Präsident redet Klartext

Mayrhofer: "Das Chaos gehört zum Verein dazu"

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Löwen-Präsident Gerhard Mayrhofer.

München - Löwen-Präsident Gerhard Mayrhofer will sich auch durch Rückschläge nicht von seinem Weg abbringen lassen, die Sechzger wieder in ruhigere Fahrwasser zu führen. Die Aufarbeitung alter Probleme ist in vollem Gange.

Spätestens nach der 0:1-Heimniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern am Sonntag dürften die kühnsten Optimisten nicht mehr an einen Aufstieg der Sechzger in dieser Saison glauben: Acht Punkte Rückstand bei acht noch ausstehenden Spielen - die Saison ist auch in diesem Jahr für die Löwen schon im März wieder gelaufen. Der Traum von der Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs bleibt auch zehn Jahre nach dem Abstieg ein unerfüllter Wunsch!

Die Realität besagt, dass die Löwen in diesem Sommer zum elften Mal den Versuch starten müssen, endlich in die Bundesliga zurückzukehren. Diese nüchterne Wahrheit zu akzeptieren, das versucht Präsident Gerhard Mayrhofer nach wie vor, dem unruhigen Umfeld der Sechzger zu vermitteln. "Es wird hier ja immer wieder gesagt, wir würden in die Bundesliga gehören. Aber man muss sich die Frage stellen: 'Ist das wirklich so?', sagt Mayrhofer in einem Interview mit dem "Kicker". Und liefert die Antwort gleich hinterher: "Nein, wir gehören aktuell genau in diese 2. Liga. Wir müssen diese Realität begreifen und anfangen, daran zu arbeiten und etwas verändern."

Wer ist wer bei den Löwen?

Wer ist wer bei den Löwen?

Dass am Ende seines ersten Jahres als Löwen-Präsident der Aufstieg nicht realisiert sein wird, betrachtet der 1860-Boss rational: "Ich bin für eine Amtszeit von drei Jahren gewählt worden. Ich habe bei meinem Antritt von Aufstieg gesprochen - in dieser Zeit wollen wir das schaffen." Dabei seien auch Rückschläge wie die jene vom Sonntag im Spiel gegen Lautern eingeplant. "Manchmal geht es erst ein Stück weit runter, damit es dann wieder nach oben gehen kann", drückt es Mayrhofer philosophisch aus.

Helfen soll hierbei auch ein neuer Sportdirektor, über dessen Identität Mayrhofer aber noch nichts sagen kann. "Es ist alles andere als einfach, solch eine Position in der Phase neu zu besetzen, in der die Planungen für die neue Saison laufen. Aber es gibt eben Dinge, die notwendig sind, denn wir wollten auf keinen Fall so weitermachen wie die letzten zehn Jahre. Wir brauchen neue Leute mit neuem Denken."

Einer von diesem Schlag soll auch Löwen-Investor Hasan Ismaik sein, zu dem nach wie vor eine enge und intensive Beziehung bestehe, wie Mayrhofer beteuert. "Er ist ein Löwe. Er ist alles andere als ein reiner Kapitalgeber. Er fiebert wie wir mit und verfolgt die Spiele, auch wenn er nicht immer im Stadion ist. Er nimmt den Verein sehr ernst." Ob das weitere Gelder beinhaltet, mit denen der Kader verstärkt werden kann, lässt der 51-Jährige offen. "Man muss natürlich auch seine Perspektive als Kapitalgeber verstehen. Man kann erst dann Geld investieren, wenn man das Gefühl hat, dass es auf fruchtbaren Boden fällt."

Die schonungslose Aufarbeitung vergangener Missstände soll daher dazu führen, dass an der Grünwalder Straße bald wieder blühende Landschaften sprießen. "Als wir im vergangenen Juli anfingen, haben wir nicht bei null angefangen, sondern bei minus 200. Wir haben alle Probleme erst mal ans Licht gebracht. Die sind jetzt alle transparent, und wir haben die Situation erreicht, dass wir mit Ismaik darüber reden können, sinnvoll Geld zu investieren, um den Verein nach oben zu bringen", erklärt Mayrhofer und verspricht: "Wir werden einen neuen Sport-Geschäftsführer einstellen und unsere Mannschaft im Sommer mit Sicherheit verstärken."

Dass es bei den Sechzgern trotzdem turbulent weitergehen wird, möchte Mayrhofer nicht einmal ausschließen. Das Chaos gehöre zum Verein dazu, meint der Präsident. "Das macht den Charme der Sechzger aus. Wir werden immer eine besondere Rolle spielen. Als Verein werden wir immer Ecken und Kanten haben. "Wovon wir wegmüssen, sind die ganzen Skandale, Probleme der Vergangenheit."

wi

Gregory Straub

Gregory Straub

E-Mail:gregory.straub@tz.de

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