Eichin checkt ein

Sechzig sucht den Verteidiger: Santana oder Niedermeier?

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Felipe Santana und Georg Niedermeier sind ins Visier des TSV 1860 geraten.

München - Nach fünfen Wochen im Hintergrund ist der neue 1860-Sportchef Thomas Eichin jetzt auch physisch anwesend. Und der Kaderplaner ist auf der Suche nach einem Innenverteidiger.

Am Montag ist für Thomas Eichin, 49, eine turbulente Sommerpause zuende gegangen. Rauswurf bei Werder, Trennung von der Ehefrau, Entzug des Führerscheins nach zu vielen Tempo-Sünden – es war mächtig was los im Leben des Ex-Bremers, der privat auch noch Opa geworden ist. Und turbulent geht es für Eichin wohl weiter – jetzt, da er zwei offizielle Ämter beim TSV 1860 übernommen hat. Sportchef ist er. Geschäftsführer bis auf Weiteres. Als Kaderplaner hat er bereits fungiert, seit er seinen ersten öffentlichen Auftritt bei den Löwen hatte.

Aus der Ferne, quasi nebenbei, hat Eichin seit dem 27. Juni acht Transfers abgewickelt, teils spektakuläre, hat Verträge verlängert und Spieler verkauft. „Aber das habe ich ehrenamtlich gemacht“, betont der umtriebige Ex-Profi: „Mir war wichtig, nach den dreieinhalb Jahren in Bremen nicht gleich wieder vom Tagesgeschäft aufgefressen zu werden. Ich wollte ein bisschen Zeit zu haben, um noch ein paar private Dinge zu erledigen.“ Neben dem Enkelkind gibt es schließlich auch auch noch zwei Hunde, die ihr Herrchen zumindest ab und zu auf einen Gassi-Spaziergang treffen wollen.

Eichins "Akkus sind aufgeladen"

Am Dienstag ist Eichin nun auch physisch an der Grünwalder Straße angekommen. „Die Akkus sind aufgeladen“, sagt er. Ordnungsgemäß hat er sich in der Früh bei einem auf 32 Profis angewachsenen Kader vorgestellt. Und am Abend, ganz ohne Stress geht’s schließlich nicht – ist der „Außenminister“ der Löwen schon wieder auf Reisen gegangen. Ziel seines Kurztrips: Abu Dhabi, die Firmenzentrale von Hasan Ismaik. „Donnerstagfrüh“, sagt er lächelnd, „werde ich schon wieder hier im Büro sitzen.“

Was genau er mit dem Investor zu besprechen hat, behält der neue starke Mann des TSV 1860 für sich. Der Trip hat wohl den Charakter eines Antrittsbesuchs, doch wer weiß? Als Präsident Peter Cassalette vorige Woche in Abu Dhabi weilte, wurde still und heimlich der sogenannte „Königstransfer“ besiegelt.

Stefan Aigner war ein Kraftakt, wie Eichin zugibt – doch der Sportchef ist der Ansicht, dass der Herzenslöwe jeden Cent seiner Millionen-Euro Ablöse wert sein wird. „Wir dachten uns: Dieser Transfer kann vielleicht noch mal den letzten Kick geben – für die Fans, für 1860, für die ganze Mannschaft.“

Eichins Rechnung: Noch sechs Spieler sollten weg

Eine Mannschaft, die im Unterhalt nicht ganz billig sein wird. Eichin ist sich darüber im Klaren, dass 32 Spieler nicht nur das Gehaltskonto belasten, sondern auch den Betriebsfrieden gefährden. Schon beim Ligastart in Fürth könnte es lange Gesichter geben, wenn Kosta Runjaic seine Auswahl zu treffen hat. 18 Profis kann er mitnehmen, annähernd so viele müssen zu Hause bleiben. Daher sagt Eichin: „Ideal wäre ein Kader von 26 Profis. Wir werden jetzt mal zwei, drei Spiele abwarten – und dann schauen wir, wo vielleicht noch der Schuh drückt.“ Sprich: Bis Ende August, wenn die Transferliste schließt, ist Kaderverschlankung angesagt – für Eichin die Grundvoraussetzung dafür, dass überhaupt über den Rechtsfuß für die Innenverteidigung diskutiert werden kann, den sich der Trainer so sehnlich wünscht.

Felipe Santana (30, zuletzt Piräus, Krasnodar), der frühere Dortmunder und Schalker, ist im Gespräch. Eichin mag das Gerücht nicht kommentieren, doch eins ist klar: Die Arbeit wird ihm nicht so schnell ausgehen.

Als weiterer Verteidiger steht wohl der Ex-VfB-Spieler Georg Niedermeier auf dem Zettel. Den Weg durch München zur Säbener Straße kennt er nur zu gut. Immerhin war er 14 Jahre lang beim FC Bayern tätig. Derzeit hält sich der vereinslose Niedermeier bei Bayern II fit.

1860 bei Niedermeier mit schlechten Karten

Das VDV-Trainingscamp, dem sich viele vertragslose Spieler anschließen, kam für den langjährigen Kapitän der Bayern-Amateure nicht infrage, „denn hier“, sagt Niedermeier, „wurde ich mit offenen Armen empfangen“. Bereits die erste Kontaktaufnahme zu Heiko Vogel war durchweg positiv, seit einigen Wochen trainiert Niedermeier nun mit der zweiten Bayern-Mannschaft. Sechs bis sieben Mal pro Woche, am Nachmittag steht noch eine Athletikeinheit auf dem Programm, dazu diverse Zusatzschichten, die er privat finanziert. „Ich bin fit“, sagt Niedermeier. Wenn also das richtige Angebot kommt, wäre er sofort einsatzbereit.

Bisher war es noch nicht dabei. Der TSV 1860 hat eher schlechte Karten, dem FC Ingolstadt hat Niedermeier früh abgesagt, genau wie Fenerbahçe Istanbul. Beim Vorjahreszweiten der türkischen Süper Lig hätte Niedermeier, der in Stuttgart lange Zeit zu den Top-Verdienern zählte, finanziell noch einen Sprung nach oben gemacht, dazu Champions League gespielt. „Aber“, sagt er, „darum geht es mir nicht. 80 Prozent aller Spieler hätten in meiner Situation zugesagt – ich nicht“.

Niedermeier ist ein gebildeter junger Mann mit Weitblick. Die logische Denke – ein Münchner will gerne in oder um München bleiben – ist nichts für ihn. Ihn reizt das Ausland, die Erfahrung, die er unbedingt machen will. „Es ist ein Kindheitstraum, mal auf der Insel zu kicken“, sagt er. Aber auch Angebote aus den Top-Ligen in Frankreich und der Schweiz hört er sich derzeit an. „Geld“, sagt er, „war nie der Grund, aus dem ich Fußball gespielt habe“.

uk/Hanna Raif

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