des Innenbandes zugezogen hat und bis zu acht Wochen ausfallen wird, entschloss sich Runjaic, erstmals zwei Sturmspitzen aufzubieten. Das 1:0 entsprang einer Co-Produktion (Pass Olic, Tor Mölders), das 2:1 bereitete Mölders vor. Zudem rackerten die beiden vorbildlich, Olic verbuchte sogar die beste Laufleistung im Löwen-Team. „Aigner wird uns fehlen“, betonte Runjaic. Er weiß nun aber auch, dass ihm tatkräftige Alternativen zur Verfügung stehen.

Zu den auffallendsten 1860-Akteuren gehörte zudem Michael Liendl, Schütze des Siegtores. Der Österreicher setzte aus dem defensiven Mittelfeld heraus effektvolle Akzente. „Er hat ein gutes Spiel gemacht und mit seinem Tor seine Leistung bestätigt“, belobigte Runjaic.

Allerdings blieb auch dem Löwen-Coach nicht verborgen, dass sich sein Team beim durchaus giftige Gegenwehr leistenden 1. FC Nürnberg einige Wackler leistete. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Aber es war nicht alles so, wie ich mir das vorstelle“, merkte Runjaic an, „wir haben noch zu viele Großchancen zugelassen.“ Deren vier, um genau zu sein. Dass Nürnberg kein Kapital daraus schlug, lag nicht zuletzt an Torhüter Jan Zimmermann, der dreimal großartig parierte. „Wir hatten auch das Spielglück“, sagte Runjaic.

Vier Pflichtspiele (inklusive Pokal) in Serie blieben die Sechziger nun ungeschlagen, nach vier Spieltagen liegen sie auf Platz 6. Das kann sich sehen lassen. „Ich sehe, dass die Tendenz positiv ist. Erfolgserlebnisse stärken den Glauben, das Selbstvertrauen“, sagte Runjaic. Keine schlechte Ausgangsbasis also vor den Oktoberfest-Wochen. Für Thomas Eichin aber noch längst kein Grund, sich an der Zwischenbilanz zu berauschen. „Wir sind ganz zufrieden“, sagte der Sportchef, „aber sollten auch nicht in Euphorie verfallen.“

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