"Grenze wurde überschritten"

Schmierereien am Löwen-Gelände: Nun reagiert der Verein

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Nicht ganz korrekt in der Rechtschreibung, dafür umso klarer im Ausdruck.

München - Unbekannte haben die Geschäftsstelle des TSV 1860 München mit teils wüsten Beschimpfungen beschmiert. Nun reagieren Verantwortliche des Vereins.

Die Wut muss riesig gewesen sein, als in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (noch) unbekannte Löwen-Anhänger am Vereinsgelände an der Grünwalder Straße Hauswände und den Boden mit Parolen, Vorwürfen und Beleidigungen verschandelt haben. Natürlich nur in Blau. So weit geht die Liebe schon noch. Einer befand sich offenbar in derart unkontrollierter Rage, dass er „Ihr habt den Verein getötet“ an die Fassade der Geschäftsstelle pinselte. Das Ganze war wohl eine Reaktion auf die überraschende Entlassung von Sportdirektor Oliver Kreuzer am Mittwoch. Obwohl der 50-Jährige einst als Spieler das rote Trikot des Lokalrivalen trug, genoss und genießt Kreuzer bei vielen Löwenfans große Sympathien.

An der Wand des Fanshops stand „Verräter“ und „Lügner“, woanders „Fuck Ismaik“ und auf das Pflaster vor dem Trainingsplatz markierte einer ein Sterbedatum: „* 1860, † 2016“.

Gestern Mittag ging’s dann schon an die Säuberungsaktionen. Wobei es sich gut traf, dass Vizepräsident Hans Sitzberger ein Reinigungsunternehmen besitzt. Er traf rasch mit einem Arbeitswagen und weiterem Equipment an der Grünwalder Straße ein und legte selbst Hand an beim Entsorgen der Schmierereien. Als die Mannschaft um 16 Uhr zum Training marschierte, war alles beseitigt.

Bilder: 1860-Gelände mit üblen Parolen beschmiert

Kurz nach neun Uhr vormittags waren zwei Beamte der Kriminalpolizei erschienen, um die Ermittlungen aufzunehmen. Der TSV 1860 München stellte Strafanzeige. Dem Täter oder den Tätern droht ein Ausschluss aus dem Verein. Zudem werden die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Trainingsgelände erhöht.

Karl-Christian Bay, der Vorsitzende des Verwaltungsrats, äußerte sich folgendermaßen zur Aktion der blauen Vandalen: „Damit wurde eindeutig eine Grenze überschritten. Wir haben Verständnis für Kritik unserer Fans in angemessener Form. Beleidigungen in dieser Form und Sachbeschädigung gehen allerdings eindeutig zu weit. Das ist nicht akzeptabel. Wer so etwas tut, hat bei uns im Verein keinen Platz. Wir haben uns gemeinsam, und damit spreche ich für beide Gesellschafter, für einen Weg entschieden, hinter dem wir alle stehen.“ Dass allerdings offenbar nur noch Investor Hasan Ismaik sagt, wo’s lang geht, stößt etlichen Fans sauer auf. Zur Ruhe kommt der TSV 1860 nach wie vor nicht.

Ein Scherzkeks allerdings nahm’s auch mit Humor: „Endlich sieht unser Gelände mal aus wie gemalt…“

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