Echt wahr, Herr Ismaik!

Trotz Medien-Boykotts: Löwen verlieren in Braunschweig

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Ivica Olic traf in Durchgang zwei für den TSV 1860.

Braunschweig - In Spiel eins nach der Trennung von Trainer Runjaic verliert 1860 München beim Tabellenführer. Interimscoach Bierofka versucht viel, wechselt sogar den Torwart. Ein Olic-Tor reicht jedoch nicht.

Ob Sie’s glauben oder nicht, Herr Ismaik: Die Löwen haben verloren. 1:2 in Braunschweig. Die achte Niederlage im 14. Saisonspiel, nur ein Sieg in den vergangenen zehn Spielen – das kann man nur noch mit fassungslosem Schweigen hinnehmen. Und dazu braucht’s nicht mal einen Boykott, wie ihn Hasan Ismaik verhängt hat: Seit Samstag dürfen die Spieler nicht mehr mit Journalisten sprechen, Medien haben Hausverbot an der Grünwalder Straße.

Tags darauf hat Daniel Bierofka seinen Nimbus verloren. Mit drei Siegen aus drei Spielen rettete der 37-jährige als Aushilfstrainer zum Ende der Saison die Löwen vor dem Abstieg, beim zweiten Versuch setzte es gleich eine Niederlage. Okay, man trat beim Tabellenführer an, aber was die Löwen in der ersten Halbzeit in Braunschweig geboten haben, spottete jeder Beschreibung.

Auch Bierofka ließ vor dem Sky-Mikro – da sprechen die Löwen noch, weil der Sender bezahlt – kein gutes Haar an seiner Mannschaft. „Das war nicht genug“, moserte er. „Wir haben Zweikampfstärke vermissen lassen sowie taktische Disziplin nach hinten, und auch auf den Außenbahnen waren wir nicht gut.“ Die Löwen konnten noch froh sein, dass es zur Pause nur 0:1 hieß. Nyman hatte in der 16. Minute getroffen, nach einer perfekten Kopfballvorlage von 1860-Verteidiger Perdedaj. Was den Kosovaren da geritten hat – man fasst es nicht.

Aber auch seine Nebenleute agierten wirr und fahrlässig, vor allem der zuletzt so hochgelobte Felix Uduokhai stand häufig neben sich. Ein Glück, dass die Braunschweiger die vielen guten Chancen nicht nutzten. Chancen der Löwen vor der Pause: Fehlanzeige.

Sechser & Fünfer! Bilder & Noten zur 1860-Pleite in Braunschweig

Da sahen auch die Verantwortlichen auf der Tribüne bescheiden aus der Wäsche. Als da gewesen wären: Vizepräsident Hans Sitzberger, Yahya Ismaik, Bruder von Hasan sowie Beirat und Aufsichtsrat, Marketingchef Raed Gerges sowie der neue Geschäftsführer Anthony Power. Der trug einen Werner-Lorant-Schal um den Hals, ein Relikt aus weit erfreulicheren Löwen-Zeiten. Lorant war übrigens auch in Braunschweig, als Experte von Sky. Und der 68-jährige Ex-Trainer macht sich große Sorgen um seine Löwen, die er über neun Jahre lang betreut hat. „Mir blutet das Herz, wenn ich auf die Tabelle sehe“, sagte Lorant. „Das sieht ganz gefährlich aus.“ Nur einen Punkt Vorsprung besitzt 1860 auf einen Abstiegsplatz. „Ohne Erfolg aber kommt der Verein nie zur Ruhe“, warnte Lorant. „Außerdem glaube ich, dass Ismaik in seinem Umfeld nicht die richtigen Berater hat.“

Sportchef – oder wie immer man ihn noch nennen soll – Thomas Eichin saß auf eigenen Wunsch diesmal nicht auf der Bank, sondern auf der Pressetribüne, ganz in der Nähe der Münchner Journalisten. Wenn das bloß nicht Hasan Ismaik erfährt…

„Mit dem 0:1 zur Pause waren wir noch gut bedient“, sagte Eichin, „aber auf Grund der 2. Halbzeit und den guten Umstellungen von Biero hätten wir ein Unentschieden verdient gehabt.“ Nach Kumbelas Tor zum 0:2 (65.) hatte Olic den Anschlusstreffer erzielt (72.), und in der Nachspielzeit scheierte Lacazette nur ganz knapp mit einem Heber.

Und wie geht­’s weiter bei den Löwen? Armin Veh, so heißt es, habe abgesagt, ihm ist der Job an der Grünwalder Straße offenbar zu heiß. Bierofka muss die Mannschaft auch auf das Heimspiel am Samstag gegen Dresden einstellen. Und er sagte: „Ich habe einiges gesehen, über das ich mir Gedanken machen muss, was künftig die Aufstellung betrifft.“ Wie wahr!

cm, lk

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